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Zugvögel Ein Sylt-Krimi von Pauly, Gisa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.05.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Zugvögel

Umherziehende Artisten, ein Häkelclub und ein Charity-Event, das tödlich endet Erst machen die Zugvögel Rast auf Sylt, dann folgen in Scharen die Touristen - und schließlich kommen die Zirkusleute. Für Mamma Carlotta ein willkommenes Vergnügen, bis sie einen Artisten der Truppe sieht: Er hat ihrer Cousine Violetta vor vielen Jahren das Herz gebrochen. Das ist ja noch aufregender als der Häkelclub, den Charity-Lady Flora Engelbeck organisiert! Und Violetta kommt sogar höchstpersönlich auf die Insel, um sich den Verflossenen vorzuknöpfen. Was für ein Abenteuer! Das toppt sogar den Mord an einem Filmproduzenten und den Fund einer Leiche in den Dünen. Amore ist ja immer spannender als Mord. Dann aber hat der Mörder es auf ihre Familie abgesehen, und das ändert alles ... Gisa Pauly hängte nach zwanzig Jahren den Lehrerberuf an den Nagel und widmete sich ganz dem Schreiben. Seitdem lebt sie als Autorin, Journalistin und Drehbuchautorin in Münster, ihre Ferien verbringt sie am liebsten auf Sylt oder in Italien. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit der Goldenen Kamera des SWR. Die Leser der Fernsehzeitschrift rtv wählten sie zur beliebtesten Autorin des Jahres 2018. Ihre Krimireihe um Mamma Carlotta stürmt Jahr um Jahr die Bestsellerliste. Gisa Pauly hängte nach zwanzig Jahren den Lehrerberuf an den Nagel und veröffentlichte 1994 das Buch 'Mir langt's - eine Lehrerin steigt aus'. Seitdem lebt sie als freie Schriftstellerin, Journalistin und Drehbuchautorin in Münster, ihre Ferien verbringt sie am liebsten auf Sylt oder in Italien. Ihre Sylt-Krimis um die resolute Italienerin Mamma Carlotta erobern jedes Jahr aufs Neue die Bestsellerlisten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 04.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492995849
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Piper Taschenbuch 31447
    Größe: 4118 kBytes
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Zugvögel

In Carlotta Capellas Mitte rumorte es nach wie vor, wenn sie an die Frau in dem teuren Pelzmantel dachte. So elegant und dennoch eine Ladendiebin! "Incredibile!"

Ihre dunklen Locken, die nur wenige graue Strähnen aufwiesen, wippten vor Empörung, ihr Busen wogte, ihre Pantoletten klatschten im schnellen Rhythmus gegen ihre Fersen, die Einkaufstasche schlug bei jedem Schritt an ihr Bein. Carlotta Capella war noch immer außer sich. Sie öffnete die Knöpfe ihrer Jacke, weil Empörung sie stets erhitzte, und blieb gleich darauf stehen, um sie wieder zu schließen. Kurz vor Ostern war die Luft auf Sylt nicht wärmer als in ihrem italienischen Bergdorf kurz vor Weihnachten. Vor allem vor dem Wind, den es in ihrer Heimat so nicht gab, schützte Carlotta sich gern. In Panidomino fuhr er lau unter die Kittelschürze und blähte sie nur auf, wenn er ungewöhnlich kräftig daherkam, auf Sylt griff er dagegen mit eisigen Fingern zu und zerrte an der Kleidung.

Carlotta vergaß ihr Erlebnis bei Feinkost Meyer erst, als sie sah, dass sich am Süder Wung eine Gartenpforte öffnete. Die Nachbarin der Wolfs trat auf die Straße.

"Huhu, Frau Kemmertöns!"

Die Nachbarin war in Mamma Carlottas Alter, ebenso rund wie sie und ähnlich gekleidet. Beide trugen knielange Röcke aus dunklem Stoff, dazu beige Strickjacken mit Kordeln in der Taille. Weitere Ähnlichkeiten gab es jedoch nicht. Frau Kemmertöns war behäbig, oft geradezu stoisch, bewegte sich langsam, sprach langsam und dachte langsam. Vom Temperament einer Italienerin war sie so weit entfernt wie ein Eskimo von einer Hula-Tänzerin. Dass sich jemand so schnell bewegen konnte wie die Schwiegermutter von Kriminalhauptkommissar Wolf, dass sie mit großer Behändigkeit mehrere Dinge gleichzeitig erledigte, redete, ohne vorher gründlich nachzudenken, und spontane Entschlüsse fasste, ohne die Konsequenzen im Auge zu haben, war für Frau Kemmertöns immer wieder eine Quelle des Staunens. Und wenn sie von Mamma Carlotta ins Haus gebeten, zu einem Espresso eingeladen und mit Gebäck aus dem Vorrat bedient wurde, griff sie sich an den Kopf, weil ihr oft schwindelig wurde. Verhielt es sich umgekehrt, gelang es Carlotta ausnahmsweise einmal, ins Nachbarhaus vorzudringen, fühlte sich Frau Kemmertöns genötigt, einen Kaffee zu kochen und nach Konfekt oder Keksen zu suchen, kam meist einfach eine Likörkaraffe auf den Tisch, die immer griffbereit dastand, womit der Bedarf an Flüssigkeit und Süßigkeit gleichzeitig gedeckt wurde.

"Sie denken an unser Treffen heute Nachmittag?", fragte sie, als Mamma Carlotta herangekommen war.

"Naturalmente! Ich habe mir überlegt, dass ich einen Kaffeewärmer häkeln könnte."

Frau Kemmertöns war nicht besonders angetan. "Kaffeewärmer? Was ist das denn?"

"Eine große Häkelmütze, die man über die Kaffeekanne stülpt, damit der Kaffee heiß bleibt."

"Heutzutage gibt es doch Thermoskannen."

Dieser Einwand war leider nicht von der Hand zu weisen. Mamma Carlotta fiel ein, dass der Kaffeewärmer, den ihre Mutter gehäkelt hatte, in ihrem Haushalt auch nicht mehr gebraucht wurde. "Dann vielleicht Topflappen?"

Aber Frau Kemmertöns fand auch gehäkelte Topflappen nicht mehr zeitgemäß. "Wie wär's, wenn Sie einen flotten Schal stricken? Mit dicker Wolle und dicken Nadeln."

Diesen Hinweis verstand Mamma Carlotta sofort. Dicke Nadeln und dicke Wolle bedeuteten, dass man schneller fertig wurde.

"So was tragen auch junge Frauen gern. Das wird bestimmt gut verkauft. Darauf kommt es schließlich an, wenn es um Charity geht."

"Scheri..." Mamma Carlotta hatte Schwierigkeiten mit diesem Wort.

"Charity", wiederholte Frau Kemmertöns langsam, mit weit geöffnetem Mund, damit Carlotta sehen konnte, was sie mit ihrer Zunge machte, um das englische R zu produzieren.

Aber Carlotta konnte ein R nur rollen und lehnte es ab, daraus einen Laut zu machen, der sich anhörte, als würde er gekaut und kurz vor dem Erbr

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