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Vom Glück der Muße Wie wir wieder leben lernen von Bilgri, Anselm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2014
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Vom Glück der Muße

Wir kennen es alle: Junge Eltern, die zwischen Job und Familie einen Balanceakt vollführen. Menschen in der Lebensmitte, die neben den eigenen Kindern plötzlich auch pflegebedürftige Angehörige versorgen müssen. Manager, die eine 60 Stunden Woche absolvieren. Am Ende steht immer der Seufzer: Wann finde ich nur endlich wieder mal Zeit für mich! Dabei sind die ersten Schritte scheinbar einfach: innehalten, in sich hineinspüren, eine Atempause einlegen. Und doch: Es kann harte Arbeit sein, sich solche Freiräume zu erobern. Als langjähriger Benediktinermönch weiß Anselm Bilgri aus eigener Erfahrung, wie wir uns auch im Alltag Inseln der Muße schaffen können. Inseln, auf denen Kreativität, Sinnlichkeit und Lebensfreude wachsen können. Denn nur wenn wir ganz bei uns selbst sind, können wir uns auf eines der größten Abenteuer einlassen, das es gibt: ein glückliches Leben! Anselm Bilgri, geboren 1953, war bis 2004 Benediktinermönch, Cellerar und Prior des Klosters Andechs. Heute wirkt der "Gratwanderer zwischen Kirche und Welt" als Vortragender, Buchautor, Coach und Mediator. und ist Mitgründer der Akademie der Muße . Bei Piper erschienen seine Bücher "Finde das rechte Maß", "Stundenbuch eines weltlichen Mönches", "Herzensbildung" und "Vom Glück der Muße".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 13.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492968188
    Verlag: Piper
    Größe: 483kBytes
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Vom Glück der Muße

2 Muße und Religion

Ich gehe davon aus, dass in unserer Wahrnehmung Religion und Religiosität irgendwie mit dem Christentum verbunden wahrgenommen und in einem Atemzug mit Kirche oder Kirchen gedacht werden. Aber Religion ist mehr und meistens etwas anderes, als wir vielfach annehmen. Sie gehört zu den interessantesten Phänomenen menschlichen Denkens und Verhaltens und ist auch ein breiteres Phänomen, als wir in säkularisierten Gesellschaften annehmen. Denn von den derzeit 7,1 Milliarden Menschen auf der Welt gehören 5,9 Milliarden Menschen einer Religion an. Das heißt, dass es nichts anderes gibt – keine Sprache, keinen Sport, keine Nation –, das so viele Menschen verbindet wie Religion. Ein Viertel der Bevölkerung Europas schätzt sich selber als ziemlich beziehungsweise sehr religiös ein. [5] Gerade in Europa aber, wo das Christentum als Religion vorherrschend ist, wird beobachtet, dass die Menschen weniger christlich sind, als Theologen und Sozialforscher bisher annahmen, aber religiöser, als diese vermuten. [6]

Muße und Religion haben viel miteinander zu tun, weil beide Wahrnehmungen und Verhaltensweisen sind, die sich irgendwie als Metastruktur über Raum und Zeit spannen und eine wichtige Kraft der Deutung des Lebens liefern. Irgendwie haben Religion und Muße in der modernen Kultur auch das gleiche Schicksal: Trotz der Tatsache, dass man denkt und behauptet, wie wichtig sie seien, werden sie leicht vergessen und an den Rand der "To-do-Listen" des Lebens platziert.

Aus der Sicht der Religionswissenschaften haben Religionen die Funktion, dem Menschen ein geordnetes und sicheres Gefühl für Zeit und Raum zu vermitteln. Wir sehen in der Tat, dass Religion Zeiten gestaltet und ein alternatives Gefühl des Raumerlebens bietet. Sonn-, Festtage und Festzeiten, zum Beispiel Advent und Fastenzeit, sollen dem Menschen vermitteln, dass es ein Gegenüber zu jener Zeit gibt, der der Mensch in der Arbeit ausgesetzt ist.

In der religiösen Zeitdeutung ist der Mensch herausgehoben aus dem fatalen Kommen und Vergehen der Zeit. Diese lineare Zeit bezeichnen wir als "Kronos". Die andere Zeitform, der Kairos, drückt aus, dass der Mensch in einen Ablauf hineingenommen ist, in dem ein geheimnisvoll gewährtes Sein vorherrscht und wahrgenommen werden soll. In dieser Zeit herrschen nicht meine Anstrengung und Verantwortung vor, sondern das Hinschauen (Kontemplation), Hinfühlen auf die Wirklichkeit des beschenkt Seins.

Die Tatsache, dass es für diese zweite Zeitwahrnehmung, in der die Fähigkeit und Sehnsucht der Muße und der Religion angesprochen werden, eine Art Prägung in unserem Gehirn gibt, scheint durch neurologische Untersuchungen erwiesen. Diese zeigen nicht nur, wie wichtig Ruhe und Distanz – also Muße – für die Regeneration sind, sondern dass sie eine Bedingung für die Vollkommenheit menschlichen Schaffens und die Entwicklung sinnhaften Lebens darstellen.

Wir brauchen offensichtlich das Empfinden für lineare Zeit (Kronos) und ein Gefühl für die Bedeutung und den Sinn der Zeit (Kairos). Die biochemische Voraussetzung für diese Fähigkeit wird über den abwechselnden Rhythmus zwischen Wachen, Schlafen und Träumen erzeugt, über die verschiedenen Rhythmen, die die Schlafforschung entdeckt hat. Danach dauert ein Schlafzyklus 120 Minuten, davon ruhen wir ungefähr 75 Prozent, und etwa 25 Prozent werden vom REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) bestimmt. In der Ruhezeit werden Geist und Körper "heruntergefahren", wir ruhen wirklich, während unser Geist in der REM-Zeit ordnet und interpretiert. Während das Gehirn ord

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