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Von Innen und von Außen Erinnerungen an depressive Zeiten. von Müller, Stefan C. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.08.2016
  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
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Von Innen und von Außen

Berichtet wird über einen Erkrankungs- und Genesungsweg während einer Depression aus der Betroffenen-Perspektive (von innen) in einer Odyssee, die durch psychiatrische Kliniken in ganz Deutschland führt. Die Frau des Betroffenen beobachtet ihren psychisch erkrankten Mann (von außen) und kommentiert die vielfältigen Ereignisse. Das Autorenpaar möchte Erlebnisse und Probleme offen legen und die Leser anregen, darüber nachzudenken: Was können und sollen wir tun, um Patienten und Angehörige, die mit solchen Erlebnissen konfrontiert werden, besser zu verstehen und um Schlimmes zu vermeiden?

Stefan C. Müller ist Professor der Physik. Er ist in den 80er Jahren nach Dortmund gekommen und war dort viele Jahre hindurch in der naturwissenschaftlichen Forschung tätig. Dort hat er seine zukünftige Frau Kinko kennengelernt. Er trat seine Professur im Jahr 1995 an der Universität Magdeburg an und er hatte eine große Forschungsabteilung. Heute ist er als emeritierter Professor immer noch aktiv in Forschung und Lehre.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 09.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740754778
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 2372kBytes
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Von Innen und von Außen

2. Der Weg in die Krankheit (Herbst 2004)

Stefan:

In diesen Monaten vor Ende 2004 ergaben sich vermehrt seltsame Erfahrungen im täglichen Leben. Sicherlich machte ich insbesondere auf meine Familie einen zunehmend unkonzentrierten Eindruck, obwohl ich eigentlich noch den üblichen Tagesverlauf absolvierte, also auch meinen beruflichen Verpflichtungen nachging.

Aber meist kleinere, dann bisweilen einschneidende Ereignisse lassen doch aufhorchen.

Ich wachte häufig des Nachts auf und lief dann, insbesondere in unserer Magdeburger Wohnung unruhig hin und her, wusch mir dabei dauernd die Hände. Verbunden mit dieser Unruhe war eine deutliche Gewichtsabnahme, wie ich sie seit Jahrzehnten nicht erlebt hatte.

Einmal suchte ich spät abends in der dunklen, Magdeburger Wohnung nach einem schwarzen Hemd, das ich gerade zum Trocknen aufgehängt hatte. Es war offenbar verschwunden, und ich hegte den Verdacht, es habe jemand meine Wohnung betreten und das Hemd mitgenommen. Nein, genauer gesagt war ich davon überzeugt, dass sich diese Person noch in der (einstöckigen, mittelgroßen) Wohnung befände. Vermutlich war es einer dieser Verschwinde-Künstler, die sich auch auf engstem Raum praktisch unsichtbar machen können, natürlich mit schwarzer Kleidung und Maske getarnt. Ich forstete die wenigen Zimmer und den Flur nochmals durch - ohne geringste Indizien zu finden. Also schloss ich, dass der unerwünschte Besucher über die Fenster von einem zum anderen Zimmer gelangt sein könnte. Nur dass alle Fenster von innen verschlossen waren. Also auch so nicht! Mir blieb der Vorgang unerklärlich, er trug sicherlich nicht zu meiner inneren Ruhe bei. (Ich fand das Hemd irgendwann am nächsten Morgen. Es war im Badezimmer zum Trocknen aufgehängt.)

Im beruflichen Alltag machte ich mir in dieser Zeit mehr und mehr sorgenvolle Gedanken über all die Termine, die ich nicht rechtzeitig wahrgenommen hatte bzw. würde wahrnehmen können. In liegengelassener Korrespondenz hatte ich nicht auf ein großzügiges Angebot eines Kollegen aus Bayreuth reagiert, mir eine wichtige Zeitschrift per Vertrag quasi kostenlos zu überlassen. Ein Ingenieur-Professor wartete auf meine Zusage hinsichtlich einer substantiellen Zusammenarbeit, die ich als Sprecher eines Forschungsschwerpunkts zu geben hatte. Zu meinen Pflichten in dieser Position gehörte auch die Planung eines Sonderforschungsbereichs, auf die viele Schwerpunktsmitglieder warteten. Weiterhin hatte ich einigen Mitgliedern unseres Musikinstituts versprochen, Protestaktionen gegen Schließungspläne der Regierung zu unterstützen oder sogar im universitären Bereich zu organisieren. Mit dem Leiter der Augenklinik hatte ich die Betreuung einer gemeinsamen Stelle auf der Grundlage einer Kooperation besprochen. In Gremiensitzungen über Forschung und Lehre, an denen ich als Prodekan der Fakultät teilzunehmen hatte, ließ ich mich immer häufiger vertreten. Und von mehreren überfälligen Gutachten möchte ich erst gar nicht sprechen.

Eigentlich gewöhnt man sich notwendigerweise daran, dass bei der üblichen Terminflut dieser oder jener Termin verschoben werden muss. Also regelt man das mit den "Bittstellern" und versucht, einen Teil davon zu delegieren. Das hatte ich über viele Jahre zu beherrschen gelernt. Und nun schlug diese durchaus nicht so ungewöhnliche Situation wie ein Wogenmeer über mir zusammen. Ich sprach dann sogar mit dem Dekan über gewisse Verzögerungen, die mich belasten und recht fertig machen würden.

Konsequenz: mir wurde Urlaub bis Beginn Dezember empfohlen, den ich wider eigene Überzeugung annahm. Ein wenig half es mir, als mich meine Sekretärin in die Arme nahm und sagte: "Aber Herr Professor, Sie haben mich so oft unterstützt, wenn ich aus Krankheitsgründen zu Hause bleiben musste - jetzt sind Sie auch mal dran". Somit entfloh ich dem stressigen Tagesgeschäft an der Universität und hoffte, in Dortmund die Ruhe und Souveräni

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