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Endlich Platz im Nest Wenn Eltern flügge werden von Bork, Uwe (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2011
  • Verlag: Kreuz
eBook (ePUB)
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Endlich Platz im Nest

Die Kinder sind ausgezogen: Bittersüß sind die Gefühle, durchaus merkwürdig die Situationen, in die man als Vater plötzlich gerät. Erst haut der geliebte Kater Karlo ab, dann sind auch die Kinder weg. Wie das Leben neu einrichten? Die leeren Plätze am Frühstückstisch geraten nun zur Grundsatzfrage nach dem Platz im Leben. Amüsant und pointiert erzählt Uwe Bork über die Situationen und Gefühle die Eltern umtreiben und von der unterschiedlichen Wahrnehmung von Müttern und Vätern. Uwe Bork, geboren 1951, ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern, einem Sohn und einer Tochter. Er leitet die Redaktion Religion, Kirche und Gesellschaft im SWR Fernsehen in Stuttgart.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 10.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451336867
    Verlag: Kreuz
    Größe: 393 kBytes
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Endlich Platz im Nest

K APITEL 1

oder
Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück.
Siddharta Gautama

Neu angefangen haben wir, als uns unser Kater endgültig verlassen hat. Treulos und launisch ist dieses Tier ja schon immer gewesen, kein Vergleich mit den süßen Kätzchen, die in früheren Jahren unser Sofa und unsere Sessel zerfetzt hatten. Karlo ist anders. Katzenflüsterer würden sagen, er hat Charakter.

Egal. Jetzt ist er weg, abgewandert zu unseren Nachbarn, die eine allzeit offene Katzenklappe in ihrer Tür, einen verlässlich vollen Fressnapf in ihrer Küche und einen abgrundtief hässlichen Kratzbaum in ihrem Wohnzimmer zu bieten haben. Nicht zu vergessen vier eigene Katzen mit ausgewiesener Abneigung gegen Katzenklos und ebenso ausgewiesener Vorliebe für Reihenhausgärten mit halbwilder Vegetation und trittfesten Rasenflächen. Wie unserem.

Geahnt hatten wir es sowieso schon lange: Unser Kater ist nun einmal ein Macho. Wäre er ein Mann, würde er Goldkettchen tragen, einen frisierten GTI fahren und im Stehen pinkeln.

Unsere Nachbarin Gisa, Ehefrau eines aufstrebenden und körperlich wie geistig meist abwesenden Mitglieds des mittleren Managements, stört das anscheinend nicht im geringsten. Sonst würde sie nicht eines Sommerabends vor unserer Haustür stehen und uns ein betörendes Angebot machen: "Ich wollte nur mal fragen", beginnt sie und dreht dabei verlegen den Hausschlüssel in ihren Händen. "Ich wollte nur mal fragen, ob ihr uns vielleicht euren Kater überlassen würdet. Wir würden ihn gern adoptieren. Gewissermaßen."

Die Frau, mit der ich seit einem sonnigen Freitag irgendwann in den Achtzigern Tisch, Bett und Leben teile, stößt mir ihren Ellenbogen äußerst heftig in die empfindlichen Weichteile zwischen Hüftknochen und Rippenbogen. Ich keuche kurz und heftig und wende mich ihr zu, wobei ich gezwungenermaßen immer noch die leichte Klappmesserhaltung eines Schmerzensmannes einnehme. Die Augen meines Schatzes strahlen wie damals, als uns ein offensichtlich von ihrem Charme hingerissener Autohändler für unseren siechen Cinquecento nicht nur das kostenlose Abschleppen zum nächsten Schrottplatz geboten hatte, sondern darüber hinaus auch einen überaus vorteilhaften Ratenvertrag für einen Neuwagen. Vorteilhaft für ihn, nicht für uns, wie sich später herausstellte.

Verwirrt drehe ich meinen Kopf wieder Gisa zu.

"Wie "adoptieren"?", frage ich.

"Ja, ab wann denn?", fragt meine Frau.

Auch wenn ich es ungern zugebe: Frauen sind in einigen seltenen Ausnahmefällen einfach fixer als wir Männer. Schneller im Begreifen. Und schneller im Entscheiden.

Wie aufs Stichwort taucht jetzt Karlo hinter der Buchsbaumumgrenzung unseres drei Quadratmeter großen parkähnlichen Grundstücks auf und streicht unserer Nachbarin laut schnurrend um die Beine. Lassie hätte sich einen derart würdelosen Partnerwechsel niemals zu Schulden kommen lassen.

"Och, eigentlich könnte er sofort zu uns umziehen. Er ist doch sowieso schon jetzt die meiste Zeit bei uns."

Stimmt. Unser Trockenfutter ist mittlerweile von einer Staubschicht überzogen und die "leckere Leber in pikanter Sauce" steht unberührt in unserer Küche.

Trotzdem ist aus taktischen Gründen ein leichtes Zögern angesagt.

"Na ja, Gisa, weißt du, irgendwie gehört Karlo doch zu unserer Familie" – manchmal neige ich zugegebenermaßen zu einer Spur Heuchelei – "und außerdem sollten wir v

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