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Männliche Depression Warum verletzte Helden anders ticken und eigene Auswege brauchen. Mit 5-Schritte-Programm von Wüstel, Jens-Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.08.2018
  • Verlag: Beltz
eBook (ePUB)
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Männliche Depression

Wo endet die schlechte Laune, wo beginnt die Depression? Bei Männern verbirgt sie sich oft hinter eisigem Schweigen oder hinter Wut und Aggression. Viele lehnen die Diagnose Depression als "Frauenkrankheit" ab, obwohl sie viel gefährdeter sind, was soziale Isolation, Sucht und Suizid angeht. Dieses Buch zeigt: Männer ticken anders - besonders in Lebenskrisen. Hormonell reagieren sie intuitiv mit Angriff oder Flucht, was die Probleme eher vergrößert. Der erfahrene Psychotherapeut Jens-Michael Wüstel informiert über Hintergründe und Symptome männlicher Depression und bietet ein bewährtes 5-Schritte-Programm zur Stärkung von Körper und Geist. Dr. med. Jens-Michael Wüstel, Studium der Medizin und Promotion in Hamburg, ist seit über 20 Jahren als Therapeut in eigener Praxis tätig. Nach Weiterbildungen in Neurologie, Intensivmedizin und Naturheilkunde arbeitet er heute mit den Schwerpunkten Narrative Therapie, EMDR und Chinesische Psychosomatik. Dabei stehen chronische Schmerzerkrankungen, psychische Störungen und Trauma-Folgestörungen im Vordergrund. 2017 veröffentlichte er "Traumakinder. Warum der Krieg immer noch in unseren Seelen wirkt".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 247
    Erscheinungsdatum: 20.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407865472
    Verlag: Beltz
    Größe: 3405 kBytes
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Männliche Depression

Das Leiden im Verborgenen

Wenn wir die Zahlen betrachten, so scheint die Angelegenheit klar. Bei Frauen wird bis zu drei Mal häufiger eine Depression diagnostiziert als bei Männern. Jedoch gibt es keine biologischen oder evolutionspsychologischen Gründe, die diesen Unterschied erklären. Vielmehr tun sich sowohl Laien als auch Therapeuten 1 bis heute schwer, Männer mit der Diagnose Depression zu konfrontieren. Woran liegt das?

Männer sind Meister der Verschiebung und Verdrängung. Diese durch Sigmund Freud geprägten Begriffe beschreiben einen unbewussten Umgang mit nicht erträglichen Gefühlen. Männer haben keine Depression, sie haben stattdessen "Probleme". Sie haben "Stress" oder ein "Burnout". Gefühle, die nicht zugelassen werden können, erfahren eine sogenannte Besetzung in einem anderen, akzeptableren Bereich. Ein Mann, der sich alleingelassen und missachtet fühlt, verschiebt diese Affekte zum Beispiel auf seine Arbeit, seinen Chef, seine Partnerin, seine Kinder. Fortan hat er also Probleme, die er - psychologisch zunächst entlastend - versucht in den Griff zu bekommen. Da der zugrunde liegende Konflikt jedoch ungelöst bleibt, vermehren sich die Probleme im Laufe der Zeit, anstatt weniger zu werden. Der Betroffene entfernt sich außerdem immer weiter von sich selbst, ist immer weniger in der Lage, sich und seine Empfindungen adäquat wahrzunehmen.

Während depressive Frauen direkt leiden, führt der Mechanismus der Verschiebung dazu, dass der depressive Mann seine Umgebung - oftmals ungewollt - leiden lässt. Auch hier finden wir wieder die typische Verteilung von Ursachenzuschreibungen. Frauen tendieren eher dazu, eine "Schuld" bei sich zu suchen, und sie analysieren das zugrundeliegende Problem. Männer hingegen vollziehen eine Art Außenwendung, in der sie Hindernisse und Benachteiligung als von außen verschuldet sehen. Diese Sichtweise ist für die Partner, Kinder, Angehörigen und Freunde schwer belastend. Deren Zuneigung und Liebe wird vom depressiven Mann uminterpretiert als ein Hintergehen und Schwächen der eigenen Position. So finden sich alle Seiten oft in einer Position wieder, in welcher Kommunikation unmöglich geworden ist. Alle fühlen sich missverstanden bei gleichzeitig besten inneren Absichten.

In meiner psychotherapeutischen Praxis begegne ich häufig Männern, die sich im Stich gelassen fühlen und anderen die Schuld zuweisen. Stefan, ein Familienvater Ende dreißig, beschrieb seine Situation so:

Ich will für meinen Jungen nur das Beste. In der Pubertät sind sie schwierig, das ist mir klar. Aber er braucht Orientierung und eine gewisse Führung, sonst gerät er auf die falsche Bahn. Meine Frau ist da viel zu weich. Sie hat Verständnis für ihn, räumt die Socken und das Geschirr weg. Und merkt gar nicht, dass sie damit sein unsoziales Verhalten noch unterstützt. Dann soll ich abends und am Wochenende noch für eine gewisse Erziehung sorgen? Das frisst mich wirklich an, denn im Moment steht es beruflich auf der Kippe. Ich muss dort hellwach sein, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Da könnte ich es eigentlich gut gebrauchen, dass meine Frau mir zu Hause den Rücken freihält. Aber sie beschwichtigt immer, will vermitteln, wo auch mal eine harte Linie angezeigt wäre. Schließlich brauchen wir das alle irgendwie. Sonst erkennen wir nämlich nicht, wo es langgeht.

Stefan vermittelte im ersten Gespräch eine gewisse Härte. Er sprach von seinem Sohn, als wäre dieser eine Art Leibeigener oder Angestellter, den er "auf Trab bringen" wollte. Er hatte durch seine innere Haltung den Schutzraum Familie zu einer Kampfarena gemacht. Seine Frau fiel ihm in den Rücken, anstatt dass sie ihm diesen freihielt. Sie war in seiner Wahrnehmung zu weich und verständnisvoll, und sein Sohn war zu einem Gegner geworden, mit dem er sich täglich sinnlose Hahnenkämpfe lieferte. Typisch für diese Klientengeschichten is

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