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Ich spür noch immer ihre Hand Wie Frauen den Tod ihrer Mutter bewältigen von Eder, Ruth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.02.2015
  • Verlag: Kreuz
eBook (ePUB)
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Ich spür noch immer ihre Hand

Der Tod der Mutter erschüttert jede Tochter. Alles Echte, Schöne und Bleibende, aber auch alles Unerledigte kommt jetzt zum Vorschein. Hier erzählen fünfzehn erwachsene Töchter über diesen letzten Abschied von der Mutter. Jede hat den Schmerz auf andere Weise bewältigt, aber keine fühlt sich gänzlich losgelassen von ihr, jede spürt noch immer die mütterliche Hand. Es sind Zeugnisse einer innigen Beziehung und eines schmerzvollen Abschieds. Ruth Eder, Leitende Redakteurin, seit 1984 freie Autorin bei Tageszeitungen und Zeitschriften, Fachgebiet Frauen und Partnerschaft.. Zahlreiche Buchveröffentlichungen. Muttereiner erwachsenen Tochter. Weiter Informationen unter www.ruth-eder.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 05.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451802676
    Verlag: Kreuz
    Größe: 5146 kBytes
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Ich spür noch immer ihre Hand

Einleitung - Das letzte Tabu

" S eit meine Mutter nicht mehr lebt, habe ich eine ganz andere Sicht der Dinge. Ich nehme eine neue Dimension wahr. Und nichts ist mehr so, wie es vor ihrem Tod war", sagte mir Christiane R. im Gespräch über den Abschied von ihrer Mutter. Christiane R. ist eine moderne Frau, die mitten im Leben steht, beruflich erfolgreich und daneben vielfältig ehrenamtlich engagiert.

Dennoch bedeutet das Sterben der Mutter für sie, wie für jede Tochter - ungeachtet dessen, wie die Beziehung verlief - einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben. Stark ist die Prägung, die eine Mutter in der Seele ihrer Tochter hinterlässt, intensiv die Verankerung ihrer Werte, Maßstäbe und Programme, auch oder gerade, wenn sich die Tochter dagegen auflehnt. Besonders für Mädchen ist die Mutter der Mensch, an dem sie sich ausrichten und schließlich versuchen, zwischen Zuwendung und Ablehnung, Anpassung, Revolte und Rivalität die eigene Identität als weiblicher Mensch in dieser Gesellschaft zu finden. Das ist auch nachdem Alice Schwarzers feministische Zeitschrift Emma den 30. Geburtstag feierte, und Deutschland von einer Frau regiert wird, keine ganz leichte Sache geworden.

Erkenntnisse über mütterlich geprägtes Rollen- und Fehlverhalten und weibliche Psyche, besonders seit Magersucht, Bulimie, Regel- und Beziehungsstörungen immer mehr in den Focus rücken, füllen Bände. Schmal ist immer noch das Regal, auf der in den Bibliotheken die Löslösung von der Mutter durch deren Tod behandelt wird.

Die Hospizbewegung und die Diskussion um Sterbehilfe zeitigen allmählich Erfolg bei dem Versuch, offener damit umzugehen. Der Tod hat in den meisten Familien immer noch keinen Platz. Jung, dynamisch, stark und attraktiv hat man zu sein. Wer krank ist, alt, oder gar dem Sterben nahe, wird, sobald er nicht mehr selbständig leben kann und Hilfe braucht, zumeist eilig ausgemustert und in entsprechenden Anstalten - weitab vom wirklichen Leben - "entsorgt".

Die Sterblichkeit ist etwas, das in seiner Endgültigkeit jede unserer Ziele und Aktivitäten radikal in Frage stellt; insbesondere unechte Werte wie immerwährende Jugendlichkeit, Erfolg, Anhäufung von materieller Scheinsicherheit, Konsum, auf denen unser System basiert. Der Tod ist die "radikalste Form des Nicht-Funktionierens, der Verweigerung von Leistung und Konsum", urteilt die Psychologin Christel Schachtner.

Der Gedanke, dass diese vermeintlichen Werte im Grunde höchst vorübergehend sind, erscheint uns zu beängstigend, um ausgehalten oder auch nur zugegeben werden zu können. Und was könnte mehr Angst auslösen, als der Tod der eigenen Mutter, die doch in den meisten Fällen jemand war, auf den man immer und ewig zurückgreifen zu können meinte? Führt der Tod der Mutter doch jeder Tochter eindringlich die eigene Sterblichkeit vor Augen. Denn der Tod der Mutter bringt unweigerlich und gnadenlos alles an den Tag, was bisher im Leben der Tochter unecht und unerledigt ist. Allerdings ebenso die Versäumnisse der Mutter und die Dinge, die zwischen den beiden Frauen unausgesprochen blieben.

Angesichts dessen ist es kaum verwunderlich, dass in unserer geschäftig verdrängenden Zeit das Sterben im allgemeinen und das der Mütter im besonderen oft so weit wie möglich fort geschoben, in Krankenhäuser oder in die Pflegeabteilungen so genannter "Seniorenresidenzen" versteckt werden, die in stiller Übereinkunft mit ihrer Klientel das negativ besetzte "Unwort" ALTER aus ihrem Wortschatz gestrichen haben. Nur wenige Bürger westlicher Industrienationen mögen sich an den - zugegeben beängstigenden - Gedanken Rilkes erinnern, wonach jeder Mensch den Tod so unausweichlich in sich trägt "wie die Frucht ihren Kern." Das Verdrängen des Abschieds vom Leben ist aber nur eine Scheinlösung. Wenn es zu spät ist, Hilfe und Liebe zu geben, kommen die Schuldgefühle, und die mühsam unterdrückte Angst vor dem eigenen Tod drängt nur noch intensiver ans Lich

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