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Blood River Meine Reise ins dunkle Herz des Kongo von Butcher, Tim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2016
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Blood River

Tim Butcher, Kriegsberichterstatter und Afrikakorrespondent, reist auf den Spuren der Entdecker des 19.Jahrhunderts entlang Afrikas mächtigstem Strom. Allen Warnungen zum Trotz durchmisst er allein den Kongo, getrieben von dem Wunsch, sich ein eigenes Bild von einem Land zu machen, das in Krieg und Chaos versinkt. Entstanden ist ein mutiger, ergreifender Augenzeugenbericht über Leben und Überleben in einer der am schwersten zugänglichen Regionen Afrikas.

Jahrgang 1967 und Oxford-Absolvent, ist seit 1990 Journalist beim englischen "Daily Telegraph". Er arbeitete für die Zeitung als Kriegsberichterstatter unter anderem im Irak, Kosovo, in Bosnien und Sierra Leone. Mehrere Jahre war er Afrikakorrespondent mit Sitz in Johannesburg. Inzwischen lebt er als freier Autor mit seiner Frau und zwei Kindern in Kapstadt. "BloodRiver",Butchers erstes Buch, stand auf der Shortlist des Samuel-Johnson Prize 2008, erhielt einen der wichtigsten britischen Publikumspreise (Richard & Judy Book Club) und wurde über Nacht zum Bestseller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 01.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492975742
    Verlag: Piper
    Größe: 3993 kBytes
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Blood River

Vorwort

Fröstelnd wachte ich vor Anbruch der Morgendämmerung auf. Mit den Beinen angelte ich nach dem Bettzeug, das ich vorher weggestrampelt hatte, als die tropische Nacht am schwülsten war. Irgendwo draußen sangen afrikanische Stimmen zu einem Trommelrhythmus, doch meine Sicht war durchs Moskitonetz getrübt, und um mich herum nahm ich nur formlose Schatten wahr. Um sie nicht gegen mich aufzubringen, tastete ich langsam und vorsichtig nach dem um meine Knie zerknüllten Laken. Es roch nach meinem Nachtschweiß und nach Antiinsektenmittel, als ich es mir um die Schultern zog. Mir ging es eigentlich nicht um Wärme - ich brauchte Schutz. Draußen war der Kongo, und der jagte mir Angst ein.

Auf dem schmuddeligen Boden neben dem Bett lagen meine Sachen im Dunkeln bereit. Da waren meine Stiefel mit ihren klobigen Sohlen und dem sandfarbenen Wildlederschaft. In jedem waren 2000 Dollar versteckt, am Vortag sorgfältig gezählt, in Plastik eingewickelt und unter die Einlegesohlen gesteckt. Da war mein Rucksack, x-mal neu gepackt, damit auch alles seine Richtigkeit hatte, mit meinen Ersatzklamotten, einer schweren Fleecejacke, der Überlebensration und acht Flaschen gefiltertem Wasser. Die ersten Wagemutigen, die im 19. Jahrhundert in den Kongo aufbrachen, rückten mit einer kleinen Armee an, ausgerüstet mit den neuesten europäischen Feuerwaffen und der besten verfügbaren Medizin gegen Malaria, Schlafkrankheit, Lepra, Pocken und andere tödliche Krankheiten der Region. Der einzige Schutz, den ich dabeihatte, war ein Taschenmesser und eine Packung Feuchttücher.

Ich befand mich in einer großen Stadt namens Kalemie, doch draußen war alles dunkel. Kalemie liegt im Ostteil des Kongo, eine Hafenstadt am Rand des Tanganjikasees, von wo aus es früher per Boot nach Tansania, Sambia und in die weite Welt ging. 40 Jahre Verfall haben Kalemie zu einem von Krankheiten heimgesuchten Trümmerhaufen gemacht, wo das schrottreife Wasserkraftwerk kaum mehr einen Funken Elektrizität zu erzeugen vermag. Wie im übrigen Land haben die Einwohner schon lange gelernt, dass Strom ein seltener Segen und kein angestammtes Recht ist.

An Schlaf war nicht mehr zu denken, also stand ich auf und zog mich an. Ich achtete besonders darauf, die Dollars nicht zu zerknittern, als ich in meine Stiefel stieg. Im Holzkohleöfchen, mit dem ich den zähen Klumpen Reis, den ich letzten Abend gegessen hatte, aufgewärmt hatte, lag noch ein Rest Glut, als ich das doppelte Vorhängeschloss an der hinteren Tür aufsperrte und das grob zusammengeschweißte Sicherheitsgitter öffnete. Ich befand mich in einem kahlen Gebäude voller Stechmücken und ohne fließendes Wasser, doch als Standort einer amerikanischen Hilfsorganisation stellte es ein Ziel dar in einem Land, wo drängende Armut die Gesetzlosigkeit zur Routine macht. Vor dem sich im Osten aufhellenden Himmel konnte ich grob die gezackten Umrisse der Flaschenhälse sehen, die oben in die hohe Umfriedungsmauer einzementiert waren.

"Ist da wer?" Meine Stimme brachte draußen auf dem Hof einen Hund zum Bellen. Der Nachtwächter trat geräuschlos aus dem Schatten.

"Zur Stelle, Patron." Er klang wie ein Soldat beim Appell, gehorsam, militärisch und ehrerbietig. Das war der Ton des Kongo, den Leuten zuerst eingedrillt von flintenschwingenden Weißen und dann von grausamen lokalen Milizen.

Als ich die Motorräder überprüfte, die zu meiner Reise aufgereiht dastanden, spürte ich, dass der Wächter darauf bedacht war, mir ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. "Keine Sorge, Patron, alles ist okay", redete er auf meinen krummen Rücken ein, als ich mich über ein Hinterrad beugte. "Ich war die ganze Nacht auf, und niemand ist über die Mauer gestiegen." Er war von Beruf Lehrer, doch der Zusammenbruch des kongolesischen Staates hatte dafür gesorgt, dass mit Unterricht kein Geld zu verdienen war. Die 30

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