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Mut für zwei Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt von Malchow, Julia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.05.2013
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Mut für zwei

15 000 Kilometer allein mit Baby von München durch Sibirien und die Mongolei bis nach Peking auf der Suche nach einem individuellen zeitgemäßen Verständnis des Mutterseins - auf diese Reise begibt sich Julia Malchow mit ihrem 9 Monate alten Sohn Levi. Denn: Reisen ist für sie mehr als Unterwegssein: der Schlüssel zu neuen Ideen und zum Einssein mit sich selbst. Und genau danach sucht sie nach der Geburt von Levi, der erst mal alles in Julia Leben auf den Kopf stellt. Aber funktioniert Reisen in abgelegene Winkel der Welt auch mit Kind? Ein großes Abenteuer, das mit gängigen Familienvorstellungen aufräumt und den Kopf frei macht für die Welt - und für zu Hause.

Julia Malchow ist die Gründerin von mavia soul travel, einem Abenteuerreise-Veranstalter für anspruchsvolle Individualisten. Seit 2009 ist sie zudem geschäftsführende Gesellschafterin von Geobuch, der renommierten Spezialbuchhandlung für Reise und Geografie in München. Um besondere Reiseerlebnisse für ihre Kunden aufzuspüren, reist Julia Malchow regelmäßig in die abenteuerlichsten Winkel der Welt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 14.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492962087
    Verlag: Piper
    Größe: 17735 kBytes
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Mut für zwei

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VON SANKT PETERSBURG DURCH SIBIRIEN NACH IRKUTSK: ÜBER MENSCHEN AUF DER SUCHE NACH IHREN TRÄUMEN

Guten Morgen, Ural: Die längste Eisenbahnstrecke der Welt

Ich wache auf, und da ist dieser ohrenbetäubende Lärm. Mein gesamter Körper vibriert. Rhythmisch. Meine Knie sind angewinkelt, und meine Füße stoßen trotzdem an eine beige Plastikwand am Ende meiner Matratze. Meine rechte Hand drückt oberhalb meines Kopfes gegen eine zweite beige Plastikwand. Ein gelber Bibo-Schnuller drückt gegen meine Stirn, und meine Nase registriert einen milchigen Luftzug.

Die erste Nacht in der Transsibirischen Eisenbahn ist vorbei.

Die letzten Stunden habe ich mit Levi auf 55 Zentimeter Breite und 180 Zentimeter Länge verbracht. Wir haben zwar ein vier Quadratmeter großes Zweite-Klasse-Abteil für uns allein - und somit vier optionale Schlafstätten, zwei Bänke unten, zwei ausklappbare Pritschen darüber. Alle jedoch ohne Runterfallschutz. Meine Rolle für die kommenden fünf Nächte ist definiert: Ich bin das Gitter zum fehlenden Babybett.

Ich hebe meinen Kopf, um aus dem Fenster zu schauen, schlage mit selbigem gegen die Kante des Tischchens, das unterhalb des Fensters zwischen den zwei unteren Bänken angebracht ist, zucke vor Schmerz unkontrolliert zusammen, drehe dabei meine linke Hüfte entscheidende Zentimeter zu weit nach links, strample mit den Füßen gegen die Schwerkraft und spüre, wie das rhythmische Rattern meinem Körper den entscheidenden Schubs in die falsche Richtung gibt: Mit einem Plumps lande ich auf dem im persischen Stil ausgelegten Boden: Guten Morgen, Ural!

Der blau-golden gemusterte kleine Vorleger, auf dem ich sitze, erinnert mich an meine romantischen Vorstellungen von Transsibirischer Eisenbahn und an unsere Mission. Die Zeitschrift La France hatte 1901 zur Fertigstellung der 9288 Kilometer langen transsibirischen Eisenbahnroute gejubelt, dass die Geschichte neben der Entdeckung Amerikas und dem Bau des Sueskanals kein weiteres Ereignis kenne, das so große direkte und indirekte Konsequenzen auf die Welt haben würde. Im 21. Jahrhundert hoffe vermutlich nur ich auf erste Impulse für ein neues Leben.

Ich reibe mir die Knie. Laut Mobiltelefon ist es fünf Uhr morgens.

Vor sechzehn Stunden waren wir nach einer Woche in Sankt Petersburg im mit großen Rundbögen und schnörkeligem Stahl verzierten Moskauer Bahnhof in den Zug Nummer_10 eingestiegen, der uns in fünf Tagen und vier Nächten nach Irkutsk bringen würde - wenn nichts dazwischenkam. Der Taxifahrer hatte in dem Meer aus kyrillischen Schriftzeichen Bahnsteig, Zug und Waggon für uns gefunden sowie der blonden jungen Frau vor dem Waggon mit einer Liste in der Hand, auf der auch ich unsere beiden Namen ausmachen konnte - was nicht schwer war, da es die einzigen mit lateinischen Buchstaben geschriebenen Namen waren -, zu verstehen gegeben, dass wir zwar nur zwei Personen, genau genommen anderthalb waren, aber dennoch vier Betten reserviert hätten. Nach einigem Hin und Her, das ich zwar nicht verstanden, aber mit meinem schönsten und zuversichtlichsten Lächeln begleitet hatte, durfte ich mit Levi, im Maxi-Cosi an meinem rechten Arm baumelnd, die zwei hohen eisernen Stufen erklimmen und stand zum ersten Mal in der Transsibirischen Eisenbahn. Eingerahmt von Markus, mit unserer Reisetasche im Arm, und vom Taxifahrer, mit Kinderwagen und Seesack in seinen Händen und Schweiß auf der Stirn.

Entgegen allen Ankündigungen in Transsibreiseführern, dass nicht mitreisenden Begleitpersonen der Zutritt zum Zug strengstens verboten sei, durften sowohl Markus, der uns nach sechs Mutter-Sohn-Tagen in Sankt Petersburg für zwei Tage besucht hatte, als auch der Taxifahrer mit Levi und mir einsteigen. Auch wurde das Gepäck - entgegen der Expertenmeinung - nicht gewogen und war somit nicht auf 36

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