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Über sich hinauswachsen Neid und Eifersucht als Chancen für die persönliche Entwicklung von Kast, Verena (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.05.2015
  • Verlag: Patmos Verlag
eBook (ePUB)
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Über sich hinauswachsen

Neid und Eifersucht sind verpönte Gefühle. Wir verdrängen sie daher gern oder projizieren sie auf andere. Doch dadurch bleiben sie eine Gefahr für unseren Selbstwert und unsere Beziehungen. Die renommierte Jung'sche Analytikerin Verena Kast legt überzeugend dar, dass wir eine große Chance für unsere Persönlichkeitsentwicklung ungenutzt lassen, wenn wir diese unangenehmen Gefühle leugnen. Sie ermutigt uns, den eigenen Neid, die eigene Eifersucht bewusst wahrzunehmen und sich mit diesen unangenehmen Gefühlen auseinanderzusetzen. Wenn wir diese Herausforderung annehmen, werden wir versöhnlicher und beziehungsfähiger. Wir lernen unsere Grenzen besser kennen und können eigene, vernachlässigte Potenziale entdecken. Verena Kast, Professorin für Psychologie und Psychotherapeutin in eigener Praxis, ist Dozentin und Lehranalytikerin am C. G. Jung- Institut Zürich. Zahlreiche Veröffentlichungen zu den Themen Psychologie der Emotionen, Grundlagen der Psychotherapie, Interpretation von Märchen und Träumen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 184
    Erscheinungsdatum: 04.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843606226
    Verlag: Patmos Verlag
    Größe: 512 kBytes
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Über sich hinauswachsen

Neidbiografien

Emotionen haben immer auch eine Geschichte in unserem Leben, deshalb hat jeder und jede auch eine Neidgeschichte. Unsere Geschichte, die wir mit dem Neid haben, ist keine schöne - aber eine wirkliche -; es geht um die Geschichte des Umgangs mit Mangel, Verzweiflung und der daraus resultierenden Hinterhältigkeit. Sie kann mehr oder weniger ausgeprägt sein. Anhand der folgenden Neidbiografien wird es möglich sein, die Psychodynamik des Neides noch differenzierter herauszuarbeiten.
Der verdeckte Neider

Helmut (der Deckname stammt von dem Mann selbst) ist 32 Jahre alt und meint von sich, er kenne Neid überhaupt nicht.

Helmut ist der Erstgeborene von zwei Söhnen, zunächst war er der ganze Stolz seines Vaters. Die Familie ist emotional sehr verschlossen, es werden wenig Gefühle gezeigt. Das wesentliche Grundthema der Familie ist: Man muss es allen recht machen. Es ist denn auch recht viel - uneingestandene - Angst in diesem Familiensystem auszumachen, Angst, es den anderen nicht recht zu machen, Angst zu versagen, Angst, nicht mehr angesehen zu sein. Der Vater hält sich für den besten Handwerker im Dorf, er ist ordentlich, und er arbeitet ordentlich. Helmut erinnert sich an einen Kernsatz seines Vaters: "Man muss halt der Beste sein." Alle anderen, die das gleiche, vom Aussterben bedrohte Handwerk hatten, mussten ihre Betriebe schließen, nur der Vater konnte seinen Betrieb aufrechterhalten - deshalb war er nachgewiesenermaßen der Beste.

Drei Jahre nach Helmuts Geburt wurde sein Bruder geboren. Fast unmittelbar nach der Geburt wurde festgestellt - so meint Helmut sich zu erinnern -, dass dieser Bruder das absolute "Abbild" des Vaters sei, seinem Vater also wesentlich mehr gleiche als er, Helmut. Er erlebte, dass von einem Moment zum anderen sich "niemand mehr" für ihn interessierte, bloß "die Großmutter hat sich dann meiner erbarmt". Offenbar musste Helmut eine Erklärung haben, warum das Interesse seines Vaters von ihm abgezogen wurde. Die Idee, dass der Bruder ein Abbild des Vaters sei, gibt eine Erklärung, die es Helmut möglich macht, den Verlust des Interesses nicht mit Schuldgefühlen zu verarbeiten - denn für diese Ähnlichkeit kann er ja nichts. Er ließ sich in der Folge von der Großmutter gebührend bewundern.

Die Veränderung in der Bedeutung der Beziehungspersonen ist auch anhand der vorhandenen Fotos nachweisbar. Sah man ihn vor der Geburt des Bruders meistens mit dem Vater und der Mutter auf einem Foto, in allen nur erdenklichen Situationen, selten nur mit den Großeltern, nach der Geburt des Bruders dann fast nur noch mit der Großmutter. Meistens steht er da als kleiner, sehr geschniegelter Bub, schön angezogen, die Haare am Kopf klebend - das ist natürlich auch die Mode einer gewissen Zeit -, neben ihm die Großmutter, und die beiden schauen sich auf vielen Fotos sehr liebevoll an. Fast wirken sie wie ein etwas ungleiches Liebespaar.

Ansonsten sagt Helmut von sich, er habe meistens allein gespielt, mit Kisten und Schachteln, die er jeweils zu Autos umfunktioniert habe. Seinen Bruder habe er nicht wirklich wahrgenommen, er habe ihn "übersehen". Als er in den Kindergarten gekommen sei, habe er der "Tante" immer geholfen - so erinnert er sich. Die anderen Kinder fand er kindisch, außer einem Mädchen, für das er sich interessierte. Mit diesem Mädchen hätte er eine nähere Beziehung haben wollen, er bot ihr an, sie jeweils bei ihr zu Hause abzuholen. Sie lehnte ab mit den Worten, die er noch heute erinnert: "Mit dir laufe ich nicht in den Kindergarten, du gehörst nicht wirklich zu den Kindern." Diese Zurückweisung traf ihn sehr - und er "übersah" in der Folge auch dieses Mädchen.

Im Schulalter wurde er der Liebling des Lehrers, die Großmutter spielte kaum mehr eine Rolle, außer dass sie die guten Noten bewundern durfte. Er versuchte, dem Lehrer dessen "Wünsche von den Augen abzulesen". Er war ein guter Schüler, hatte aber immer den Eind

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