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Reportage Shanghai Acht Frauen suchen das Glück von Reiss, Kristina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.03.2012
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
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Reportage Shanghai

Die chinesische Millionenmetropole Shanghai steht für fulminantes Wirtschaftswachstum und permanente Veränderung. Doch wie sehen die Lebenswirklichkeiten der Bewohner aus? Die Journalistin Kristina Reiss blickt hinter die Hightech-Fassaden und lässt acht Frauen zu Wort kommen, die von ihrem Leben erzählen: darunter eine erfolgreiche Geschäftsfrau, eine Wanderarbeiterin, die ihr Kind nur dreimal im Jahr sieht, eine Lehrerin, die ihren christlichen Glauben nicht leben darf, oder eine Mutter, die den perfekten Schwiegersohn sucht. Kurz: acht Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie leben zwischen Tradition und Moderne, im Zeitraffer einer Stadt, die sich in den letzten Jahren völlig neu erfunden hat und sich weiter in atemberaubendem Tempo verändert - Veränderungen, die die Metropole auch den Bewohnern abverlangt.Ergänzt um eigene Recherchen, webt Kristina Reiss ein dichtes Porträt der pulsierenden Metropole, in dem die politischen Einschränkungen genauso erlebbar werden wie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Und in dem auch die Situation der Frauen illustriert wird - deren landesweiter Anteil an der Bevölkerung aufgrund gezielter Abtreibungen ständig sinkt.

Kristina Reiss, Jahrgang 1975, Studium in Deutschland, Journalistenschule (MAZ) in der Schweiz, arbeitete als Redakteurin beim Zürcher 'Tages-Anzeiger', bevor sie für mehr als drei Jahre nach Shanghai zog. Dort verfolgte sie als Korrespondentin für Schweizer und deutsche Medien die Umbrüche in der Millionenmetropole. Heute lebt sie am Bodensee, hält interkulturelle China-Trainings und ist als freie Journalistin und Autorin tätig. Im Picus Verlag erschien ihre Reportage Shanghai.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 05.03.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711750969
    Verlag: Picus
    Größe: 507 kBytes
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Reportage Shanghai

"Das Problem ist: Wir sind so viele"

Tang Xiaolin, junge Frau unter elterlichem Erwartungsdruck

Freitagabend in einer Shanghaier Filiale der amerikanischen Restaurantkette "Pizza Hut". Vor dem Lokal hat sich eine lange Schlange gebildet; wer nicht reserviert hat, wird an diesem Abend nur schwer einen Tisch ergattern. Was im Westen als bessere Version eines Fastfood-Tempels gilt, ist in Shanghai fast so etwas wie ein In-Lokal. Das Restaurant ist voll besetzt mit jungen, gut verdienenden Chinesen, die sich das vergleichsweise teure Essen dort leisten können. Auf der Speisekarte findet sich das übliche Angebot an Pizzavariationen; ergänzt durch ein paar chinesische Anleihen – Hühnerfüße auf Pizzateig zum Beispiel.

Xiaolin kommt gerne in das Restaurant – "weil es so schön modern ist", sagt sie. Die achtundzwanzigjährige Marketingspezialistin arbeitet in einem internationalen Unternehmen und verdient rund achthundert Euro im Monat. Das ist oberes Mittelfeld, wie es nur in den großen chinesischen Metropolen gezahlt wird. Und mehr als dreimal so viel wie ihr Vater einst in der Lohntüte hatte. Einmal hat sie ihre Eltern in den "Pizza Hut" ausgeführt. Doch die mochten das Essen dort nicht. "Es ist wohl zu modern für sie", meint Xiaolin.

In Xiaolins Kindheit gab es in Shanghai noch keinen "Pizza Hut", keinen "Starbucks", kein " H&M " und kein "Prada". Die Menschen trugen graublaue Einheitskluft, es gab noch keine Wolkenkratzer, kaum Autos, keine überdimensionierten Bildschirme an den Hausfassaden, auf denen pausenlos Werbefilme flimmern. Und im Stadtteil Pudong, wo heute die modernste Skyline der Welt in den Himmel ragt, wuchs nichts als Reis.

Umso mehr hat alles Westliche, alles vermeintlich Moderne auf Xiaolin und ihre Altersgenossinnen heute eine ungeheure Anziehungskraft. Ist die junge Frau zum Beispiel erkältet, bedient sie sich nicht etwa an den Kräutern der Traditionellen Chinesischen Medizin ( TCM ), die sie "völlig veraltet" und "dubios" findet. Stattdessen schluckt sie lieber schnell ein Antibiotikum – denn dies, so Xiaolin, entspreche der neuesten Forschung. Dass sich die TCM hingegen im Westen seit ein paar Jahren großer Beliebtheit erfreut, findet sie lustig und kann es fast nicht glauben.

In ihrer Freizeit geht Xiaolin gerne shoppen. Bis vor einiger Zeit war sie dazu am liebsten in den sechs Stockwerken des viertausend Quadratmeter umfassenden Barbie-Hauses unterwegs, von dem in Shanghai das weltweit bisher Einzige seiner Art steht – beziehungsweise stand. Denn der ganz in Rosa gehaltene Konsumtempel, dessen offenes Treppenhaus Tausende Plastikpuppen in pinkfarbenen Kleidern zierten, schloss nach nur zwei Jahren schon wieder seine Tore. Dabei war das Konzept des amerikanischen Spielzeugkonzerns Mattel, des Inhabers der Marke Barbie, zunächst gar nicht schlecht: Die Hauptzielgruppe des Shanghaier Hauses waren nicht etwa kleine Mädchen, sondern zwanzig- bis dreißigjährige Frauen, die dort grellbunte T-Shirts kauften mit Aufdrucken wie "I'm a doll", "I'm an Icon" oder "I'm hot". Denn mit Barbie assoziieren junge Chinesinnen nicht etwa Spielzeug, sondern schicke Klamotten. Feministische Kritik an der amerikanischen Plastikpuppe ist ihnen unbekannt. Dass im Laden auch Spielzeugpuppen angeboten wurden, tat der Beliebtheit der Mode keinen Abbruch. Schließlich steht die Zielgruppe auf alles Verspielte – wie nur zu gut auch an "Hello Kitty" zu sehen ist, jenem aus Japan stammenden Comic-Kätzchen, das in China nicht nur kleine Mädchen lieben, sondern vor allem auch junge Frauen. V

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