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Mensch und Wissenschaft Welten vereinen von Harms, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2014
  • Verlag: novum pro Verlag
eBook (ePUB)
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Mensch und Wissenschaft

Woher kommt die Krise in der heutigen Schulmedizin? Allzu oft geht es nicht mehr um den kranken, hilfebedürftigen Menschen, sondern hauptsächlich darum, den technischen Betrieb so glatt, zeit- und geldsparend wie möglich laufen zu lassen. Wie sieht der Arzt seinen Patienten? Ist der Patient nicht allzu oft nur ein Fall einer Krankheitsdiagnose, ein 'Organismus', eine Maschine, die ausgebessert werden muss, und zugleich auch ein 'Subjekt', ein für sich bestehendes Individuum, ein anspruchsvoller Kunde, der eine vorgesehene Dienstleistung einfordert? Es geht um das Verständnis von Mensch und Welt. Es geht ums Ganze. Jürgen Harms, geboren 1934 in Freiburg im Breisgau, lebt in Südafrika. Er studierte Medizin und absolvierte die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie. In diesen Bereichen arbeitete er am Matlala-Missionskrankenhaus, an der staatlichen Nervenklinik in Pretoria, anschließend als Ordinarius für Psychiatrie an der medizinischen Fakultät in Bloemfontein, Südafrika, und führte eine psychiatrische Privatpraxis. Mit seiner Ehefrau lebt Jürgen Harms auf einem kleinen südafrikanischen Weingut und widmet sich der Hausmusik, dem Lesen und Schreiben sowie der einheimischen Flora und Vogelwelt. Bisher veröffentlichte er Bücher auf Afrikaans und Englisch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 198
    Erscheinungsdatum: 01.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990383636
    Verlag: novum pro Verlag
    Größe: 768 kBytes
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Mensch und Wissenschaft

3 Die ernsten Folgen des herrschenden Menschenbildes

Hören wir erst noch mal genau auf Fred, auf seinen Albtraum:

Es ging alles nur um seine Körperteile, seine Eingeweide, nicht um ihn selber. Es ging um Krankheiten, d. h. um fehlerhafte Funktionen seiner Organe, aber nicht um seinen Kampf mit seiner Krankheit. Sein Körper war eine komplizierte Maschine. Keiner der "weißen Mäntel" hatte anscheinend eine Vertrauensbeziehung zu ihm, in der Fred sich als Person angesprochen fühlen konnte. Sie waren ihm fremd und er war ihnen fremd. Seine Lebensgeschichte und alle psychischen und sozialen Krankheitsursachen waren anscheinend nicht wichtig für sie. Als er sich den ratlosen Streitereien der vielen Spezialisten ausgeliefert sah, war es ihm, als ob sein Körper aus lauter unzuverlässigen Einzelteilen zusammengestückt war. Jeder Spezialist war nur für sein eigenes kleines Stück zuständig. Immer wieder waren Nadeln in ihn gestochen worden auf der nervösen Suche nach Fehlern in der "Maschine" – der "Maschine" würden die Nadeln ja nicht viel ausmachen.

Da wurde es für Fred, der ja an die Schulmedizin geglaubt hatte, denn doch zu viel.

Es gibt viele ähnliche Fälle in der Medizin, nicht alle so extrem. Und es gibt noch andere sehr schädliche Folgen dieser reduzierenden Vorstellungen vom Menschen und seiner Welt: für aufwendige, technisch komplizierte Operationen gibt es viel Geld, aber nicht genug Geld für die Zeit, welche die Ärzte und andere Therapeuten für persönliche Zuwendung und Psychotherapie brauchen, um den Menschen, den ganzen Menschen, und nicht nur einzelne Organe behandeln zu können.

Maio weist überzeugend darauf hin, wie diese unzulängliche Sicht des Menschen mit der heutigen Krise der Schulmedizin zusammenhängt (Maio 2012). In seinem Lehrbuch mit dem Titel "Mittelpunkt Mensch: Ethik in der Medizin" hat er das letzte Kapitel (Kapitel 24) überschrieben "Das Menschenbild als Grundlage einer Ethik der Medizin". Schon allein in diesen Überschriften macht er deutlich, für wie wichtig er das Menschenbild in der Medizin hält. Er sieht das Verständnis vom Menschsein als bestimmend für die Zielvorstellung allen Handelns in der Medizin. Aber "In den meisten ethischen Debatten wird diese Vorstellung vom Wesen des Menschen implizit vorausgesetzt und deshalb nur selten kritisch reflektiert" (ebd., S. 375). Das führt dann oft zu Meinungsverschiedenheiten, die in der Medizinethik zu oberflächlich ausgefochten werden.

Maio unterscheidet vier vorherrschende Menschenbilder in der modernen Medizin, die zwar alle zu einseitig für die Medizin als soziale Praxis seien, aber doch ihre Berechtigung hätten, weil sie auch zu einer Verbesserung der Medizin beigetragen hätten (ebd., S. 376–383):

- Der Mensch als Mensch-Maschine
- Der Mensch als souveräner Kunde
- Der Mensch als atomistisches Einzelwesen
- Der Mensch als das Machbare
Es handelt sich hier um die grundlegende Ursache für die Krise in der modernen Medizin. Maio stellt diesen oft übersehenen Grund in seinem vollen Ernst dar. Ich empfehle dem Leser deshalb, diese acht Seiten selber zu lesen.

Hier folgen nur einige Hauptpunkte daraus:

Der Mensch als Mensch-Maschine

Die Vorstellung vom Mens

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