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Das Jahr danach Wenn Paare sich trennen von Kleist, Bettina von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2012
  • Verlag: Ch. Links Verlag
eBook (PDF)
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Das Jahr danach

Mehr als 200 000 Ehen werden jedes Jahr in Deutschland und Österreich geschieden, Millionen von Beziehungen scheitern. Das Ende einer Partnerschaft bringt tiefgreifende Veränderungen mit sich. Lebenspläne werden durchkreuzt, Selbstbild und Rollenverständnis erschüttert, existenzielle und seelische Not stürzen Betroffene oft in eine tiefe Krise. Das neue Buch von Bettina von Kleist zielt genau auf die Bruchstelle, wenn Vergangenes nicht mehr gilt und Künftiges sich noch nicht geordnet hat. Wie in einer Nahaufnahme leuchtet die Autorin Verhaltensweisen von Trennungspaaren aus, rollt typische Erosionsprozesse der Liebe auf, bezieht die unterschiedliche Sicht von Verlassenen und Verlassenden ein und berücksichtigt Expertenmeinungen. Narrative Interviews mit Personen zwischen Ende 20 und Ende 60 verdeutlichen, wie unterschiedlich Männer und Frauen die Abwärtsspirale ihrer Beziehungen wahrnehmen und wie anders ihre Bewältigungsstrategien sind. Bettina von Kleist: Jahrgang 1949, Studium der Theaterwissenschaften, Psychologie und Amerikanistik, freie Journalistin und Mitarbeiterin überregionaler Zeitungen, schreibt vorrangig über psychologische Themen. Sie hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862840939
    Verlag: Ch. Links Verlag
    Größe: 329 kBytes
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Das Jahr danach

Der Tag des Auszugs

Sie hatten wie immer gemeinsam gefrühstückt, er hatte den Tisch gedeckt, sie hatte Kaffee aufgesetzt, in angestrengter Höflichkeit hatten sie und ihr Noch-Ehemann ein paar Sätze gewechselt. Doch als Sven die Tageszeitung aufschlug, hielt sie die bemühte Normalität nicht mehr aus. Ihre Henkersmahlzeit! Nach 17-jähriger Ehe das letzte Frühstück unter einem gemeinsamen Dach. Und Sven vertiefte sich in einen Artikel, als brächte ihn nichts, auch nicht ihre gepackten Umzugskisten, aus dem Tritt. Voller Wut schleuderte sie ihren Kaffeebecher gegen seine ausgefaltete F.A.Z. Der verächtliche Blick ihres Mannes begleitete Anna B. noch lange: "Danach blieb ich sitzen und stierte apathisch vor mich hin, bis die Möbelpacker klingelten."

Fast alle meine Gesprächspartner Innen erinnerten sich auf Anhieb an das Datum, als sie selbst oder ihr Partner auszogen und der Möbelwagen vor der Tür das Scheitern ihrer Beziehung bekundete. Auch wenn beide Partner die Trennung als unvermeidlich ansehen, löst die Aufkündigung der gemeinsamen Postanschrift zumeist einen Tumult von Gefühlen aus. "Ich hatte den Tag herbeigesehnt. Aber in meine Erleichterung mischte sich auch Trauer. Ein Auszug ist ja der dingliche Abschied von einem Traum", beschreibt Manfred K., 55, die emotional hoch aufgeladene Situation, in der der gemeinsame Hausrat in "mein" und "dein" zerlegt wird und das ehemalige "wir" und "unser" wieder in zwei Hälften zerfällt. Die mitunter erbitterte Auseinandersetzung, wer was bekommt, lässt sich mit materiellem Besitzanspruch nicht erklären. In der Verteilung des Hab und Guts handeln Paare auch aus, welchen Stellenwert sie der vergangenen Gemeinsamkeit einräumen und wie viel Wertschätzung sie sich gegenseitig (noch) entgegenbringen.

Unabhängig davon, ob sie verlassen wurden oder ihren Partner verließen, schildern Frauen ihren Auszug oft als einen dramatischen Vorgang, der mit dem Gefühl von Entwurzelung, Heimatlosigkeit oder gar Vertriebensein verbunden ist. Wie Flüchtlinge brechen einige auf in eine ungewisse Lebenswende. Falls eine andere Frau der Trennungsgrund ist, verstärkt das Bewusstsein, dass sie zugunsten der Neuen das Feld räumen, das Gefühl, ohnmächtig Veränderungen ausgesetzt zu sein, die erst einmal nur Verlust bedeuten.

Doch auch wenn sie in der vertrauten Umgebung bleiben, empfinden Frauen die Aufteilung des Besitzstandes oft als eine Amputation. Während Männer häufig den Sachwert zum Maßstab erheben mit dem juristischen Besitzanspruch: "Wer hat es denn bezahlt?", oder rein pragmatisch den Hausrat nach Notwendigem durchsieben, versinnbildlicht die auseinander gerissene Einrichtung für Frauen die Auflösung des bisherigen Lebensgefüges. Jahrelang hauptsächlich zuständig für den Familienalltag, laden sie mehr als Männer Möbel und Wohnaccessoires mit Gefühlen auf und heften an Gegenstände stärker (Beziehungs-) Erinnerungen. Was auch zur Folge hat, dass Frauen die Wut über ihren abtrünnigen Partner oft an dessen Besitztümern ausagieren, sofern sie derer noch habhaft werden. Geniert erinnern sich etliche meiner Gesprächspartnerinnen an ihre unkontrollierten Ausbrüche, in denen sie vorzugsweise die Lieblingsstücke ihres Noch-Partners misshandelten oder vernichteten. "Nachts tigerte ich durchs Haus und zertrümmerte Sachen, die ihm gehörten", gibt eine 51-Jährige eruptive Racheaktionen preis, die kurz Erleichterung schaffen. Auch die Vorenthaltung unersetzlicher Erinnerungsstücke, zum Beispiel Fotoalben, gehört eher zu weiblichen Strafmaßnahmen.

Zu welchen Zerstörungsorgien verlassene Männer fähig sind, dokumentiert die Kriminalstatistik. Auch in sogenannten geordneten Verhältnissen geht es im Zuge der Trennung oft hoch her. So zersägte ein Mann kurzerhand das Ehebett, nachdem seine Frau für sich eine Wohnung gemietet hatte, weil sie seine cholerischen Attacken nicht mehr ertrug. Es sind mehrheitlich Männer, die ganze Einrichtungen zu Kl

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