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Trotzdem: Liebe Wahre Geschichten von Pfister, Elisabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2017
  • Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
eBook (ePUB)
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Trotzdem: Liebe

'Trotzdem: Liebe': Erkundungen der hellen und der dunklen Seite der Liebe. Acht wahre und einfühlsam erzählte Geschichten. Da ist die Frau, die sich am Sterbebett des Freundes ihres Partners in den todgeweihten Mann verliebt und nach seinem Tod ihr ganzes Leben ändert, gewissermaßen vom Kopf auf die Füße stellt. Da erzählt eine junge, streng atheistisch erzogene Frau, wie die Liebe zu Gott sie wie ein Blitz trifft, worauf sie in ein Kloster strengster Observanz eintritt - und deshalb von ihrer Familie verstoßen wird. Erzählt wird von einem Mann, der 35 Jahre in einer engen, geradezu symbiotischen Beziehung mit seiner Frau lebt - und eines Tages scheinbar unvermittelt zum Gewehr greift und sie erschießt. Handelt es sich in allen von Elisabeth Pfister geschilderten Fällen wirklich um Liebe? 'Wer bin ich, um darüber zu richten?' fragt und sagt sich die Autorin - und erzählt voller Empathie und zugleich mit Distanz von acht außergewöhnlichen Liebesgeschichten. Sie hat mit ihren Protagonisten lange vertrauliche Gespräche geführt, durfte in ihre Lebenswelten eintauchen - und hatte jedes Mal, wenn sie wieder auftauchte, die Einsicht: 'Ja, so war oder so ist es wohl für diese Frau, für diesen Mann, für dieses Paar. Es ist ihre Wahrheit. Und auch wenn ich vielleicht nicht alles verstehe: Es geht um Liebe, trotz allem ...' Elisabeth Pfister, 1952 in Freiburg geboren, studierte Germanistik, Anglistik und Politik in Freiburg und Marburg. Arbeitete viele Jahre als Fernsehjournalistin für die ARD und als ARTE-Redakteurin. Inzwischen lebt und schreibt sie freiberuflich als Journalistin und Buchautorin in Frankfurt am Main. U. a. veröffentlichte sie 1999 mit großem Erfolg die Spionage-Recherche 'Unternehmen Romeo. Die Liebeskommandos der Stasi'. 2013 erschien ihr Buch über das bislang unerforschte Thema 'Wenn Frauen Verbrecher lieben.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 312
    Erscheinungsdatum: 28.08.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863513351
    Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
    Größe: 693 kBytes
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Trotzdem: Liebe

DER TODESBRÄUTIGAM

Die Frau

Wenn mir vor einem halben Jahr jemand erklärt hätte, dass mein Leben noch einmal komplett auf den Kopf gestellt würde oder vielleicht auch auf die Füße, hätte ich ihn für verrückt erklärt. So lange ist es her, dass Udo mir sagte, sein Freund Matthias liege auf der Intensivstation und würde wahrscheinlich sterben. Matthias hatte Krebs, aber er lebte seit Jahren damit, mal besser, mal schlechter. Da mich nichts wirklich mit diesem Mann verband, berührte mich die Nachricht nicht sonderlich.

Jetzt war er eigentlich nur ins Krankenhaus eingeliefert worden, weil er sich nach einem Sturz einen komplizierten Armbruch zugezogen hatte. Zunächst dachte niemand an etwas Schlimmes. Aber durch das lange Liegen bekam er eine Infektion, seine Nieren versagten, und er brauchte täglich eine Dialyse. So wurde sein Körper zusätzlich geschwächt. Er hatte immer exzessiv gelebt, zu viel Wein getrunken, geraucht und trotz der Leukämie sein ungesundes Leben fortgesetzt. Es ging es ihm sehr schlecht, was Udo, der sich seit Jahren um ihn gekümmert hatte, sehr mitnahm.

Die beiden hatten vor allem beruflich miteinander zu tun gehabt. Matthias war Grafiker, und er entwarf Plakate und Programmhefte für die Theaterprojekte und Lesungen, die Udo betreute. Die zwei kannten sich seit mehr als dreißig Jahren. Seit ich mit Udo zusammen war, hatte ich Matthias zwar öfter getroffen, aber befreundet waren wir nicht. Ich wusste, wie krank er war und dass er immer wieder furchtbare Behandlungen überstehen musste. Udo gab ihm weiterhin Aufträge, um ihn am Leben zu halten, finanziell und psychisch.

Er war immer ein schwieriger und kauziger Mensch gewesen. Er lebte sehr isoliert und hatte diverse Beziehungsdramen hinter sich, mehrere Kinder von verschiedenen Frauen, aber zu keinem von ihnen hatte er einen guten Kontakt. Ständig lamentierte er über sein Leben und dass er immer nur Pech gehabt hätte. In der Kneipe, die zu dem Theater gehörte, für das er arbeitete, stand er oft in sich versunken am Tresen, trank und rauchte, und wenn er mit jemandem ins Gespräch kam, kippte er dem anderen sein Leid vor die Füße, ob der es hören wollte oder nicht.

Wenn man versuchte, ihm irgendwelche Tipps zu geben, war das ganz und gar nicht erwünscht. Irgendwann hatten sich fast alle von ihm abgewandt, weil sie sein Jammern nicht mehr ertragen konnten.

Ich hatte ihn vor ziemlich genau sechs Jahren kennengelernt, als Udo und ich nach vielen Anfangsschwierigkeiten endlich ein Paar wurden. Als ich damals von Matthias' Krankheit erfuhr, dachte ich: Nicht schon wieder! Kurz davor war mein Onkel an Krebs gestorben, und ich hatte ihn bis zu seinem Tod begleitet. Auch meine Mutter war zwanzig Jahre vorher an Krebs gestorben. Nur ein halbes Jahr, nachdem ein Hirntumor bei ihr festgestellt wurde, war sie tot. Sehr schwer war, dass man ihr gegenüber kein Wort über ihre Krankheit fallen lassen durfte. Sie hat überhaupt nie viel über ihre Gefühle und Befindlichkeiten nach außen dringen lassen. Das war für mich zum Schluss sehr schwer auszuhalten. Und jetzt schon wieder einer, der diese mörderische Krankheit hatte!

Als ich Matthias dann persönlich begegnet bin, habe ich deshalb sofort eine Art Schutzwand aufgebaut und mich nicht auf ihn eingelassen. Außerdem haben mich seine permanenten Klagelieder genervt. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ausgerechnet dieser Mann der Auslöser für meinen Lebensumbruch sein würde.

Ich hatte eine gescheiterte Ehe und allerlei Beziehungen hinter mir, Krisen und schmerzhafte Trennungen, aber mein Leben war ausgefüllt von der Erziehung meiner beiden Kinder und meiner Arbeit.

Udo traf ich bei einer Lesung. Ich war in einer ziemlich komplizierten Situation, denn diese Veranstaltung war der letzte gemeinsame Abend

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