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Mein Mann liebt einen Mann Wie Frauen das Coming-out ihres Partners bewältigen von Kleist, Bettina von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2016
  • Verlag: Ch. Links Verlag
eBook (ePUB)
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Mein Mann liebt einen Mann

Nach vorsichtiger Schätzung leben in Deutschland eine Million Männer in zwei Welten: Sie sind verheiratet, haben Kinder und führen parallel dazu eine homosexuelle Beziehung. Der gesellschaftliche Druck und die Angst, ihre Familie zu verlieren, hindern sie oft jahrelang daran, sich zu offenbaren. Für viele Frauen bricht mit dem Coming-out des Partners dann eine Welt zusammen. Sie müssen sich durch ein Gefühlschaos kämpfen, denn nicht nur Gegenwart und Zukunft ihrer Partnerschaft sind in Frage gestellt, sondern auch die Vergangenheit erscheint plötzlich in einem anderen Licht. Außerdem stehen sie vor der Frage, ob und wie weit sie die Kinder einweihen sollen. Zum ersten Mal schildern betroffene Frauen und Männer ihre Konflikte und berichten, wie sie diese Lebenskrise in kleinen Schritten bewältigt haben. Jahrgang 1949, Studium der Theaterwissenschaften, Psychologie und Amerikanistik, freie Journalistin und Mitarbeiterin überregionaler Zeitungen, schreibt vorrangig über psychologische Themen. Sie hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 184
    Erscheinungsdatum: 27.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862843442
    Verlag: Ch. Links Verlag
    Größe: 904 kBytes
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Mein Mann liebt einen Mann

Bisexualität: Sexuelle Orientierung oder Tarnbegriff?

Der Modeschöpfer Wolfgang Joop beschreibt seine bisexuelle Lebensweise "als emotionale Potenz, auf die ich stolz bin" und erläutert den Kick: "Rollenwechsel und Tabubruch finde ich erotisch. Natürlich habe ich den Helden gespielt bei Frauen, obwohl es mich manchmal angestrengt hat. Ich finde es verlockend, auch mal eine andere Seite zu zeigen, die Seite des Opfers einem Mann gegenüber, oder ihn dazu zu bringen, den Helden zu spielen vor mir. Ich kann eine Frau auch ganz anders verführen als einen Mann." 4

Auch der Sexualwissenschaftler Oswalt Kolle bricht eine Lanze für die bisexuelle Lust. Im Buch mit dem anzüglich plastischen Titel "Nach beiden Seiten offen" bedauern er und seine Koautorin Sabine zur Nieden, dass Bisexualität der Ruf anhafte, die feigere Version der Homosexualität und die begriffliche Tarnung schwuler Neigungen zu sein. Selbst unbeschwert zwischen den Geschlechtern wechselnd, stellte sich für Kolle jedenfalls noch nie die Frage, ob er eigentlich ein verkappter Schwuler sei, schreibt er. Er schildert seine gelegentlichen Beziehungen zu Männern als Vergnügen, das das Spektrum erotischer Genüsse erweitere: "Es waren glückliche Stunden mit großer Lust (...) Schwieriger war es mit Männern, die ihre offene oder verborgene Angst vor Homosexualität nicht vergessen konnten, auch in den orgiastischen Momenten noch Furcht vor den lustvollen Berührungen durch einen anderen Mann zeigten, aber dann doch selbst lachen mussten, wenn ich ihnen sagte, sie seien doch deshalb nicht etwa homosexuell, sondern nur über ihren eigenen Schatten gesprungen und im Wesen eben offen für beide Geschlechter wie ich auch." 5
Der Trend zur doppelten Lust

Keine Frage: Der Flirt mit der doppelten Lust gedeiht besonders im großstädtisch künstlerischen Milieu. Immer fließender wird der Übergang zwischen den Geschlechtern. Nicht nur im androgynen Kleidungsstil, auch im Lebensentwurf weichen ehemals gültige Rollenmuster mehr und mehr auf. Der renommierte Sexualforscher Gunter Schmidt, Professor an der Universität Hamburg, stellt die These auf, dass die Heterosexualität ihre Vorreiterrolle verlieren und durch eine Vielzahl sexueller Orientierungen ersetzt werden wird. 6

Dennoch: Als lediglich eigenwillige Variante wird die gleichgeschlechtliche Liebe auch heute noch nicht angesehen. Obwohl Geschichte und Gegenwart nicht gerade arm sind an verheirateten Männern, deren schwule Beziehungen bekannt wurden: Friedrich der Große, Baudelaire, Heinrich Heine, Tschaikowsky, Marcel Proust, Gustav Gründgens, James Dean, Horst Buchholz, Mick Jagger, David Bowie. Die Verbindung von Graf Eulenburg mit Wilhelm I. erschütterte das damalige Kaiserreich. William Sommerset Maughams Ehe wurde aufgrund seiner Homosexualität geschieden. Der Schauspieler Ernie Reinhardt - alias Lilo Wanders ausschließlich in Frauenkleidern auf der Bühne - lebte mit Frau, Freund und seinen Kindern zusammen. Colette, Greta Garbo, Käthe Kollwitz, Marlene Dietrich, Frida Kahlo, Inge Meysel, Gianna Nannini gehören zu den Frauen, die außer Männern auch Frauen liebten. 7 Auch heute jedoch kommt die Mitteilung, verheiratet und homosexuell zu sein, einem Bekenntnis gleich. Das Eingeständnis, dass der eigene Mann auch Männer liebt, die eigene Frau auch Frauen, bricht mit gesellschaftlichen Normen.

Die Dunkelziffer betroffener Paare ist hoch. Mehrere hunderttausend Frauen leben nach vorsichtiger Schätzung mit einem Mann zusammen, der sexuelle Kontakte zu Männern hat, manchmal sogar mit ihrem Wissen. 8 Oft viele Jahre und mitunter das ganze gemeinsame Leben, ohne dass die Ehefrau von der schwulen Veranlagung ihres Partners erfährt.
Forschung mit Scheuklappen

Will man die Kontroverse vereinfachen, ob Menschen vo

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