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Ein Jahr im Tessin von Bargmann, Antje (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2017
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Ein Jahr im Tessin

'Bellinzona. Ich blicke wieder aus dem Zugfenster. Es ist ein Bild der Idylle da draußen, Steinhäuschen sind zu sehen, Pferde, Kühe, immer wieder kleine Dörfchen mit historischen Häuserfassaden, dazwischen Hotels mit der leicht verwitterterten Aufschrift ?Albergo?. Eine Bilderbuch-Szenerie, eingefasst in einen Rahmen aus imposanten Felswänden, der rechts und links das Tal einfasst.' Antje Bargmann macht sich auf ins Tessin und lernt dort das Leben als Kellnerin kennen, erfährt alles zum neuen Tessiner Alpkäse-Logo, wundert sich über den Weihnachtsmarkt in Locarno und verliebt sich unsterblich in diese Landschaft. Antje Bargmann, geb. 1974 in Hannover, plante nach ihrem Studium der Geschichte und Deutschen Literaturwissenschaft (in Hannover), für ein halbes Jahr in einer Pizzeria in Italien zu jobben. Seitdem lebt sie am Lago Maggiore. In den vergangenen Jahren arbeitete sie im Tessin als Journalistin unter anderem für die 'Tessiner Zeitung' und die 'Schweizerische Depeschenagentur'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 13.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451812033
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3875 kBytes
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Ein Jahr im Tessin

Juni

"SAGEN SIE MAL, können Sie uns nicht für heute Abend diesen hübschen Tisch direkt vor dem Brunnen reservieren?""Wie bitte?" Ich lege das Shampoo zurück ins Regal und schaue hoch. Ein Mann und eine Frau lächeln mich freundlich an. "Der Platz in dem kleinen Innenhof. Ist der noch frei?" Warten Sie, denke ich mir im Stillen. Ich schaue nur mal schnell im großen Buch der Tischreservierungen nach. Das habe ich ja zum Einkaufen immer dabei, vor allem, wenn ich nach Locarno fahre. "So ab halb acht wäre gut, oder Irmi?" Der Mann schaut seine Frau an. Die nickt. "Okay", sage ich. "Sehr nett. Bis nachher!" Beide winken zum Abschied. Um noch weiter nach einem Duschshampoo zu suchen, das über das überschaubare Sortiment des kleinen Minimarkts in Cannero hinausgeht, ist es nun zu spät. Ich bin mit Urs verabredet, der mir heute, am letzten Tag unseres Italienischkurses, Locarno zeigen will. Unter den Arkaden der Piazza Grande, wo ich bis eben die Geschäfte angeschaut und vorher eine Pizza gegessen habe, laufe ich zur Hauptpost, dem Treffpunkt.

"Urs kommt nicht", sagt plötzlich jemand neben mir. Ich schaue mich verdutzt um. Daniel aus dem Parallelsprachkurs und Freund von Urs steht dort. Er war fast immer beim Kaffeetrinken mit dabei. Direkt gesprochen habe ich mit ihm aber noch nie. Daniel ist schön. Fast etwas zu schön mit seinen in die Stirn wehenden blonden Haaren, der schwarzen Lederjacke und der Designerjeans. Und vor allem ist er cool. So cool, dass er, während er mit mir spricht, mich nicht anschaut, sondern auf sein Handy starrt. "Wieso?", frage ich. "Was ist mit ihm?""Er sitzt schon im Zug nach Hause. Er rief mich eben an und meinte, es sei niemand am Treffpunkt gewesen. Um fünf vor zwei sei er dann gegangen.""Ach so?", erwidere ich überrascht. "Aber ich war erst um 14 Uhr hier mit ihm verabredet.""Ja, ja, ich weiß, ich auch. Aber Urs ist der Überzeugung, dass jeder mindestens fünf Minuten vor der verabredeten Zeit auftaucht - und ansonsten gar nicht kommt.""Ist aber schon etwas eigen, oder?", frage ich. "Ist das irgendwie typisch Schweizer Pünktlichkeit?" Daniel schaut mich zum ersten Mal direkt an, kurz und ausdruckslos. "Nein", sagt er. "Solche Pauschalisierungen kann man nicht machen.""Okay, nein, ich wollte auch nicht ...""Urs ist halt ein richtiger Berner Sturkopf !", seufzt er dann. "Ich zeige dir jetzt die Altstadt, damit du nicht vergeblich gewartet hast."

Eine Weile laufen wir schweigend über das Kopfsteinpflaster der Piazza Grande. "Und, was machst du so?", frage ich dann, um das Gespräch wieder in Gang zu bringen. "Warum hast du den Kurs hier gemacht?""Für die Arbeit. Ich bin Journalist!""Ach, echt? Toll. Was genau machst du denn?""Na ja, man könnte sagen, ich bin Tessin-Korrespondent." Ich bin schwer beeindruckt. "Ach, Korrespondent? Fürs Ausland?""Nein, für die Deutschschweiz. Damit die erfahren, was so im Tessin passiert.""Für Zeitungen?""Meistens ja, je nach Auftrag. Obwohl natürlich auch Radio und Fernsehen an Meldungen aus dem Tessin interessiert sind.""Das ist ja toll. Klingt echt spannend. Mich interessiert das sehr, weil ich ja im Prinzip auch Journalistin bin. Ich habe schon mehrere Praktika gemacht in Deutschland.""So", sagt er erstaunt und schaut mich zum ersten Mal direkt an. "Wo, sagtest du noch, arbeitest du jetzt?""Im Restaurant Gatto Rosso in Cannero, aber ...""Verstehe!"

Eine halbe Stunde später ist unsere Besichtigungsrunde durch die Altstadt bereits beendet. "Wie, das war's schon?", frage ich etwas irritiert. Daniel nickt. "Wir haben alles gesehen! Ich gehe jetzt zum Bahnhof." Damit verabschiedet er sich. Vor dem Castello Visconteo am großen Autokreisel bleibe ich zurück und blicke mich um. Was mache ich jetzt? Bis zur Abfahrt meines Busses nach Italien ist noch viel Zeit. Wir sind oberhalb der Piazza Grande eine lange hübsche Gasse mit kleinen Boutiquen entlanggelaufen. Zwei Kirchen lagen auf dem Weg, die wir besichtigt ha

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