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Altern - immer für eine Überraschung gut von Kast, Verena (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.02.2016
  • Verlag: Patmos Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Altern - immer für eine Überraschung gut

Keine Frage: Alle Menschen altern. Durch manche schwierige Veränderungen, die damit verbunden sind, gibt es viele neue Herausforderungen zu meistern. Wir müssen flexibel auf Situationen reagieren lernen, die wir nicht oder nur wenig beeinflussen können. Verena Kast, selbst Anfang siebzig, zeigt: Gerade im Alter gilt es, die Überraschungen, die das Leben so mit sich bringt - darunter auch freudige -, anzunehmen und kreativ mit ihnen umzugehen. Wie dies gehen könnte, beschreibt die renommierte Jung'sche Analytikerin in diesem neuen Buch. Dr. Verena Kast, Professorin für Psychologie und Psychotherapeutin in eigener Praxis, ist Dozentin und Lehranalytikerin am C. G. Jung-Institut Zürich. Sie hat zahlreiche, viel beachtete Werke zur Psychologie der Emotionen, zu Grundlagen der Psychotherapie und der Interpretation von Märchen und Träumen verfasst.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 24.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843607377
    Verlag: Patmos Verlag
    Größe: 403 kBytes
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Altern - immer für eine Überraschung gut

Bedürfnis nach Kontrolle

Vor-Sorge

Die Erfahrung, dass man öfter als früher die Kontrolle über den Körper, über die Alltagsbewältigung zu verlieren droht oder gar verliert, ruft nach Kontrolle. Eine besondere Form der Kontrolle im Alter und für das Alter ist die Vorsorge. Alte Menschen können sagen, sie hätten vorgesorgt, und jetzt sei es genug. So, wie der Winter kommt und man sich darauf einstellt und Vorräte an Heizmaterial anlegt, weiß man, kommt auch das Alter, und man kann sich nicht mehr auf alles so einstellen wie zuvor. Bei einigem kann man zwar auch vorsorgen: hinreichend Geld, um über die Runden zu kommen, eine geklärte Wohnsituation, eine Idee, wie man leben möchte, wenn man viel Hilfe braucht. Für existentielle Erfahrungen vorzusorgen, ist schwieriger: Natürlich wissen alle Menschen, dass im höheren Alter Freunde und Partnerinnen sterben werden, wichtige Bindungen, die Geborgenheit geben, verloren gegeben werden müssen - aber da kann man nicht wirklich vorsorgen. Es ist vielleicht möglich dafür zu sorgen, dass es noch Menschen gibt im Beziehungsnetz, die jünger sind. Aber auch das kann einen nicht vor Verlust schützen.

Eigentlich kann man gegen das Schicksal nicht vorsorgen. Aber möglich ist das Sammeln von guten Erfahrungen, von Freuden, die man erlebt hat, das Sammeln von psychischen Schätzen - für die härteren Tage. Aber auch die Vorsorge hat ein doppeltes Gesicht: Das Vorsorgen, die Sorge im Voraus, der Blick auf die härteren Zeiten sind sinnvoll, damit man sich dann nicht mehr zu sorgen braucht, wenn man es nicht mehr kann. Der besorgte Blick auf die Zukunft - Wie lange noch? - bedeutet aber auch: Jede kleine Schwäche, die man früher unter Stress abgebucht hätte, wird als Vorbote einer Zeit gesehen, in der immer weniger geht. Wie lange geht das noch gut? Wie lange kann das noch gutgehen? Kann ich das in einem Jahr noch? Und vor allem: Was kann ich tun, damit es noch möglichst lang gut geht? Keine Vorsorge ist das, sondern eine handfeste Sorge! Natürlich kommt einmal die Zeit, in der vieles nicht mehr gehen wird. Aber: Vor lauter Sich-Sorgen kann man das, was noch da ist, was das Leben reich macht, nicht mehr genießen. Davor warnte bereits Seneca: "Es ist ohne Zweifel töricht, weil du irgendwann einmal unglücklich sein wirst, jetzt schon unglücklich zu sein." 9

Die Beschäftigung mit dem Alter ist problematisch: Wir wollen "gut altern", wissen, was im Alter wichtig sein könnte - und alles, was wir tun, hat in sich auch die Tendenz, das Defizit bereits vorwegzunehmen, sich jetzt schon im sehr hohen Alter zu sehen und dieses zu generalisieren und mit dem Alter als Ganzem, das ja sehr unterschiedliche Phasen umfasst, gleichzusetzen. Entweder wird das Alter ausgeblendet, oder man lässt sich gleich schon sehr alt sein und möglicherweise sogar sterben. Dadurch wird das Jetzt - und das Leben findet im Jetzt und Hier statt - überschattet. Dazu macht Seneca in seiner Schrift Über die Kürze des Lebens darauf aufmerksam, dass die Erwartung, die vom Morgen abhängig ist, das Heute zerstört. 10

Aber auch umgekehrt gilt: Die Angst von heute kann in der Vorstellungskraft die Zukunft viel düsterer malen, als sie dann ist. Die Befürchtungen von heute lassen die Zukunft nicht offen sein, lassen keinen Raum für Flexibilität im Umgang mit den Schwierigkeiten, aber auch keinen Raum für überraschend gute Erfahrungen. Das Vorsorgen, das dazu führen soll, dass wir mit wenig Angst das hohe Alter erreichen, kann gerade bewirken, dass eine Periode des Lebens nicht in ihrem Wert gesehen und geschätzt wird, weil man sich zukünftiges Unheil möglichst vom Leib halten will, weil man noch so viel wie möglich kontrollieren will.
Fantasien des Vertrauens

Was befürchtet man nicht alles: Wir können uns schreckliche Szenarien vorstellen, für uns selber, für die Menschen, mit denen wir

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