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Das Rentier in der Küche Eine deutsch-sibirische Liebe von Wulf, Britta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.10.2016
  • Verlag: Solibro Verlag
eBook (ePUB)
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Das Rentier in der Küche

- DIE FORTSETZUNG ERSCHEINT AM 4.9.18 ('Und der Schamane lacht ... verliebt in Sibirien') - Während einer Reise für ein Filmprojekt in Sibirien knüpft eine Frau zarte Bande zu einem Einheimischen. So wird aus der Reisereportage der Autorin Britta Wulf allmählich eine persönliche Liebesgeschichte zu dem am Baikalsee lebenden Anatoli. Zwei sehr verschiedene Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen tasten sich langsam an eine verrückte Fernbeziehung heran, denn immerhin liegen fast 8000 Kilometern zwischen ihnen. Die Reise nach Sibirien war für Britta Wulf eine besondere Reise. Verzaubert von Land und Leuten kam sie zurück und wurde davon überrascht, dass auch sie jemanden bezaubert hatte. Der Sibirier Anatoli hatte sich in sie verliebt. Wie sich diese Beziehung weiterentwickelt hat und welche Erlebnisse sie bei zwei weiteren Reisen an den Baikalsee machte, hat sie in diesem Buch festgehalten. Denn immer wieder merkt sie, dass Freunde und Bekannte sehr interessiert an ihrer Geschichte sind. Ein Buch für Leser, die Sehnsucht nach Abenteuer und Liebe haben, und für Menschen, die sich für Russland und Sibirien interessieren. Bebildert ist das Buch neben zwei Karten mit 28 farbigen und 65 s/w-Reisefotos dieser beeindruckenden Region rund um den Baikalsee. '... eine wunderschöne, sensibel geschriebene Liebesgeschichte. Britta Wulf schafft es, den Leser einzubeziehen und sich ebenfalls zu verlieben ... zumindest gedanklich in Land und Leute. Das Buch macht mir große Lust darauf, dieses Land zu bereisen. Auch weil mein Vater dort sechs Jahre in Gefangenschaft war, aber trotzdem sehr versöhnlich über die Warmherzigkeit der Menschen dort gesprochen hat.' Ralph Morgenstern (Schauspieler, TV-Moderator & Musiker)

Britta Wulf, Jahrgang 1964, in Potsdam geboren. Studium an der Filmhochschule Potsdam. Arbeitet seitdem als freie Fernsehjournalistin und Regisseurin. Sie hat zwei erwachsene Kinder und lebt im Havelland. Von dort zieht es sie immer wieder für Filmprojekte in andere Länder. So dreht sie seit einigen Jahren Filme über Minderheiten wie die Sorben, die Lipowaner in Rumänien, die Gagausen in der Republik Moldau oder die Samen in Finnland. In Sibirien suchte ihr Filmteam Spuren der Kultur der Ewenken in der Baikalsee-Region. Das Interesse zielt bei der Filmreihe besonders auf Menschen, die Sprache und Traditionen kleiner Gruppen bewahren wollen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 04.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960790167
    Verlag: Solibro Verlag
    Serie: solibro originär Bd.4
    Größe: 13323 kBytes
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Das Rentier in der Küche

Wir lachen viel. Am meisten lacht Anatoli, als ich versuche, mit seinem Auto zu fahren. Auf gerader Strecke funktioniert das sehr gut, aber als eine Kurve kommt merke ich, dass das Auto keine Servolenkung hat und ehrlich gesagt, Bremsen scheint das Auto auch nicht zu besitzen. Ich komme fast von der Fahrbahn ab und bevor ich das wertvolle Gefährt kaputt mache, lasse ich lieber wieder Anatoli ans Steuer. Als wir eine kleine Pause machen, um Tee zu trinken, Käse, Wurst und Brot zu essen, werden wir von Milliarden von Mücken überfallen. Ich ahne, was uns auf dem Weg durch die Taiga erwartet.

