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Ich dachte, älter werden dauert länger Ein Überlebenstraining für alle ab 50 von Hutzenlaub, Lucinde (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.06.2018
  • Verlag: Penguin Verlag
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Ich dachte, älter werden dauert länger

Willkommen im Mittelalter!
Lucinde und Heike sind um die fünfzig. Früher dachten sie, das wäre das Alter, in dem man endlich angekommen ist. Seriös. Souverän. Würdevoll! Jetzt wissen sie es besser: Das Märchen vom In-Würde-Altern haben sie durchschaut. Also beschließen sie, nur noch das zu tun, worauf sie Lust haben - aus der langweiligen Oper abhauen etwa oder auf gängige Schönheitsideale pfeifen und trotzdem Botox ausprobieren. Auf die Gefahr hin, dass ihre Kinder sie irgendwie peinlich finden. Und dass sie womöglich auch mit achtzig noch längst nicht angekommen sein werden ...

Lucinde Hutzenlaub wurde 1970 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur lebte und studierte sie mehrere Jahre im Ausland. Lucinde ist Autorin, Kolumnistin, Kommunikations-Designerin und Heilpraktikerin. Sie ist verheiratet, hat vier Kinder und zwei Katzen, leider keinen Hund, reist sehr gerne und lebte von 2009 bis 2012 mit ihrer Familie in Japan, wo auch Lucindes erstes Buch 'Hallo Japan' entstanden ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 11.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641222628
    Verlag: Penguin Verlag
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Ich dachte, älter werden dauert länger

Heike

Auf einmal werde ich überall gesiezt ...

Genug geheult jetzt! Älterwerden ist kein Grund dazu - es hat nur ein paar nicht ganz so erfreuliche Symptome, aber an denen kann man ja arbeiten.

Ein untrügliches Symptom ist die Sache mit der Siezerei. Das wird jetzt nicht jeden so stören wie mich, es soll ja Leute geben, die es gar nicht leiden können, mit Du angesprochen zu werden. Zu diesen Leuten gehöre ich definitiv nicht.

Mein persönlicher Duz-Siez-Konflikt begann mit einem Purzelbaum. Es war in den Sommerferien, bevor ich in die dritte Klasse kam. Bis dahin hatte ich in einer vom Du dominierten Welt gelebt. Kunststück, hatte ich doch fast ausschließlich mit meinen Eltern, Geschwistern, Großeltern und Freunden zu tun. Lediglich unsere Lehrerin war eine Sie-Person, aber mit ihr hatte ich schließlich nur "beruflich" zu tun, niemals privat.

Doch dann misslang mir im elterlichen Garten dieser blöde Purzelbaum, wobei ich mir vermutlich eine heftige Zerrung zuzog. Allerdings an einer Stelle im Bauch, die auch bei einer Blinddarmentzündung wehgetan hätte. Meine Eltern wollten kein Risiko eingehen, karrten mich ins nächste Krankenhaus, und wenig später lag ich zum ersten Mal im Leben auf einem OP -Tisch.

Im Nachhinein war das mit der Operation wohl maßlos übertrieben, aber das machte mir nichts aus. Und meine Eltern behielten zum Glück ihre Sicher-ist-sicher-Haltung bei, denn als ein paar Jahre später mein jüngerer Bruder sämtliche bekannten Symptome einer Blinddarmentzündung - inklusive Fieber und Erbrechen - aufwies, ignorierten sie die hausärztliche Diagnose "Das Kind simuliert" und verfrachteten auch ihn in die Klinik. In dem Fall keine Sekunde zu spät, denn sein Blinddarm war bereits angerissen, als man ihn entfernte.

Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie ich nach der Operation erwachte. Ich blinzelte, erblickte eine fremde Umgebung, erkannte einen hässlichen, grellorangefarbenen Vorhang, der eine Zimmerecke mit Waschbecken abtrennen konnte, und war glücklich. Denn mit einem Mal erinnerte ich mich wieder an alles. Und ich wusste, dass eine wunderbare Zeit vor mir lag: eine ganze Woche, in der ich faul im Bett liegen durfte, ohne dass jemand mich dazu ermunterte, ein bisschen an die frische Luft zu gehen und mich womöglich auch noch zu bewegen! (Wohin das führte, hatte ich ja gerade erst schmerzlich erfahren.) Heutzutage wird man ja schon am Tag der OP aus den Laken gezerrt, um den Kreislauf in Schwung zu bringen und eine Thrombose zu verhindern, aber seinerzeit galt zu meinem großen Behagen noch das Bettruhegebot. Was bedeutete, dass ich eine ungestörte Lesewoche vor mir hatte - ja, sogar noch jede Menge Bücher geschenkt bekam, und das ganz ohne Weihnachten oder Geburtstag zu haben. Der Himmel auf Erden!

Ein klein wenig getrübt wurde diese himmlische Situation durch meine Zimmergenossinnen. Denn ganz offensichtlich gab es in diesem Provinzkrankenhaus keine Kinderstation, weshalb man mich in einem Zimmer untergebracht hatte, in dem außer mir noch zwei sehr alte Damen lagen. Ich schätzte sie auf ungefähr hundert. Aber selbst wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass einer Achtjährigen alle über zwanzig geradezu greisenhaft vorkommen, müssen die zwei locker Mitte siebzig gewesen sein.

Praktischerweise hießen meine Zimmergenossinnen beide Margarete Müller. Zu unterscheiden waren sie an ihren jeweiligen Gebrechen: Die eine hatte einen irrwitzig großen Kropf, die andere einen dicken Verband am Bein, und sie wurde nicht müde, in den schillerndsten Farben (vor allem der Farbe Rot) zu schildern, wie ihr eine Ader (oder Vene?) geplatzt und das Blut bis zur Decke gespritzt war.

Ich fand, privater konnte eine Situation kaum sein. Da lagen wir alle drei in unseren Nachthemden und mit unseren Verbänden, verbrachten 24 Stunden am Tag in diesem Krankenzimmer und teilten unsere Leidensgeschichten. Ic

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