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Ein Jahr in Australien Auswandern auf Zeit von Jungehülsing, Julica (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.05.2017
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Ein Jahr in Australien

Julica Jungehülsing lebt in dem Land, in dem die Wüste rot ist und die Strände weiß, wo Fahrgäste dem Busfahrer beim Aussteigen danken und die Kinder vor dem Radfahren Surfen lernen: In diesem Buch erzählt sie von ihrem Alltag in Sidney, Abenteuern im Outback, dem Strand vor der Tür und von den unkompliziertesten Menschen der Welt, den 'Aussis'. Julica Jungehülsing volontierte bei den Westfälischen Nachrichten und studierte Slavistik in Hamburg. Seit 2001 lebt sie in Sydney und schreibt für Geo, Merian, Stern und Brigitte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 12.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451811494
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3965 kBytes
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Ein Jahr in Australien

Februar

W AS GENAU machte ich eigentlich hier? Dies war keine Wohnung, dies war ein Loch. Ein Kakerlakenwanderweg. Ein Verschlag mit rostigen Gittern vor zwei zu kleinen Fenstern. Durch die sah man eine lange Reihe Mülltonnen, und man konnte sie riechen. Würde ich mich mit dem Rücken auf den speckigen Teppichboden legen und den Kopf an die schimmelige Wand schieben, könnte ich dort oben zwischen den beiden Hauswänden ein Stück Himmel erkennen. Aber das sparte ich mir. Ich musste hier raus, und zwar hurtig. "Luftig, sonnig, groß, natürlich mit Balkon und wahrscheinlich mit Meerblick" stand auf der Prioritätenliste für meine zukünftige Behausung; ich zog schließlich nicht irgendwohin, sondern nach Bondi Beach, Sydney. Nach Australien, auf den einsamsten Kontinent der Welt, mit zwei Menschen pro Quadratkilometer, und nicht 220 wie in Deutschland. Viel rote Erde, Staub und Regenwald, umgeben von Felsen, Sand und leuchtend blauem Meer. Indischer Ozean auf der einen, Südpazifik auf der anderen Seite, und an dessen Ufer eine der schönsten Städte der Welt. In der musste es doch irgendwo zwei charmante Zimmer für mich geben. Sicher, 342 Sonnentage im Jahr waren ein Problem: ständig diese ultravioletten Strahlen, böse Faltenwerfer, und die Haare blichen sie garantiert auch aus. Aber das war doch kein Grund, sich in einem muffigen Verschlag wie dem hier zu verbarrikadieren.

Kein Wunder, dass die junge Frau im kleinen Schwarzen sich für dieses Kabuff nicht selbst herbemüht hatte. Ramona Real Estate! Sandrina, Tamsin, Monique - Makler hießen in Sydney nicht nur, als wollten sie unbedingt für eine schlechte Vorabendserie gebucht werden. Sie liefen auch herum, als müssten sie später noch zur Oscar-Verleihung. Für ihren Namen konnte Ramona vermutlich nichts und Kleidung ist Geschmackssache, aber wir zwei hatten eindeutig ein Verständigungsproblem: "Hell, groß und mit Holzfußboden", so hatte die High-Heel-Prinzessin diese düstere Behausung mit Mülleimeranschluss und verfilztem Teppich beschrieben. Dann hatte sie mit azurblau lackierten Fingernägeln den Schlüssel von einem der hundert Haken in ihrem Büro gezupft und mir noch ein "You'll love it!" nachgeflötet.

Nein, Ramona-Schatz, I love it überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich schlug die Tür zu, steckte den Schlüssel ein und schüttelte mich. Mein Kopf dröhnte, mir fehlte frische Luft und ein Kaffee. Genau, mehr Kaffee. Der vierten Wohnungsfolter an diesem sonnigen Freitag zum Trotz musste ich grinsen. "Weil es in Sydney den besten Macchiato der Welt gibt", war in den letzten Monaten in Hamburg meine Standardantwort gewesen, wenn nicht so nahe Bekannte fragten, warum ich eigentlich ans Ende der Welt ziehen wolle. Die Antwort stimmte natürlich: Der Kaffee in Sydney war großartig. Besser jedenfalls als irgendwo zwischen Elbe und Isar, und ich behaupte: auch besser als an der Adria. Allerdings war das vermutlich nur einer der Gründe dafür, warum ich mir bei 32 Grad in Bondi Beach die Füße nach einer erträglichen Behausung wund lief. Warum ich nicht einmal mehr ein Fahrrad hatte, und trotzdem bald die wichtigsten Straßennamen im Schlaf hersagen konnte. Warum ich mich dabei ertappte, wie ich mit Neid jeden Passanten fixierte, in dessen Tasche vermutlich die Schlüssel zu einem Traumapartment mit gitterlosen Fenstern und Meerblick klimperten.

Weitere Gründe waren Wasser, Himmel und Horizont. Das Meer allen voran: jene surfbaren, süchtig machenden Bewegungen, genannt Wellen. Die Farben des Ozeans im minütlich wechselnden Licht, das Gefühl von Sand, Salz und Wind auf der Haut. Die Idee, morgens vor der Arbeit surfen zu können. Dann war da der Himmel, der über Australien eindeutig größer wirkte. Und der Horizont, der auf der Südhalbkugel, auch davon war ich überzeugt, einen weiteren Bogen umspannte als überall sonst auf der Welt. Und daneben gab es noch eine Reihe weiterer Gründe, die unter anderem mit Neugierde, Herzklopfen, de

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