text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Wenn Zeit allein nicht heilt Komplizierte Trauer begleiten von Butollo, Willi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2016
  • Verlag: Patmos Verlag
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Wenn Zeit allein nicht heilt

Wenn Trauer zum Trauma wird - Trauer braucht Zeit. Das weiß jeder, der selbst trauert oder Trauernde begleitet. Doch wie kann man einem Trauernden helfen, wenn der quälende Zustand kein Ende nehmen will oder sich mit der Zeit sogar verschlimmert? Wenn der Verlust unfassbar und die Einsamkeit erdrückend bleibt? Willi Butollo und Gabriele Pfoh zeigen, wie man solche komplizierten Trauerverläufe von normaler Trauer unterscheiden kann und welche therapeutischen Möglichkeiten es gibt, die Beschwerden zu lindern. Ein unverzichtbares Buch für Trauerbegleiter, Seelsorger und Therapeuten.

Willi Butollo war Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Bereiche chronische Angst, posttraumatische Belastungsstörungen und Trauer. Er leitet das gemeinnützige Münchner Institut für Traumatherapie (MIT). Gabriele Pfoh ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Substanzmissbrauch, posttraumatische Belastungsstörung und Trauer. Als Psychotherapeutin arbeitet sie mit verschiedenen Verfahren, u.a. Verhaltenstherapie, EMDR und Hypnotherapie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 29.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843605335
    Verlag: Patmos Verlag
    Größe: 1632kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Wenn Zeit allein nicht heilt

1. Sterben, Tod und Trauer - früher und heute

Sterben, Tod und Trauer gehören zur Geschichte der Menschheit. Religionen entstanden ja unter anderem auch aus dem Grund, die Angst vor dem eigenen Tod und die Trauer um die Verstorbenen erträglicher zu machen. Tatsächlich war der Umgang mit Tod und Trauer für die längste Zeit primär in der Domäne der Religionen angesiedelt. Die Erklärung dafür, warum ein Mensch stirbt und was mit ihm post mortem geschieht, findet sich zum Beispiel im christlichen Glauben in der Annahme, dass es sich dabei um Gottes Willen handele und dass der Mensch zu ihm (zurück)kehre; religionsimmanent ergibt dies einen Sinn und soll gleichzeitig trostspendend sein. Andere Religionen folgen ähnlichen Denkprinzipien, auch wenn sich diese - gemäß dem jeweiligen Religionsverständnis - anders darstellen. So ist zum Beispiel im Buddhismus nicht das weitere Leben oder das Weiterleben erstrebenswert, sondern das ultimative Ende, das Nirwana.

Die Orientierung zur Religion hin hat sich aber in der Neuzeit zumindest in Mitteleuropa deutlich geändert. Logisches Denken und kritisches Hinterfragen haben im westlichen Kulturkreis die uneingeschränkt übernommenen Lehren der Religionen zurückgedrängt. Andere Wissenschaften, voran die Psychologie, Sozialwissenschaften und Medizin, haben sich ebenso des Themas Tod und Trauer angenommen. Sterben und Tod haben sozusagen einen Sinneswandel erfahren. Das Konstrukt Trauer ist dadurch deutlich komplexer und facettenreicher geworden.

Durch viele Jahrhunderte hinweg bezeugen Literatur, Architektur, Kunst und Musik das Leid vieler Menschen, verursacht durch ihre Trauer. Man bedenke die Verzweiflung des Hiob aus dem Alten Testament, der in seinem Trauerschmerz den Tag seiner Geburt verflucht, und das Märchen der Gebrüder Grimm von Aschenputtel, dem Mädchen, das jeden Tag zum Grab der Mutter geht und weint.

Oder man erinnere sich nur an das prächtige Taj Mahal, das ein indischer Mogul als Grabstätte für seine Frau errichten ließ. Zu ihren Ehren und als Ausdruck seiner Liebe und Verehrung zu ihr, wie es heißt. Es wird aber auch gemunkelt, dass er eine weitere Grabstätte für sich selbst plante, die dem Taj Mahal ähneln sollte, als Ausdruck seiner Verbundenheit zu ihr - auch über den Tod hinaus. Und in seinem Song 'Tears in Heaven' betrauert Eric Clapton den Unfalltod seines vierjährigen Sohnes im Jahr 1991 und stellt sich die Frage, wie eine mögliche Begegnung im Himmel wohl aussehen möge.

Wenn es früher hauptsächlich die Religionen waren, die bei Trauer Antwort und Trost geben sollten, haben wir heute große Freiheiten, was unsere Erklärungshilfen und unsere Trauer betrifft und wo wir Rat und Hilfe suchen. Rituale wie das Trauerjahr mit all seinen Umgangsregeln boten einst einen Leitfaden dafür, was zu tun und was zu lassen ist: kein Tanz, keine lauten Feste, dafür schwarze oder gedeckte Kleiderfarben - um nur einige Beispiele zu nennen. Heute stellt sich oft eine Unsicherheit ein, wie man im ersten Jahr "über die Runden kommt" - trotz oder gerade wegen dieser Freiheit, die wir genießen. Bezahlt haben wir unsere Freiheit nämlich mit dem Aufgeben oder zumindest Aufweichen dieser Regeln und Rituale, die eine Struktur in schwierigen Zeiten schafften und uns oft als Stütze dienten.

Ausdruck unserer Trauer findet sich auch in unseren Begräbnisritualen und Begräbnisstätten, welche über die Jahrhunderte hinweg und in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Formen annahmen. In unserer westlichen Kultur kennzeichnete fast immer das Begräbnis den Anfang der Trauerarbeit. Begräbnisstätten waren Orte der Verbindung zwischen Lebenden und Toten. Waren Friedhöfe einmal Stätten der Ruhe und Besinnung, wo selbst die Adeligen nicht zu Pferde einreiten durften, sondern von ihrem 'hohen Ross' steigen mussten, so herrschte ein andermal reges Treiben und Unterhaltung dort. Die Tradition von Massengräbern wechselte zu Einz

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen