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Wenn der Wecker nicht mehr klingelt Partner im Ruhestand von Kleist, Bettina von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2012
  • Verlag: Ch. Links Verlag
eBook (ePUB)
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Wenn der Wecker nicht mehr klingelt

Von den einen ersehnt, von anderen gefürchtet: der Wechsel vom Berufsleben in den Ruhestand. Gewohnte Abläufe im Alltag sind plötzlich hinfällig, an freier Zeit herrscht nun kein Mangel mehr, aber wie soll man sie nutzen? Nicht selten brechen jetzt verschleppte Konflikte auf, wird die Partnerschaft auf den Prüfstand gestellt. Wie viel Anpassung verlangt die engere Zweisamkeit - und wie viel Distanz? Wie ändert sich das Selbstbild, wenn die alten Rollen nicht mehr tragen? Wie lassen sich gesundheitliche und finanzielle Einschränkungen bewältigen?Bettina von Kleist hat Paare befragt, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen. Die Modelle für den neuen Lebensabschnitt sind, so zeigt sich, erstaunlich vielfältig. Neben den Erfahrungsberichten hat die Autorin zahlreiche Langzeitstudien ausgewertet und Ratschläge von Fachleuten eingeholt. Auf diese Weise werden nicht nur die Probleme sichtbar, sondern auch die vielfältigen Chancen, die der Ruhestand für Paare bietet. Bettina von Kleist: Jahrgang 1949, Studium der Theaterwissenschaften, Psychologie und Amerikanistik, freie Journalistin und Mitarbeiterin überregionaler Zeitungen, schreibt vorrangig über psychologische Themen. Sie hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 30.03.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862841660
    Verlag: Ch. Links Verlag
    Größe: 2142 kBytes
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Wenn der Wecker nicht mehr klingelt

Beruf als Stützpfeiler der Identität

Karriere oder Broterwerb?

"Metro, boulot, dodo" - "Pendeln, Malochen, Pennen": Lakonisch beschreiben die Franzosen den Rhythmus, der im berufstätigen Alter von montags bis freitags das Leben bestimmt, vorausgesetzt, man ist nicht arbeitslos. Für die meisten Männer der heutigen Rentnergeneration bestand kein Zweifel, dass nach Lehre, Ausbildung, Studium ihr Arbeitsplatz die "Hauptbaustelle" in ihrem Leben war. Anders als für Frauen, die beruflich zugunsten der Familie oft zurücksteckten, war für Männer ihre Berufstätigkeit so selbstverständlich wie der Wechsel von Tag und Nacht. Im günstigen Fall bot der Beruf ihnen Gelegenheit, Gestaltungs- und Einflusswünsche zu befriedigen, gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen, Kontakte und Freundschaften zu knüpfen, und war so die Quelle von Selbstbewusstsein und Glück.

Die Unausweichlichkeit der männlichen Berufsrolle hat den Vorzug, dass sie Fähigkeiten fördert und Kräfte mobilisiert. Die Höhe des Gehalts, die beruflichen Aufstiegschancen und der damit verbundene gesellschaftliche Status spielen in der Lebensplanung von Männern eine größere Rolle als bei Frauen. Fehlten die Voraussetzungen für ein befriedigendes Berufsleben jedoch, hatten Männer keine gesellschaftlich akzeptierte Alternative. Nicht einer geregelten Arbeit nachzugehen, bedeutete für sie geringes Ansehen und wenig Einkommen. Je nach Vermögensverhältnissen wurden Männer ohne Beruf abgestempelt zum "Playboy", "Loser" oder Pantoffelhelden, dessen Frau die Hosen anhat, weil sie die Familie ernährt.

Der dauerhafte Leistungsdruck führte dazu, dass Männer oft ein "halbiertes", privat oft ein "halbsozialisiertes" Leben führten. Männer riskierten, den Anschluss an die Familie, Frauen dagegen, den Anschluss an den Beruf zu verlieren, pointieren kritische Frauen- und Männerstimmen eine geschlechtsspezifische Prioritätensetzung, die auf beiden Seiten Defizite erzeugt. Die Verurteilung misslicher Arbeitsumstände, die Kräfte verschleißen, Verzicht erfordern und den Blick auf die nächste Stufe der Karriereleiter fixieren, geht bei Männern im Unterschied zu Frauen selten bis zur Verwerfung der Berufsrolle überhaupt. Während in früheren Generationen (gesunde) Männer klar die Rolle des Familienernährers einnahmen, brachen im Berufsleben der jetzigen Rentnergeneration solche Rollenmuster auf. Die Infragestellung ihrer beruflichen Vorrechte und Verpflichtungen löste vermutlich bei vielen Männern ähnlich ambivalente Gefühle aus, wie sie der 1936 geborene Psychoanalytiker Horst Petri schildert: Als Angehöriger einer Kriegsgeneration, die mit autoritären Leitbildern groß wurde, erlebte er die 68er-Bewegung einerseits als "Befreiung", andererseits aber widersprach die Sehnsucht des zweifachen Vaters, mehr Freiraum für Partnerschaft(en) und Freundschaften zu haben, "den verinnerlichten Idealen von arbeitsam sein, zielstrebig, ehrgeizig, erfolgreich sein, kämpferisch sein" 5 .

Die Akzeptanz eigener Grenzen und das Abwägen, ob sich das berufliche Engagement auszahlt, führen jedoch nicht selten dazu, dass auch Männer im fortgeschrittenen Alter Berufliches relativieren und sich darauf besinnen, was das Leben sonst noch bietet. Die Autoren Hans Georg Berg und Eva Renate Schmitt beschreiben die Entwicklung männlicher Identität in vier Phasen. Nach ihrer Analyse nimmt der hohe Stellenwert von Beruflichem im Laufe der Zeit ab, während private Beziehungen und Wohlbefinden wichtiger werden. Mit dem Vorbehalt, dass Verallgemeinerungen stets Ausnahmen implizieren, scheint mir das Vier-Stufen-Modell der Autoren durchaus zutreffend zu sein:

In der ersten Phase der Internalisierung orientieren sich Männer eng an klassischen Rollenmustern. Vorausgesetzt, sie haben eine Arbeitsstelle, streben viele nach zunehmender beruflicher Verantwortung. Finanzielle Sicherheit, ein geregeltes Einkommen sind wichtig. Die traditionelle Arbeitsteilung zwischen

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