Der Empfang in Uojan ist herzlich. Vollkommen entspannt, als ob ich schon immer zur Familie gehöre, werde ich von der jüngeren Schwester Galina und ihrem Mann begrüßt. Sie leben mit ihren beiden Söhnen im ehemaligen Elternhaus der Geschwister. Hier sind sie alle groß geworden. Wie viele Menschen heute noch in dem kleinen Dorf leben, weiß ich nicht. Wenn man danach fragt, erfährt man nur, dass viele weggegangen sind. Früher gab es einen großen holzverarbeitenden Betrieb, Rentierzucht, eine Schule usw. Davon ist nicht viel übriggeblieben. Die Schule hat vor sieben Jahren geschlossen, die Betriebe gibt es nicht mehr. Die wenigen Dorfbewohner sind meist arbeitslos und helfen sich gegenseitig. Die Kinder werden mit dem Schulbus zum nächst größeren Ort Nowy Uojan gefahren.

Das alte Uojan ist malerisch gelegen. Eingebettet in eine Kulisse aus hohen Bergen. Auf den höchsten von ihnen liegt der Schnee bis in den Sommer hinein. Jetzt allerdings, Mitte August, ist Hochsommer, und da ist auch der letzte Schnee geschmolzen.

Wir trinken Tee, essen Suppe und gehen weiter, andere Familienmitglieder besuchen. Noch zwei weitere Schwestern wohnen im Ort. Hier sind die Besuche nur kurz. Wir sagen nur Hallo und sind wieder weg.

Wir machen einen Abstecher ins Kulturhaus. Ich kenne den Ort durch unsere Dreharbeiten. Wir hatten uns hier mit sechs Frauen einer ewenkischen Kulturgruppe getroffen. Sie hatten für uns traditionelle Lieder gesungen. Jetzt ist Disko im Kulturhaus. Ein Kindergeburtstag, wie sich herausstellt. Kleine Mädchen in kunterbunten Ballkleidchen und schick angezogene Jungen kommen ab und zu aus dem Saal, um draußen frische Luft zu schnappen. Anatoli geht mit mir in einen Nebenraum. Er zeigt mir Seiten aus der Schulchronik des Ortes. Im vergangenen Jahr gab es ein großes Treffen der ehemaligen Schüler des Dorfes. Jede Abschlussklasse hat ein Plakat angefertigt, immer mit der Jahreszahl, den Namen und Bildern der Absolventen. Fast die ganze Familie von Anatoli ist hier vertreten. Sie sind alle hier aufgewachsen und zur Schule gegangen.

Bei Alexander taut Tolja richtig auf. Der große Bruder, das Vorbild, der Mann, der versucht, die ewenkischen Traditionen zu erhalten. Hier in Uojan hat er ein sehr schönes Haus mit Garten. Seine Frau ist nicht zu Hause, sie besucht gerade die erwachsenen Söhne in der burjatischen Hauptstadt Ulan-Ude. Die Männer haben sich viel zu erzählen. Ich gehe schlafen und genieße die Ruhe. Nur ab und zu höre ich draußen einen Hund bellen und die Männer, wie sie in der Küche erzählen und lachen. Ich fühle mich geborgen und schlafe wunderbar bis zum nächsten Morgen.

Ich soll nur so viel in meinen Rucksack packen, wie ich selbst tragen kann. Ein weiser Rat, den ich auch artig befolge. Das denke ich jedenfalls zu diesem Zeitpunkt.

Dann fahren wir nach Nowy Uojan. Auch eine Siedlung, die in den 1970er Jahren mit dem Bau der BAM entstanden ist. An der Strecke der Eisenbahntrasse gibt es einige solcher Orte. Sie sind noch da, aber das quirlige Leben, das herrschte, als aus den verschiedenen Sowjetrepubliken junge Leute und abenteuerlustige Bauarbeiter hier gelebt und gearbeitet haben, ist längst Vergangenheit. Doch in Nowy Uojan gibt es sogar zwei Hotels. Am Hotel, mit dem deutschen Namen "Kaiser", treffen wir Wayne.

Wayne ist nicht Amerikaner, sondern Australier, er sprich

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