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Ein Jahr in Südafrika Reise in den Alltag von Maroldt, Kristina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2011
  • Verlag: Herder, Freiburg
eBook (ePUB)
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Ein Jahr in Südafrika

"?Bist du dir sicher?? Mit hochgezogenen Brauen musterte mich der Taxifahrer im Rückspiegel. Er war blass und unglaublich dick, auf den Knien balancierte er eine halb aufgegessene Portion Chicken Wings vom KFC-Laden neben dem Rathaus. ?Du willst in die Cornwall Street, nach Woodstock?? Ich lächelte sein mürrisches Gesicht so freundlich wie möglich an. Draußen peitschte der South-Eastern über die Grand Parade." Ein Jahr in Südafrika zeigt: Alles ist anders, ganz anders.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 27.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451338793
    Verlag: Herder, Freiburg
    Größe: 2493kBytes
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Ein Jahr in Südafrika

Oktober
"UND WANN WOLLEN SIE HEIRATEN?" Über seine altmodische Nickelbrille hinweg starrte der Mann mich an. Ich starrte zurück und musste erst mal husten. Mit allem hatte ich gerechnet. Doch nicht mit dieser Frage.
Es war mein erster Morgen in Kapstadt. Vor den Fenstern des kleinen Büros in der Long Street knallte die Sonne schon jetzt fast senkrecht auf den Asphalt. Autohupen und Möwenschreie drangen gedämpft durch die Scheiben. Wenn ich den Kopf hob, konnte ich auf der gegenüber liegenden Straßenseite eine Gruppe Touristen sehen, mit Shorts und T-Shirts bekleidet schlenderten sie zwischen den viktorianischen Häusern hindurch.
In den letzten vierzig Stunden war ich vom deutschen Spätherbst in den südafrikanischen Sommer gereist. Und auch abgesehen von diesem Klimawechsel war seit meiner Ankunft gestern Mittag so viel passiert, dass mich jetzt, im Büro meines ältlichen, dafür aber umso seriöser wirkenden Immigration Practitioners Herrn van der Merwe, eigentlich nichts mehr erschüttern sollte.
Trotzdem begann es, in meinem Bauch zu piksen. Was sollte die Frage mit dem Heiraten? Meine Unabhängigkeit war mir so heilig wie meine eigene Wohnung. Sicher, für das Jahr in Kapstadt würden Max und ich zusammenziehen, das war am praktischsten. Doch es war überhaupt nicht klar, ob es gut gehen würde. Und selbst wenn: Vor den Traualter treten würden wir deswegen noch lange nicht. Hing von der Antwort die Genehmigung meines Aufenthalts ab?
Eigentlich ist das südafrikanische Einwanderungsverfahren ja vergleichsweise simpel: Eine befristete "Permit" wird Einwanderungswilligen, besonders solchen aus Übersee, vom Department of Home Affairs meist anstandslos gewährt. Wer den dafür erforderlichen Papierkrieg an einen privaten Immigration Practitioner delegiert, kann das Prozedere sogar auf wenige Wochen verkürzen. Nach fünf Jahren kann man einen unbefristeten Aufenthalt beantragen. Fünf Jahre später Staatsbürger werden. Nicht erst seit 1994, als das Post-Apartheid-Land zum Magneten für Einwanderer aus ganz Afrika wurde, ist Südafrika eine Migranten-Nation. Schon im 14. Jahrhundert zogen zentralafrikanische Bantu-Völker hierher auf der Suche nach Weideland für ihre Rinder. Als Armutsflüchtlinge kamen dreihundert Jahre später vor allem Holländer, Flamen und Deutsche. Nicht zu vergessen das Heer der Sklaven, das von den niederländischen Kolonialherren aus Indonesien, Westafrika und Madagaskar ans Kap verschleppt wurde, sich dort mit weißen Siedlern und ockerfarbenen Ureinwohnern mischte und so vor allem die Gegend rund um Kapstadt zu einem derart wilden Völker-Ratatouille machte, dass ich mein erstes Südafrika-Klischee schon gestern am Flughafen begraben hatte: von wegen "Schwarz + Weiß". Südafrika war – bunt! Und seine farbenfrohsten Bewohner, die vor allem rund um Kapstadt lebenden Mischlinge, nannten sich passenderweise auch gleich so: Coloureds.
Herr van der Merwe, der mich jetzt so streng musterte, war allerdings ein Weißer. Und er wartete noch immer auf eine Antwort. Ich überlegte fieberhaft: Hatte ich eine Regelung übersehen? Musste man verheiratet sein, um in Südafrika als Paar zusammenwohnen zu dürfen? Das klang absurd. Andererseits: Wenn mir vor einer Woche jemand erzählt hätte, dass ich meinen ersten Tag am Kap zum großen Teil mit ölverschmierten Händen am Straßenrand kauernd verbringen würde, hätte ich das auch nicht geglaubt.
Eigentlich hatte ich meine Ankunft ja minutiös geplant. Wichtigster Punkt dabei: Ich wollte unbedingt selber vom Flughafen zu unserer Wohnung fahren. Je früher

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