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Wege aus der Pflegefalle Die Eltern pflegen - ein eigenes Leben führen von Rosenberg, Martina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.12.2015
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Wege aus der Pflegefalle

Die Pflege unserer Eltern stellt uns vor schier unlösbare Probleme. Wie komme ich meiner Verantwortung nach, ohne mein eigenes Leben zu ruinieren? Wie schaffe ich es, mein eigenes Leben nicht aus den Augen zu verlieren? Gibt es eine biologische Fessel? Was erwartet die Gesellschaft? Was der Staat? Martina Rosenberg zeigt: Wir müssen diese Probleme benennen und sie uns eingestehen, um nicht selbst daran zu zerbrechen. Martina Rosenberg wurde 1963 am Ammersee geboren. Sie absolvierte ein BWL-Studium und arbeitete als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für das Rote Kreuz. In dieser Zeit schloss sie ein Fernstudium der Journalistik ab. Seither arbeitet sie als freie Journalistin, Pressereferentin und Autorin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 03.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451806339
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3553 kBytes
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Wege aus der Pflegefalle

1. WAS BIN ICH MIR WERT?

Vielleicht denken Sie jetzt: Was für eine blöde Frage. Woher soll ich denn wissen, was ich mir selbst wert bin? Was hat das denn mit der Pflege zu tun?

Sehr viel, wie ich finde und auch im Laufe des Kapitels erklären werde.

Häuser oder Autos haben einen Wert, aber haben auch Menschen einen Wert? Und wie lässt sich dieser Wert genau feststellen und bemessen? Sicher nicht in Geld oder anderen materiellen Dingen, wie Sie vermutlich schon ahnen. Ihr eigener Wert ist stark mit Ihrem Selbstwertgefühl gekoppelt. Genau dafür habe ich dieses Kapitel geschrieben. Erkennen Sie Ihren eigenen Wert für sich selbst. Nicht gemessen an anderen Personen, Freunden oder Familienangehörigen.

In diesem Kapitel geht es nur um Sie! Sie sollen für sich erkennen und festlegen, was in Ihrem Leben wichtig ist und auf keinen Fall verschwinden darf. Nur so können Sie Verantwortung für Ihr eigenes Leben und das von anderen übernehmen.
Beispiel Anna

Nehmen wir doch mal das Beispiel von Anna K. Sie ist in dörflichen Strukturen groß geworden. Der Ort, an dem sie neben zwei weiteren Kindern geboren wurde und aufgewachsen ist, zählt rund 4000 Einwohner. Anna ist die Älteste von den drei Kindern und die einzige Tochter. Mit 20 Jahren lernt sie ihren Mann Erwin aus dem Nachbarort bei einer Party mit Freunden kennen. Drei Jahre später heiraten die beiden, und wieder fünf Jahre später bekommen sie zwei Kinder. Das Geld reicht nie aus, weswegen Anna sehr früh nach ihren Schwangerschaften wieder zu arbeiten anfängt. Von 8 bis 13 Uhr ist sie in einer Anwaltskanzlei als Rechtsanwaltsgehilfin tätig. Ihr Bruder, drei Jahre jünger, bekommt sein Leben nicht richtig in den Griff. Ständig ruft er bei seiner Schwester an und bittet sie um Hilfe im Haushalt. Eine Freundin hat er im Augenblick nicht. Anna hat Mitleid mit ihm und unterstützt ihn, wo es nur geht. Der Vater stirbt früh an einem Schlaganfall, der ganz plötzlich kam. Zwei Tage lag er auf der Intensivstation, bis der Tod eintrat. Anna verbrachte 48 Stunden am Bett ihres Vaters. Sie tröstete die Mutter, die Brüder und meldete sich für die Zeit neben dem Sterbebett ihres Vaters bei ihrem Arbeitgeber krank.

Beide Brüder hatten große Probleme, mit der weinenden Mutter und dem sterbenden Vater umzugehen, und blieben nur kurz am Sterbebett. Die meiste Zeit war Anna mit ihrer Mutter allein. Ihr Mann kümmerte sich inzwischen um die beiden Kinder, die mittlerweile in der Pubertät waren und zunächst gut alleine zurechtkamen. Als der Vater gestorben war, kümmerte sich Anna um die Beerdigung. Für Trauer hatte sie keine Zeit. Dem Arzt spielte sie eine Krankheit vor, um eine weitere Woche Krankschreibung zu erhalten. Den Jahresurlaub hatte sie bereits in der Ferienzeit ihrer Kinder verbraucht. Sie raste zu den Behörden, telefonierte mit ihren Brüdern und saß nachmittags bei ihrer Mutter, die den Tod des Vaters nicht verkraftet hatte und stark abbaute. Jeden Abend rief ihr jüngster Bruder an und lud noch obendrein all seinen Frust über den frühen und plötzlichen Tod des Vaters bei ihr ab.

Während sie endlose Zeit am Telefon verbrachte, saß ihr Mann allein vor dem Fernseher. Er sagte in der ganzen Zeit nichts zu ihr, fühlte sich aber immer mehr von seiner Frau zurückgesetzt, in deren Leben es seit Monaten nur noch um die Mutter, den Bruder und um Behördengänge ging. Er kam eigentlich gar nicht mehr vor.

Annas Mutter lebte allein zuhause und wurde von Monat zu Monat immer unselbstständiger. Anna fühlte sich verpflichtet, jeden Mittag nach ihrer Arbeit bei ihr vorbeizufahren und das Mittagsessen zu bringen, das sie am Vorabend gekocht hatte. Die Mutter wünschte sich frisch gekochtes Essen von ihrer Tochter und lehnte alles andere ab.

In dem ganzen Trubel vergaß Anna ihren Mann und ein bisschen auch die Ansprüche ihrer Kinder. Ihr Leben begann ihr mehr und mehr zu entgleiten. Nach einem Jahr war sie nur

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