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Depression Wissen, was stimmt von Hell, Daniel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.12.2015
  • Verlag: Kreuz
eBook (ePUB)
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Depression

Wird man eine Depression vollständig wieder los? Welche Rolle spielt die Vererbung? Ist Burnout die Vorstufe einer Depression? Die Krankheit hat viele Gesichter; die Informationen über sie sind oft widersprüchlich. Daniel Hell stellt klar, was stimmt - über Ursachen, Verlauf, Therapie und Prophylaxe. Daniel Hell, Professor für Klinische Psychiatrie und Klinikdirektor an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Bei Herder erschien von ihm u.a. 'Aufschwung für die Seele. Wege innerer Befreiung'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 03.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451807206
    Verlag: Kreuz
    Größe: 3758 kBytes
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Depression

2. Das Erscheinungsbild

"Depression ist Traurigkeit"

Der Gefühlsverlust in der Depression

T raurigkeit ist ein Grundgefühl, das alle Menschen kennen. Traurigkeit tritt auf, wenn einem Menschen etwas Wichtiges verloren geht. Das kann bei Kindern schon ein Luftballon oder ein Teddybär sein, bei Erwachsenen ein lieber Mensch, eine berufliche Stellung oder eine Idealvorstellung. Traurigkeit bindet. Sie löst bei andern Mitgefühl und Unterstützung aus. Der traurige Ausdruck oder das ergreifende Weinen ist Hinweis dafür, dass jemand Trost und Hilfe braucht.

Tränen sind Zeichen des Lebens. Traurig zu sein setzt Lebenskraft voraus. Wer so erschöpft und bedrückt ist, dass ihm die Vitalität abhandengekommen ist, kann kaum mehr intensivere Traurigkeit empfinden. Seine Tränen stocken. Seine Mimik erstarrt. Die bindende Botschaft der Traurigkeit geht verloren und verkehrt sich in ihr Gegenteil. Der ermattete Mensch mit eingefrorener Mimik wirkt abgewandt, in sich gekehrt, ja mitunter abweisend.

So wirken auch depressive Menschen, die den Lebensmut verloren haben, auf andere Menschen. Sie erscheinen schwer erreichbar, wie abgekapselt trotz Hilflosigkeit und Verzweiflung.

Wie kommt es denn dazu, dass die depressive Stimmung so oft mit Traurigkeit verwechselt wird? Dem liegt eine längere Geschichte zugrunde, die hier nur verkürzt dargestellt werden soll.

In der ersten Hälfte des 20. Jh. wurde der Begriff "Depression" vor allem in Zusammenhang mit der manisch-depressiven Erkrankung gebracht, einer relativ seltenen Störung, bei der betriebsame und euphorische (sog. manische) Zeiten mit schwereren depressiven Phasen abwechseln: Weil die Stimmung episodisch zwischen manisch und depressiv schwankt, nennt man diese Erkrankung heute bipolar affektive Störung. Daneben gab es auch den Ausdruck "depressive Neurose", worunter Verstimmungen infolge innerer Konflikte verstanden wurden. Als eigenständiger Krankheitsbegriff wurde "Depression" aber zunächst selten gebraucht, am ehesten noch als reaktive Depression bei leichteren depressiven Verstimmungen, die als Begleiterscheinung psychischer und körperlicher Belastungen auftraten. Erst im letzten Drittel des 20. Jh. wurde Depression vermehrt zu einer selbstständigen Krankheitskategorie. Zuerst wurden rein depressive Verläufe von der manisch-depressiven Erkrankung abgegrenzt, also Erkrankungsformen, die revidierend depressiv ohne Manien verlaufen. Dann wurden auch einmalige depressive Episoden, die keine Rückfälle zeigten, als eigenständige Erkrankungen diagnostiziert. Schließlich kamen noch weitere Depressionsverläufe (wie z. B. saisonale Depressionen) hinzu, sodass sich die Depressionsdiagnostik stark ausweitete und verselbstständigte. Dieser Trend verstärkte sich am Ende des 20. Jh. noch durch eine umfassende Reform der diagnostischen Kriterien in der Psychiatrie.

Wurden bis dahin Depressionen nach ihren Ursachen diagnostiziert, also beispielsweise als endogener Prozess wie die manisch-depressive Krankheit oder als neurotischer (bzw. konflikthafter) Prozess wie die depressive Neurose eingeschätzt, so basiert die neue Diagnostik statt auf Ursachen hauptsächlich auf Symptomen wie Bedrücktheit, Interesse- und Freudeverlust oder Antriebsmangel. Damit wurden die früheren Diagnosen "endogene Depression" und "depressive Neurose" hinfällig. Statt dessen diagnostiziert man "depressive Episoden" oder "Dysthymien" als Ausdruck eines bestimmten Symptombildes. Diese symptomorientierte Diagnostik, welche die WHO 1992 in ihrem Diagnosemanual ICD 10 von den Amerikanern übernahm, weitete die Depressionsdiagnostik noch einmal aus. Die Depressionskriterien boten nun auch Platz für freudlose und antriebsarme Missstimmungen, die man zuvor lediglich als unspezifische Begleiterscheinungen psychosozialer oder körperlicher Probleme verstanden hatte. Die Depression wurde zu einer alltäglichen verbreiteten Störung.

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