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Die Gärten von Paris von Rousseau, Murielle (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.04.2020
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
11,99 €
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Die Gärten von Paris

Was wäre Paris ohne seine Gärten und Parks? Die "grüne Hauptstadt" wird die Metropole auch genannt, denn fast fünfhundert Grünanlagen gibt es hier. Viele sind längst selbst zu Sehenswürdigkeiten geworden, wie der Jardin du Luxembourg oder der Jardin des Tuileries. Andere liegen versteckt hinter hohen Mauern oder verrammelten Toren, wie der Garten des Palais Royal oder der Clos de Blancs Manteaux, und warten darauf, entdeckt zu werden.
In Die Gärten von Paris nimmt die Pariserin Murielle Rousseau die Leserinnen und Leser mit in die schönsten Gärten der Stadt. Dabei nähert sich die Autorin den Gärten als Flaneurin und porträtiert sie auf ihre ganz persönliche, charmante und sehr französische Art. So entsteht Garten für Garten ein ganz besonderes Bild von Paris: das Porträt einer Stadt, gezeichnet auf einer Parkbank, mit Vogelgezwitscher im Ohr.

Murielle Rousseau , geboren 1966, ist in Paris aufgewachsen. Nach dem Studium der Romanistik und Germanistik Stationen bei verschiedenen Verlagen. Heute ist sie Inhaberin einer Agentur für Pressearbeit. Sie veröffentlichte literarische Kochbücher zur französischen Küche, die mehrfach ausgezeichnet wurden, und gehört zum Team der TV-Köche der ARD. Murielle Rousseau ist Mutter zweier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Freiburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 06.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458765967
    Verlag: Insel Verlag
    Serie: insel taschenbuch 4776
    Größe: 10341 kBytes
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Die Gärten von Paris

Erstes Arrondissement
Die Vögel im Garten: Palais Royal

Xavier wartet mit zwei Kaffeebechern in der Hand am Gewölbeeingang des Ministère de la Culture. Es ist noch dunkel, das dunkelgelbe Licht der Lampen hüllt die Straßen ein wie eine Sommerdecke. Noch ein wenig müde lehne ich mich an eine der Kolonnaden, die den Garten des Palais Royal ebenso einfassen wie die schwarzen schmiedeeisernen Gitter mit ihren auffälligen goldenen Spitzen.

Xavier und ich wollen den ersten Vögeln lauschen, die hier im Garten des Palais Royal ihr Lied anstimmen. Deswegen sind wir so früh gekommen. Mein Freund drückt mir die zwei Tassen in die Hand. »Sie sind blanc cassé wie unser Milchkaffee«, sagt Xavier und zeigt lachend auf die Säulen, während er mit einem großen Schlüssel das schwarze Tor öffnet. Hinter uns sperrt er wieder zu. Da sind wir, eingeschlossen in ein in Dunkelheit gehülltes, grünes Carré im Zentrum von Paris. Eingeschlossen in ein Schmuckkästchen aus Stein.

Obwohl direkt auf dem touristischen Trampelpfad zwischen Opéra und Louvre gelegen, wird der Garten des Palais Royal von Parisreisenden nur selten besucht. Das mag daran liegen, dass er nicht durch eine Straße oder einen Platz einsehbar ist und sich stattdessen hinter einem geschlossenen Gebäude-Ensemble versteckt. Auch sind die Eingänge zum Garten kaum als solche zu erkennen, nur Kenner und Anwohner steuern sie zielsicher an. Wer dennoch in das Innere vordringt, dem macht es der Garten keineswegs leicht: Die langen Wege und Flure sind nicht auf Anhieb zu überblicken. Man fühlt sich schnell etwas verloren. Xavier meint, es sei gut, wenn man so einen Ort nicht auf dem Tablett serviert bekommt, sondern ihn sich regelrecht erarbeiten müsse. Und diese Arbeit wird belohnt, führen die Wege nämlich, Adern gleich, direkt zum Wesen des Gartens - direkt zum Herzen.

Le jardin secret nennt Xavier diesen Ort, den geheimen Garten, und sagt, dass er Pariser kenne, die in ihrem ganzen Leben noch kein einziges Mal im Garten des Palais Royal waren. Dementsprechend ruhig ist es. Gerade morgens nach dem Aufschließen, verrät mir Xavier, sei der Garten im absoluten Stillstand. Nur ein einsamer Spaziergänger im Laufschritt verirrt sich her. Schon am späten Nachmittag, wenn die Kinder nach der Schule genug auf den Steinstelen herumgehüpft sind und sich der von fröhlichen Kinderbeinen aufgewirbelte Staub wieder auf die Holzbänke und die grünen Gartenstühle legt, wird es sehr still hier. Man muss kein Paul Claudel sein - Dichter, Diplomat und Vertreter der katholischen Erneuerung -, um sich wie in einem Klostergarten zu fühlen. Dafür sorgen schon die Kolonnaden, die den rund zwei Hektar großen Garten wie die Arkadengänge einer Klosteranlage gegen die Welt da draußen abschirmen und schützen. Die Häuserzeilen geben dem Ort Struktur und Halt. Für Claudel war das Modell eines Klostergartens ohnehin am besten geeignet, städtischen Raum zu gestalten. »Die Ordnung ist die Lust der Vernunft«, hat er mal gesagt.

Interessanterweise hat in der Vergangenheit gerade diese strenge, klassizistische Struktur des Ortes, die heute auch durch die ansässigen Ministerien und den Staatsrat eine institutionelle ist, die Menschen oft dazu verleitet, alles niederreißen zu wollen - während und nach der Revolution. Als würde dieser Ort dazu verleiten, ihm zu widersprechen, seine Struktur durcheinanderzubringen, genau hier seine Meinung kundzutun. Ein sehr paradoxer Ort!

1633 wurde der Garten in einem der Innenhöfe des damals sehr modern anmutenden Stadtpalast, dem Palais Cardinal, angelegt. Etwa ein Jahrhundert später baute der Lieblingsneffe des legendären Gartenarchitekten André Le Nôtre, Claude Desgots, den Garten komplett um. Entlang der zentralen Allee pflanzte Desgots eine Reihe von Ulmen, schloss den Garten an einer Seite durch den Bau einer Treppe und schuf so d

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