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Mongolei Zu Pferd durch das Land der Winde von Rohrbach, Carmen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook
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Mongolei

Mongolei - allein dem Namen wohnt ein Zauber inne, dem sich auch Carmen Rohrbach nicht entziehen kann. Über eine Familie in Ulan-Bator bekommt sie den lang ersehnten Kontakt zu Nomaden, die sie hinaus in die unermessliche Weite des Landes führen. An ihrer Seite lernt Carmen Rohrbach das Leben in der Jurte sowie die Sorgen und Freuden ihrer Gastgeber kennen. Schamanen darf sie bei Ritualen, Adlerjäger bei der Arbeit beobachten, und gemeinsam mit den Nomaden fiebert sie dem wichtigsten Fest des Jahres entgegen, dem Naadam. Hingerissen von der grandiosen Natur der mongolischen Gebirgswelt bezwingt sie als erste Frau den heiligen Berg Burchan Chaldun, während die Gobi sie verführt, nach den letzten wild lebenden Eseln der Erde zu suchen. Zu Fuß und auf dem Rücken von Pferden und Kamelen, allein und in Begleitung durchstreift sie die schier endlose Weite der mongolischen Landschaft. Auf ihren oft waghalsigen Touren erlebte sie einzigartige Naturschauspiele und suchte die Nähe derer, die das wahre Wesen eines Landes ausmachen: seiner Menschen. Ein Buch von berückender Intensität!

Carmen Rohrbach, geboren in Bischofswerda, ist Entdeckerin aus Leidenschaft. Sie studierte Biologie in Greifswald und Leipzig und schloss mit der Promotion in München ab. Ihre Reisen führten sie nach Südamerika, Afrika, Asien und Arabien, auf dem Jakobsweg durch Frankreich und Spanien und entlang der Isar durch Bayern und Österreich, stets auf der Suche nach intensiven Begegnungen und Naturerlebnissen. Heute ist sie die beliebteste Reiseschriftstellerin Deutschlands, dreht Dokumentarfilme, schreibt für Zeitschriften und hält Vorträge über ihre Reisen. Mit ihren persönlich geschriebenen Reiseberichten hat sie sich inzwischen eine große Fangemeinde erworben. Bei MALIK und MALIK NATIONAL GEOGRAPHIC erschienen mehr als zehn Bücher von Carmen Rohrbach, darunter der Spiegel-Bestseller 'Unterwegs sein ist mein Leben'.

Produktinformationen

    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 12.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492997898
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 20677 kBytes
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Mongolei

Prolog - Wie alles begann

»Tschi jadarsan uu?«, fragt Mandach.

»Bi jadraagui.« Nein, ich bin nicht müde, antworte ich, obwohl ich schon sehr gern vom Pferd gestiegen und eine Pause gemacht hätte. Inzwischen sind wir drei Stunden geritten, und meine Knie beginnen zu schmerzen. Warum ist das Reiten so anstrengend? Ich sitze doch gemütlich im Sattel, und das Pferd macht die ganze Arbeit. Vorsichtig rutsche ich mit dem rechten Fuß aus dem Steigbügel und versuche, das Bein zu strecken. Es tut höllisch weh, die verkrampften Muskeln dehnen sich nur langsam. Endlich hängt mein Bein gerade und locker herab. Wenn nun aber das Pferd in Panik davonpreschte, würde ich den Fuß nicht schnell genug zurück in den Steigbügel bringen, also winkle ich mein Bein wieder an. Doch nicht nur die Knie, auch Rücken, Hals, Bauch, Oberschenkel und selbst die Knochen senden Schmerzsignale in mein Gehirn.

Mandach, mein mongolischer Begleiter, weiß natürlich um meinen Zustand. Immer wieder fragt er fürsorglich, ob ich müde sei. Ich verneine jedes Mal. Es geht dir so schlecht, weil du Angst hast, werfe ich mir vor. Du hast nicht nur Angst zu stürzen und dir den Hals zu brechen, du fürchtest dich grundsätzlich: Hast Angst, die Sprache nicht gut genug zu beherrschen, Angst vor den halbwilden Pferden, den fremden Menschen, der extremen Natur, Angst, dir zu viel vorgenommen zu haben, Angst vor dem Unbekannten, Angst vor diesem riesigen, schier grenzenlosen Land Mongolei.

Nein, das stimmt nicht, widerspreche ich mir selbst. Ich bin kein ängstlicher Mensch, ich habe schon andere gefährliche Abenteuer gewagt und bestanden. Warum sollte ich diesmal Angst haben?

Du fürchtest dich, weil du in der Mongolei bist. Dieses Land bedeutet dir mehr als alle anderen. Du hast Angst zu versagen. Angst vor der Enttäuschung, aber auch vor dem Erfolg. Denn was ist, wenn sich alle deine Wünsche erfüllen? Wie verkraftest du die Leere, die dann folgt?

Ach was, ich mache einfach das, was ich mir vorgenommen habe: Ich sitze auf diesem Pferd und reite durch die Steppe!

Genau - weil du deine Angst nicht ernst genommen und sie verdrängt hast, ist sie dir zur Strafe in die Knochen gekrochen und wird dich quälen, bis du gestehst, dass du Angst hast.

Na gut, dann ist es eben so - dennoch gebe ich nicht auf!

»Tschi jadarsan uu?« Wieder erkundigt sich Mandach, ob ich müde sei. Warum fragt er mich das? Er sieht doch, dass ich mich kaum mehr oben halten kann. Wie viele Stunden reiten wir eigentlich schon? Nein, ich werde erst vom Pferd steigen, wenn Mandach auch müde ist und mich auffordert abzusatteln. Irgendwann muss dieses Reiten ja ein Ende haben, so lange halte ich durch, irgendwie. Mandach hatte mich gewarnt, dass wir heute, an unserem zweiten Tag im Gobi-Altai, eine besonders weite Strecke zurücklegen müssten.

Meine Rettung sind Fliegen, Tiere, die ich neben Mücken und Bremsen, Wanzen und Flöhen am wenigsten mag. Der Morgen war noch kühl gewesen. Fünf Grad hatte mein Thermometer angezeigt, als ich aus dem Zelt herausgekommen war. Die Sonne stieg höher, schickte sengende Strahlen auf die ausgedörrte Erde und erwärmte die Luft auf 35 Grad, gemessen im Schatten meines eigenen Körpers. Jetzt am Nachmittag lastet eine stickige Schwüle über dem Land, und da sind sie - die Fliegen. In dunklen Wolken umschwärmen sie die Köpfe der Pferde, lecken die Augenflüssigkeit, kriechen in die empfindlichen Nüstern. Die gepiesackten Tiere versuchen, die Quälgeister abzustreifen, reiben ihr Maul zwischen den Vorderbeinen, ziehen es durch den sandigen Boden und schlagen fortwährend mit dem Kopf auf und nieder. Im Sattel werde ich durch die heftigen Stöße vor- und zurückgeworfen. Endlich habe ich einen Grund abzusteigen.

»Ene jalaa muuchaj baina.« Ich bin stolz, dass mir der mongolische Begriff jalaa für Fliege eingefallen ist. »Jetzt gehe ich lieber zu Fuß«,

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