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Die Tempel von Shikoku Meine Pilgerreise auf Japans heiligem Weg von Laval, Marie-Édith (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2016
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Die Tempel von Shikoku

Während einer Wanderung auf dem Jakobsweg erfährt Marie-Édith Laval von einem Pilgerweg auf der japanischen Insel Shikoku. 1200 Kilometer führt dieser auf den Spuren K?kais, des Gründers des Shingon-Buddhismus, um die Insel, zu 88 Tempeln. Fasziniert von diesem exotischen Ziel, beschließt Laval, sich als "henro" - japanischer Pilger - auf das Abenteuer einzulassen. Der Weg repräsentiert die vier Stufen der Entwicklung: Erwachen, Askese, Erleuchtung und Nirwana. Und mit jedem Tag des Wanderns richtet sich auch Marie-Édith Lavals persönliche Wahrnehmung zunehmend von den äußeren Begebenheiten auf ihr Inneres, auf ihren Weg zu Frieden, Glück und Dankbarkeit. Geistreich und unterhaltsam beschreibt sie ihre Erfahrungen - ein inspirierender Pilgerbericht. Marie-Édith Laval studierte Literaturwissenschaften und arbeitet heute als Sprachtherapeutin. Außerdem unterrichtet sie Kinder und Teenager in Entspannungsmethoden und Achtsamkeitsmeditation. Sie lebt in Paris, doch wann immer sie kann, kommt sie ihren beiden Leidenschaften nach: dem Reisen und dem Wandern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 01.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492975148
    Verlag: Piper
    Größe: 11316 kBytes
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Die Tempel von Shikoku

Auftakt

Los geht's!

Hut auf, den Mantel vom Haken,

Fäuste in die Taschen - und los.

Arthur Rimbaud

"Es gibt keine Zufälle, es gibt nur Begegnungen", sagte Paul Éluard. Und das Leben hat mir wirklich eine ganz wunderbare Begegnung beschert.

Im August 2012 habe ich auf dem Jakobsweg in Spanien, wenige Kilometer vor der Stadt Melide, "zufällig" einen japanischen Pilger kennengelernt. Diese Begegnung war ausschlaggebend dafür, dass ich im folgenden Sommer ganz allein, nur mit einem Rucksack bepackt, aufgebrochen bin, um auf dem 1200 Kilometer langen Shikoku-Pilgerweg zu wandern, auf den Spuren eines gewissen Kukai, von dessen Existenz ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte. Manchmal führt eine spontane Wendung in einer angeregten Unterhaltung mit einem Unbekannten von einem Pilgerweg zum nächsten, von einem Kontinent zum anderen. An jenem Tag habe ich von diesem buddhistischen Pilgerweg erfahren, der Shikoku, die kleinste der vier Hauptinseln des japanischen Archipels, umrundet. Was mein vorübergehender Wegbegleiter mir damals erzählte (ihm sei hiermit von Herzen gedankt!), weckte mein Interesse, und ich nahm mir vor, das Thema zu vertiefen, sobald ich wieder zu Hause in Paris wäre.

Nach den 1600 Kilometern zu Fuß auf dem Jakobsweg von Le Puy-en-Velay bis Kap Finisterre - das Kap in Galicien bildet traditionell die Verlängerung des Pilgerwegs bis ans "Ende der Welt" an der Atlantikküste - und der Heimreise mit dem Schiff nach Frankreich musste ich feststellen, dass das Leben nach einer Pilgerschaft keineswegs ein Spaziergang ist. Die Rückkehr von einer Reise hat für mich seit jeher einen bitteren Beigeschmack: Kaum zu Hause, träume ich schon wieder mit einer Weltkarte vor den Augen von neuen Ländern und berausche mich an Erzählungen aus der Ferne und dem Zauber fremdländischer Namen.

Während ich nach meiner Wanderung auf dem Jakobsweg gegen die Trägheit steifer Glieder und die Routine des Alltags ankämpfte, der im krassen Gegensatz stand zu den erfüllten und genussvoll erlebten Augenblicken beim Pilgern, stieg der Ruf des fernen Shikoku mit vehementer Kraft in mir auf. Eine ebenso unwiderstehliche wie irrationale Faszination brach sich aus der Tiefe meiner Seele Bahn wie ein innerer Befehl. Ich saß vor meinem Computerbildschirm und wusste plötzlich: Nächsten Sommer werde ich nach Shikoku reisen!

Das Startzeichen zu einer neuen Pilgerreise war also gegeben, ein fantastisches Abenteuer im Land der aufgehenden Sonne erwartete mich. Und so kam es, dass ich am 30.Juni 2013 zu diesem Abenteuer aufbrach, mit einer "inneren Empfänglichkeit", wie Pierre Rabhi die "Bereitschaft, Gaben und Schönheiten des Lebens mit Demut, Dankbarkeit und Freude anzunehmen", so treffend bezeichnet hat - gleich einem auf die Fahne meines Herzens geschriebenen Motto, einem Mantra tief in meinem Innersten. Obwohl meine Pilgerfahrt nach Shikoku keine Sinnsuche war im Stil der Ritter der Tafelrunde auf der Suche nach dem Heiligen Gral, hat sich dennoch im Laufe meiner Wanderung ganz von selbst ein Sinn ergeben.

Seit vielen Jahren schon war ich fasziniert von den großen Abenteurern der Vergangenheit und Gegenwart, verschlang ihre Berichte mit Heißhunger und spürte in der lebhaften Auseinandersetzung mit ihren Erfahrungen eine eindringliche und anhaltende Versuchung, mein eigenes Leben in eine unaufhörliche Reise zu verwandeln.

Auf meinen Bücherregalen stehen die Werke der bedeutendsten Weltreisenden und Schriftsteller: Alexandra David-Néel, Nicolas Bouvier, Victor Segalen, Romain Gary, Bruce Chatwin, Bernard Ollivier, Sylvain Tesson und viele mehr. Ihre Schicksale sind der Stoff, aus dem meine Träume sind ...

Diese großen Vorbilder flüstern mir zu, dass es möglich ist, den Alltag vor Sinnlosigkeit und einem Gefühl der Unvollständigkeit zu retten, einer Existenz zu entfliehen, die ins Stocken geraten ist, sich nach Erfüllung sehnt, dass man dem Überdruss ent

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