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Der unvollendete Palazzo Liebe, Leidenschaft und Kunst in Venedig von Mackrell, Judith (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2019
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Der unvollendete Palazzo

Mitte des 18. Jahrhunderts beauftragte die Familie Venier, die in ihren Glanzzeiten die Dogen Venedigs stellte, Architekten mit dem Bau eines spektakulären Palazzos direkt am Canal Grande. Doch die Kosten explodierten und die ehrgeizigen Baupläne konnten nicht vollständig realisiert werden. Die britische Autorin und Kritikerin Judith Mackrell erzählt in ihrem reich bebilderten und spannend geschriebenen Buch die Geschichte dieses Gebäudes. Im 20. Jahrhundert gingen hier u. a. Man Ray, Pablo Picasso, Cole Porter oder Yoko Ono ein und aus. Seine Bewohnerinnen, die Mailänder MiIlionenerbin und Modeikone Luisa Casati und Doris Castlerosse, die Geliebte Winston Churchills, machten den Palazzo zu einem weit über die Grenzen Italiens bekannten und berüchtigten Treffpunkt der internationalen Künstlerszene und der High Society. Ende der 1940er Jahre kaufte die Mäzenin und Kunstsammlerin Peggy Guggenheim den Palazzo, nach ihrem Tod wird er Sitz der Collezione Guggenheim. Das Museum ist heute eine der touristischen Hauptattraktionen Venedigs. Das Porträt einer singulären Stadt, die Geschichte eines außergewöhnlichen Hauses und dreier atemberaubender Frauen! Judith Mackrell ist eine der wichtigsten Tanzkritikerinnen Großbritanniens und Autorin mehrerer Bücher, darunter die Biographie der russischen Ballerina Lydia Lopokova und ihrer Ehe zu John Maynard Keynes, die 2008 für den Costa Biography Award auf der Shortlist stand.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 500
    Erscheinungsdatum: 09.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458764052
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: The Unfinished Palazzo. Life, Love and Art in Venice
    Größe: 18764 kBytes
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Der unvollendete Palazzo

Einleitung

An einem heißen Abend im September 1913 bildete sich auf dem Canal Grande in Venedig ein Verkehrsstau, da sich im östlichen Abschnitt des Kanals, dort, wo er sich Richtung Lagune weitet, Gondeln mit aufwendig kostümierten Partygästen drängten.

2 Der Palazzo Venier dei Leoni Ende des 20. Jahrhunderts. Er beherbergt heute die Peggy Guggenheim Collection.

Am Ufer reihten sich vornehme Gebäude; in den oberen Stockwerken hingen gewaltige Kronleuchter, deren strahlendes Licht vom Wasser reflektiert wurde und die Fassaden zum Leuchten brachte. Aus dieser klassisch venezianischen Szenerie stach ein Bauwerk heraus wie ein abgebrochener Zahn. Der nur einstöckige Palazzo Venier dei Leoni schien sich im Zustand fortschreitenden Verfalls zu befinden, die weißen Steinmauern waren von Efeu überwachsen, im Dach klafften Löcher.

Und doch strebten die Gondeln ausgerechnet diesem Gebäude zu. Über dem Dach schimmerte eine Aureole aus goldenem Licht, Musik erklang, und auf der breiten Uferterrasse spielte sich ein spektakuläres Begrüßungsritual ab. Zwei Schwarze - eins achtzig groß und wie nubische Sklaven gekleidet - standen zu beiden Seiten der Landungstreppe; einer verkündete die Ankunft der Boote mit feierlichen Gongschlägen, der andere warf Metallspäne in ein Kohlebecken, worauf Funken weißen Lichts in den Nachthimmel stoben. Gleich dahinter die Gastgeberin, eine hochgewachsene, schlanke Frau im weiß-goldenen, durchscheinenden Gewand einer persischen Prinzessin. Sie stand in der Mitte einer großen, flachen Schale voller Tuberosen und empfing ihre Gäste, indem sie sich wortlos und ohne ein Lächeln des Erkennens bückte und jedem eine einzelne Blume reichte.

In den drei Jahren, in denen die Marchesa Luisa Casati den Palazzo Venier gemietet hatte, wurden sie und ihre Partys zur Legende. Obwohl von ausgeprägter, geradezu exzentrischer Schüchternheit, war sie dennoch überzeugt, dass sie eine Künstlerseele besaß und dazu berufen war, sich und ihre Umgebung in Kunstwerke zu verwandeln. Selbst in einer Stadt, die für ihren Karneval und ihre Maskeraden bekannt war, gab es nichts, was der Inszenierung der Feste bei der Marchesa gleichkam, und von jedem Gast wurde erwartet, dass er seine Rolle darin spielte. Während sie ernst und schweigend inmitten der Tuberosen stand, entstiegen den Gondeln an jenem Septemberabend blaublütige Prominenz und Honoratioren in Haremshosen, aber auch Künstler mittleren Alters mit Turbanen und falschen Bärten - eine farbenfrohe, selbstbewusste Schar aus Sklavenmädchen, Paschas und gestiefelten Korsaren.

Im letzten Sommer vor dem Ersten Weltkrieg waren orientalische Feste der letzte Schrei, doch nur wenige hatten eine so stimmige Kulisse. Waren die Gäste der Marchesa erst einmal durch den verfallenden Säulenvorbau des Palazzos ins Innere gelangt, fanden sie sich in einer Szenerie wieder, die jede Vorstellung übertraf. Anstelle der düsteren Marmorwüste typischer Eingangshallen betraten sie einen goldfarbenen Salon voll von schimmernden Spiegeln und dem Geplapper eingesperrter Affen und Papageien. Hinter dem Salon tat sich ein verwilderter Garten auf, in dem sich zwischen golden bemalten Statuen weiße Pfauen, reinrassige Windhunde und ein halbzahmer Gepard tummelten. Kellner in vielfarbigem Brokat offerierten Champagnerflöten, eine schwarze Jazzband spielte Ragtime und Tango, und die Welt, die Luisa in jener Nacht in ihrem Palazzo erschuf, war ein ebenso illustrer Schmelztiegel von Ost und West wie die Geschichte der Stadt Venedig selbst.

Luisas Welt war grundverschieden von der Vision, die der Familie Venier vorschwebte, als sie den Palazzo Mitte des 18. Jahrhunderts in Auftrag gab. Die Veniers gehörten zu den bedeutenden Dynastien Venedigs. Ihre Ahnenreihe reichte zurück bis zu den Kaisern Valerian und Gallienus, die im Rom des dritten Jahrhunderts geherrscht hatten, und sie zählten berei

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