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(Fast) alles Großvaters fragmentarische Gespräche von Günther Bösel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.11.2014
  • Verlag: novum pro Verlag
eBook (ePUB)
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(Fast) alles

Nachdem ihre geliebte Oma gestorben ist, beginnt Leoni über das Leben nachzudenken. Als sie ihrem Schulfreund Hugo mitteilt, was sie beschäftigt, schlägt dieser ein Gespräch mit seinem Großvater, einem Universitätsprofessor im Ruhestand, vor. Daraus entwickelt sich eine Reihe von 21 Treffen, in denen der Großvater seine manchmal unorthodoxen Gedanken zu immer weiteren Fragen der beiden Teenies erläutert. Die Gespräche kreisen um Anfang und Ende der Welt und des Lebens, Evolution, Bewusstsein, Geist, Materie, Elektrizität, Altern, Tod, Seele, Zeit, Sinn und ihre Erscheinungsformen im Lichte philosophischer Tradition und moderner Wissenschaft. Der Großvater sieht die Dinge aus ungewohnten und faszinierenden Blickwinkeln und schließt am Ende überraschend, '(fast) alles' und '(fast) nichts' bedeute ziemlich das Gleiche.

Günther Bösel wurde 1943 in Frankfurt am Main geboren. In seiner Militärzeit als Ausbilder für Kraftfahrzeugelektrik eingesetzt, brachte er sich autodidaktisch Lateinkenntnisse bei, damals Voraussetzung für eine Zulassung zum Medizinstudium. Ab 1968 studierte er Medizin in Frankfurt am Main und promovierte Anfang 1974 zum Dr. med. Seine Existenz bestritt er unter anderem als Jazzklarinettist. Er heiratete 1974 und ließ sich nach einer Berufstätigkeit in verschiedenen Krankenhäusern 1978 als Landarzt nieder. 1985 erwarb er das Zertifikat zur Ultraschalldiagnostik, 1990 die Zusatzbezeichnung Umweltmedizin. 1999 schrieb er ein Buch über Umweltbelastungen. Parallel dazu brachte er sich das Saxophonspiel bei und wirkte hobbymäßig in verschiedenen Bands mit. Nach fast 30jähriger Zeit als Landarzt ging er in den Ruhestand. 2008 verstarb seine Frau nach 34 Ehejahren. Der Ehe entsprangen zwei Töchter und ein Sohn. Heute lebt der Autor mit seiner Lebensgefährtin in Österreich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 252
    Erscheinungsdatum: 28.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990386859
    Verlag: novum pro Verlag
    Größe: 410 kBytes
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(Fast) alles

3. Was wissen wir?

"Jedenfalls", fuhr er fort, "besteht wenig Hoffnung, dass wir bald alles wissen könnten, was es zu wissen gibt, wenn wir von 95% der Realität nichts wissen, außer dass es sie geben muss. Das ist es, worauf ich euch aufmerksam machen wollte: Selbst wenn das Universum endlich sein sollte, scheint es auch dann mehr zu enthalten, als in einem Menschengehirn untergebracht werden kann. Und um deine Frage von vorhin konkret zu beantworten", er wandte sich seinem Enkel zu, "ich glaube, dass der Wert, der bisher nicht genau genug messbar ist, nämlich die Energiedichte im Universum, etwas größer als die sogenannte kritische Dichte 10 ist, woraus sich eine sphärische Krümmung des Universums ergeben würde. Die Krümmung dürfte aber sehr schwach sein, sodass das Universum wohl sehr groß ist. Aber es krümmt sich dann in sich selbst zurück, ist folglich endlich. Nach einem der vielen kursierenden Modelle stürzt es als 'sphärisches' Gebilde irgendwann (nach Schätzungen frühestens in zehn Milliarden Jahren) wieder in sich zusammen. Da es nach der Urknalltheorie aus einem unvorstellbar dichten mikroskopisch kleinen Bereich entstand und also dahin zurückkehren würde, spräche nichts dagegen, wenn sich der ganze Vorgang erneut wiederholen würde. Dies nennt man das Szenario vom pulsierenden Weltall. Aber weil über die Rolle der dunklen Energie keine Klarheit besteht, ist es wohl möglich, dass sie diese Implosion verhindert. Ich glaube also, dass das Universum endlich ist, auch wenn es sich derzeit immer rascher vergrößert. Denn endlich bleibt endlich, ganz gleich wie groß die Maßstäbe werden. Nur wenn die Ausdehnungsgeschwindigkeit unendlich würde oder wenn man wüsste, dass die Ausdehnung unendlich lange vor sich ginge, könnte es anders sein. Aber niemals hat jemand etwas Unendliches in der realen Welt nachgewiesen."

10 Bei der kritischen Gesamtdichte von Materie und Energie ist das Universum gerade noch "flach". Eine geringfügig höhere Dichte würde infolge der Gravitationswirkung eine "sphärische" Krümmung des Raumes bewirken. Die Bezeichnungen flach und sphärisch sind dreidimensionale Veranschaulichungen. Der Grad der Raumkrümmung ist nur vierdimensional erfassbar. Etwas tatsachennäher ist der Begriff "verzerrte Raumzeit".

Das war das Stichwort für Hugo, der an seine Schwierigkeiten mit der Differentialrechnung dachte. Er berichtete seinem Großvater, was er über unendlich viele Punkte ohne Ausdehnung, sozusagen Kreise mit dem Radius Null und Strecken ohne Breite und Höhe, eindimensionale Linien, gelernt hatte. Ein Kreis, der nur ein Punkt ist, der keine Fläche umschließt, das sei doch einfach nichts? Gab es denn ein Nichts?

Der Großvater lachte: "Du hast eine Gabe, ganz nebenbei älteste philosophische Fragen zu stellen. Mit dem Nichts ist es ähnlich wie mit der Unendlichkeit: Es ist in der Natur kein Nichts nachweisbar. Das geht auch gar nicht, denn wenn man etwas nachweist, kann es ja nicht Nichts sein. Über das Nichts haben Philosophen seit Jahrtausenden nachgedacht. Ludger Lütkehaus 11 , ein Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft, hat in unserer Zeit ein dickes Buch mit dem Titel 'Nichts' geschrieben, und zwar so schwierig, dass ihr Teens es noch gar nicht lesen könntet. Am Ende kommt er über einen literarisch-philosophischen Überblick über das, was die Menschen des abendländischen Kulturkreises zu verschiedenen Zeiten darüber gedacht haben, nicht hinaus. Sarkastisch könnte man sagen: 'Nichts' ist das, was in diesem Buch geklärt wird. Man muss es aber so schwierig gar nicht machen: Wenn ich einen Gegenstand, zum Beispiel diesen Apfel hier, wegnehme, dann ist er nicht mehr da."

11 Ludger Lütkehaus. "Nichts". Zürich, Hoffmans Verlag 1999

"Ja, aber die Luft an dieser Stelle ist noch da!"

"Richti

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