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Keine Panik, liebe Angst Wie die Angst in mir wuchs und ich an ihr von Lachmann, Käthe (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.02.2018
  • Verlag: Merian / Holiday, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag
eBook (ePUB)
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Keine Panik, liebe Angst

Comedy ist lustig. Panikattacken sind nicht lustig. Was passiert, wenn beides aufeinandertrifft? Der Comedienne Käthe Lachmann ist genau das passiert, mehrfach. Irgendwann war sie keine Solokünstlerin mehr, sondern stand zu zweit auf der Bühne, zusammen mit ihrer Angst. Und diese Angst fand das so lustig, dass sie weitere Ängste zu Käthe Lachmann eingeladen hat, zum Beispiel die Angst vor der Angst. Oder die Panik vor dem Essen in Gesellschaft anderer. Das führte soweit, dass Käthe Lachmann sich immer weiter zurückzog, nicht mehr in die Öffentlichkeit ging und alleine für sich blieb - ein denkbar schlechtes Lebenskonzept für jemanden, der bis dahin von Auftritten in der Öffentlichkeit lebte. Ergreifend, schonungslos offen und mit ihrem humoristischen Talent erzählt Käthe Lachmann von ihrer Erkrankung und ihrem langen Weg zurück zum U-Bahnfahren, Essen mit Freunden und den verschiedensten Therapien und Therapeuten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 07.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783833865879
    Verlag: Merian / Holiday, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag
    Größe: 1011 kBytes
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Keine Panik, liebe Angst

THERAPIEN, THERAPEUTEN, THEOLOGEN

Dass ich irgendwann mal in einer Psychoklinik landen würde, hätte ich, ehrlich gesagt, nie gedacht. Eigentlich wollte ich das mit meiner Angst doch immer anders hinbekommen.

Einiges habe ich ja schon ausprobiert. An Therapien. An Maßnahmen, um mit meinen überbordenden Ängsten klarzukommen. Mit meinen Panikattacken, das heißt, mit der plötzlichen Todesangst, die scheinbar aus dem Nichts auftaucht, die mich lähmt, mir die Luft raubt, mich schwindlig sein lässt und in mir das Gefühl auslöst, jeden Moment zu sterben oder verrückt zu werden. Eine Panikattacke macht, dass meine Hände kribbeln, ich alles um mich herum nur noch durch einen dichten Nebel wahrnehme, mein Herz rast und ich nur noch aus dem Gefühl Angst zu bestehen scheine.

... sagt mal, kann ich dieses "ich" nicht mal ersetzen? Durch jemand anderen, Fremden? Das hätte was Tröstliches, Distanziertes. Wenn ich über mich wie jemand anderen schreiben würde, dann würde ich auch mal Kategorien wie "die Mittvierzigerin", die "Komikerin" oder die "Angstgeplagte" verwenden. Viel besser als dieses berührbare "ichichich". Aber es heißt, wenn man von sich selbst in der dritten Person spricht (oder auch schreibt, fürchte ich), sei das ein Zeichen für geistige Versehrtheit. Also für eine psychische Störung. Und davon kann bei mir ja nun keine Rede sein, Zwinker-Smiley. Also (seufz): Zurück zu den angstvertreibenden Maßnahmen. Als da wären: Massage, Akupunktur, "Heiler", Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Qigong, Tiefenpsychologische Gesprächstherapie, Meditation, Tabletten, Autogenes Training, Homöopathie - das sind die Therapien und Entspannungsübungen, die ich im Laufe meines Lebens ausprobiert habe. Und natürlich Schokolade.

Als ich mit zwölf, dreizehn Jahren das erste Mal Panikattacken habe, schiebt man das auf die Hormone. Wir sind im Familienurlaub im idyllischen Südtirol, und plötzlich habe ich Angst. Angst vor den Bergen, Angst, wenn wir uns von unserer Pension entfernen, Angst vor ziemlich allem.

Als wir wieder zu Hause sind, nehmen die Ängste zwar ab, tauchen aber immer wieder auf. Der Kinderarzt konstatiert achselzuckend die beginnende Pubertät. Verquere Synapsen im Oberstübchen aufgrund von Frauwerdungssäften. Und eine Bekannte meiner überaus besorgten Mutter - ihres Zeichens Masseurin (medizinische, versteht sich, für alles andere bin ich noch zu jung) - setzt viel Zuversicht in manuelle Therapie, um meine verirrten Körpersäfte wieder in geregelte Bahnen zu lenken und so der Angst Einhalt zu gebieten. Dass es nicht die allerbeste Idee ist, ein pubertierendes Mädchen, das ja überhaupt nicht versteht, was da körperlich gerade mit ihm passiert und sich für ihre Wölbungen am Oberkörper und jedes einzelne Schamhaar schämt, am Unterleib zu massieren, findet damals anscheinend niemand.

Da ich aber auch nicht unsittlich berührt werde, habe ich bis heute keine wirklich unangenehmen Erinnerungen an diese Therapiemaßnahme. Im Gegenteil, in meinem Alter freue ich mich, dass ich mich überhaupt an etwas erinnere. Und dennoch würde diese Art der Ängstebehandlung wohl nicht ganz oben auf dem Therapieplan eines einigermaßen geistig gesunden Diplompsychologen stehen. Dass sie mir dennoch zuteilwird, lässt sich nur mit der Ratlosigkeit meiner Eltern erklären.

Genauso wie das Verschreiben von Beruhigungsmitteln im zarten Kindesalter, weil ich nervös zwinkere. Wohlgemerkt hat das meine Mutter festgestellt, nicht der attraktive Nachbarsjunge. Mich selbst stört es nicht, andere dafür umso mehr, und so gibt's pflanzliche Tropfen vom Kinderarzt. Und auch hier frage ich mich - zu Recht, wie ich meine -, ob man das heute auch noch so machen würde. Ist es vermessen, da mal nach der Einschätzung einer Kinderpsychologin zu fragen? Die dann eventuell gleich mit Ritalin beigeht? Nervosität könnte ja eventuell auch etwas mit Konflikten oder Veränderung in Familie oder Schule zu tun

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