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Gelassen auftreten Meditieren - Reden - Überzeugen von Wöss, Fleur Sakura (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.06.2019
  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
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Gelassen auftreten

Vom Schweigen zum Reden Gelassenheit, Authentizität und Klarheit sind die Schlüssel für einen souveränen Auftritt. Einer der Wege dazu ist Meditation. Aus der dadurch gewonnenen inneren Ruhe und lebendigen Präsenz resultieren Selbstbewusstsein und überzeugendes Auftreten. Mit vielen Beispielen aus ihrem Leben zeigt Fleur Sakura Wöss den Weg vom Schweigen zum Reden. Dr. Fleur Sakura Wöss, Profi-Rednerin, Vortragscoach und Zen-Lehrerin ist gleichermaßen in der Meditation und auf der Rednerbühne zu Hause. Gründerin des Zen-Zentrums "Mishoan" in Wien und Gründerin des Österreich-Chapters der German Speakers Association. Bisherige Bücher: 'Souverän auftreten' und 'Innehalten. Zen üben, Atem holen, Kraft schöpfen'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 24.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641236427
    Verlag: Kösel
    Größe: 1977 kBytes
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Gelassen auftreten

AUSGANGSPUNKT

Wie ich Rednerin wurde

Ich war klein, schüchtern und sensibel. Schon ein Windhauch von Kritik und eine leicht gehobene Augenbraue ließen meine Magennerven flattern. Aber ich hatte in meiner Familie etwas gelernt. Ich erinnere mich unzähliger Abende, an denen wir zu fünft um den Esstisch saßen. Mein Vater an der Stirnseite des Tisches hatte immer das erste Wort. Sobald die Suppe gegessen war, holte er zum Witz aus: "Kennt ihr den?" Dann folgte eine - angeblich - wahre Begebenheit aus Musikerkreisen. Mich hätte er nicht fragen müssen, denn ich hatte sie alle schon oft gehört. Auch meine Brüder wussten Bescheid. Meine Mutter, seit Jahrzehnten an seiner Seite, tat jedes Mal so, als ob sie den Witz zum ersten Mal hörte. Sie sah ihn bewundernd an, ihr Kopf kippte nach der Pointe seitlich nach hinten, und dabei lachte sie aus vollem Herzen. Mein Vater stimmte in ihr Gelächter ein und amüsierte sich königlich.

War das Lachen abgeebbt, war meine Mutter an der Reihe. Sie stellte oft eine gewichtige Frage zur Diskussion, denn sie machte sich über vieles ernsthafte Gedanken. Ein Problem, das sie häufig aufbrachte, war: Ist es gerecht, dass Millionen Sklaven bei der Arbeit an den ägyptischen Pyramiden sterben mussten, nur damit wir heute diese Kunstwerke bewundern können? Darf man Menschenleben für eine höhere Sache opfern? Das erhitzte die Köpfe, denn es stand dabei immer zwei gegen zwei. Zwei, die jahrtausendealte Kunstwerke über die Plackerei der Sklaven stellten, und zwei, für die jedes Menschenleben über kulturellen Errungenschaften stand. Ähnliche Diskussionen wurden in den Pausen nach der Suppe bis zum Kaffee und Dessert geführt. Öffnete sich mal eine klitzekleine Redepause, zwängte sich schnell mein Bruder Werner in die Lücke, damals Regisseur am Theater, und erzählte die aktuellsten Anekdoten aus der Schauspielwelt. Und dann war da noch mein Bruder Wolfgang, der unvermittelt und oft ohne Zusammenhang eine Frage aus der Astronomie in die Runde warf: "Wisst ihr, wie viele Kilometer es von der Erde zum Mond sind?", und der sich freute, wenn er der Einzige war, der die Antwort wusste.

Heute erkenne ich, wie Redesituationen die Dynamik innerhalb einer Familie widerspiegeln. Der Vater am Vorsitz hatte das erste Wort und damit die Macht. Jeder in der Runde war gezwungen zuzuhören. Bruder Werner war der Herausforderer. Er versuchte, den Vater zu übertrumpfen, indem er frische Witze direkt aus dem Mund der größten Publikumslieblinge aus dem Wiener Josefstadt-Theater servierte. Die Mutter versuchte, auszugleichen und die gespannte Atmosphäre durch sachliche Themen in ein ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Der zweite Bruder Wolfgang schnappte - als Naturwissenschaftler im Abseits - immer wieder zwischendurch nach dem letzten Zipfel an Aufmerksamkeit. Und ich als Jüngste kam nie zu Wort - doch zuzuhören lernte ich.

Über die Jahre entwickelte ich ein feines Gespür für Untertöne und bedrohliche Situationen. Schweigend fühlte ich mich wohl, schweigend saß ich wie eine Zimmerpflanze im Schatten der Vielredner, still und oft unterschätzt. Die wenigen Male, da ich um meine Meinung gefragt wurde, schlug mein Herz bis zum Hals, und mein Hirn setzte aus. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, wenn ich bemerkte, dass sich die Rollen umdrehen sollten: die anderen als Zuhörer und ich als Sprecherin.
Wer das Wort hat, hat die Macht

Als ich 16 Jahre alt war, fuhr ich als Stipendiatin an die Westküste der USA . Die Familie, bei der ich wohnte, verbesserte geduldig mein holpriges Englisch und führte mich in den "American Way of Life" ein. Sie fuhren mich mit ihrem schaukelnden Cadillac metallisé zur Einschreibung in die Schule und zum ersten Footballspiel. Schnell lernte ich die toleranten und freundlichen Kalifornier lieben.

Wenige Wochen nach meiner Ankunft saß ich am Morgen bei meiner Schüssel Cornf

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