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Ich liebe dich. Nur nicht grad jetzt von Jung, Mathias (eBook)

  • Erschienen: 05.02.2015
  • Verlag: Kreuz
eBook (ePUB)
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Ich liebe dich. Nur nicht grad jetzt

Die Liebe ist eine Baustelle. Sie braucht immer wieder kleine Instandsetztungsarbeiten - kleine Zeichen der Zuwendung, Rituale, aber auch eine produktive Streitkultur. In eienr Partnerschaft braucht jeder Raum für sich selbst, für eigene Interessen - und doch geht es darum, das Gemeinsame im Blick zu behalten. So bleibt Liebe lebendig und wetterfest. Vielfältige Anregungen und Tipps für das Leben zu zweit von dem erfahrenen und bekannten Paartherapeuten Mathias Jung.

Mathias Jung, Dr., geb. 1941, Studium der Philosophie, Germanistik und Pädagogik in Münster, Wien, Bonn. Seit 1992 Einzel-, Paar- und Gruppentherapeut am "Dr.-Max-Otto-Bruker-Haus" in Lahnstein. Lehrtherapeut an der "Europäischen Akademie für psychosoziale Gesundheit und Kreativitätsförderung" in Hückeswagen. Autor zahlreicher Bücher. Vortragsreisen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Produktinformationen

    Größe: 4597kBytes
    Herausgeber: Kreuz
    Untertitel: Große Liebe, kleine Krisen
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 128
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783451803352
    Erschienen: 05.02.2015
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Ich liebe dich. Nur nicht grad jetzt

Zweikomponentenkleber

Ich sehe sie noch deutlich und mit Sympathie vor mir: Bernhard und Marianne (die Namen habe ich, wie alle folgenden im Buch, geändert). Ein ungemein sympathisches Paar. Beide sind engagierte Gymnasiallehrer, auf die Vierzig zugehend. Sie wollen kein Kind. Sie sind unbeschwert, experimentierfreudig und ganz augenscheinlich ineinander verliebt. Gutaussehend sind sie auch noch. Bernhard ist groß, schlank und sportlich, volles braunes Haar. Marianne, eine Norddeutsche, semmelblond, zart und doch zugleich zäh. Der Anlass ihres Besuches in meiner psychotherapeutischen Praxis ist kein privater. Das erklären sie beide lachend. Die Kosten für einen Psychotherapeuten könnten sie sich sparen, erklären sie. Ein gelegentlicher Zoff, bei dem die Fetzen flögen, hätte die gleichen, reinigenden Dienste. Damit bin ich einverstanden und stimme in ihr Gelächter ein.

Nein, Marianne, die mich bei einem meiner Vorträge kennen gelernt hat, will von mir eine kollegiale Hilfe. Ob sie für ihre Arbeit als Vertrauenslehrerin eine psychotherapeutische Zusatzqualifikation erwerben solle, fragt sie. Wenn ja, welche? Wir tauchen ein in ein schönes und tiefes Fachgespräch. Ich kann der klugen Marianne zu ihrem überlegten Projekt nur aus vollem Herzen zuraten. Sie ist sogar bereit, dies aus eigener Tasche zu zahlen. Sie besitzt einen hellen analytischen Verstand und verfügt über tiefe Einfühlung. Ihre eigene innere Biografie hat sie vor Jahren mit einer Therapeutin verantwortungsvoll und ohne die Schmerzen der Befreiung zu scheuen durchgearbeitet. So weit so gut.

Doch im Laufe der Sitzung passiert etwas Eigentümliches. Das anfänglich so liebevolle Mikroklima zwischen Marianne und Bernhard verschlechtert sich. Was mir zuerst auffällt, ist, dass Bernhard etwa in der Mitte der Sitzung seinen Sessel verlässt, auf das Sofa zusteuert und eng an Mariannes Seite Platz nimmt. Dabei beginnt er, sie entweder mit einem Arm vom Rücken her zu umfassen oder, alternativ, eine Hand beschützend auf ihr Knie zu legen. Bernhard macht sich Mariannes Anliegen völlig zu seinem. Immer öfter reißt er das Wort an sich, um mir gestenreich ihr Anliegen zu veranschaulichen.

Plötzlich platzt Marianne der Kragen. Sie rückt an die andere Seite der Praxiscouch und faucht Bernhard an: "Jetzt lass mich doch einmal in Ruhe. Lass mich meine Sache selbst vortragen. Ich bin doch kein Schulmädchen. Warum bist du überhaupt mitgekommen?"

Bernhard gekränkt: "Aber ich liebe dich doch so sehr!"

Eine kurze, heftige Explosion - danach hat sich das Liebespaar rasch wieder beruhigt. Und doch blieb die Irritation zwischen beiden im Raum fast physisch greifbar. Wie viele Paare lieben sich Marianne und Bernhard mit einer geradezu neufundländerhaften Anhänglichkeit. Und doch könnten sie in manchen Beziehungssituationen förmlich aus der Haut springen.

Sie tun sich insgesamt gut, aber sie überstrapazieren in gewissen, im Paargeschehen immer wieder ähnlich auftauchenden Situationen ihre Nerven. Dabei hat jeder von beiden natürlich seine respektive ihre Wahrheit. Jeder ist zugleich Opfer und Täter, wenn man so massive Begriffe für die kleine Krisenlage überhaupt verwenden will.

Fangen wir bei Marianne an. Sie hatte sich auf das klärende Gespräch bei mir, auf Ausbildungs- und Büchertipps gefreut. Diese Ausbildungsidee war ihre Sache. Sie war mit Recht stolz auf sich. Sie verstand die psychotherapeutische Zusatzausbildung auch als einen wichtigen Meilenstein auf ihrem Weg. Sie wollte sich den Bereich der angewandten Psychologie erschließen und hätte möglicherweise gerne die Zeit gehabt, über den Zusammenhang dieser Ausbildung mit ihrem psychischen Schicksalsweg einige Takte mit mir allein zu sprechen.

Bernhard nahm ihr jedoch, indem er sich zu ihrem unerbetenen Wortführer machte, kostbare Gesprächszeit weg. Vermutlich hätte sie ohne sein Beisein das eine oder andere Private offenbart, w

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