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Ein Jahr in Singapur Auswandern auf Zeit von Kaulich-Stollfuß, Nicola (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.05.2017
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Ein Jahr in Singapur

Auswandern auf Zeit nach Singapur, kann das gutgehen? - Hinreißend komisch erzählt Nicola Kaulich-Stollfuß von der Wohnungssuche zwischen Hochhausbaustellen und der Kontrolle malariaverseuchter Blumentöpfe, von Fußmassagen in einem Tempel, Vogelgesangswettbewerben und von Begegnungen mit Krokodilen in Stadtrandsümpfen. - Kein Hindernis, in dieser faszinierenden Multikulti-Gesellschaft anzukommen. Nicola Kaulich-Stollfuß, geboren 1969, studierte an der Freien Universität Berlin, verbrachte mehrere Auslandssemester in Spanien und begann 1998 die Lehrtätigkeit an einer Grundschule in Berlin-Moabit. Im Februar 2010 zog sie nach Singapur.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 12.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451811531
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3962 kBytes
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Ein Jahr in Singapur

Februar

Asia light

In meinem Fall wiegt der Koffer dreißig Kilo und fügt mir beinahe einen Bandscheibenvorfall zu, während ich ihn an einem kalten Morgen im Februar die vier Treppen unseres Berliner Altbaus hinunterwuchte. Von der Wohnung hier können wir uns nicht trennen. Schließlich sind wir erst vor einem Jahr eingezogen und haben sie uns so richtig gemütlich gemacht. Trotz der frühen Morgenstunde und der fiesen winterlichen Minusgrade ist eine treue Eskorte von Freunden und Kollegen zum Flughafen gekommen, um mich zu verabschieden. Das rechne ich ihnen hoch an, und auf meinem Flug nach Frankfurt schniefe ich beim Frühstückskaffee ein wenig vor mich hin. Dort angekommen habe ich keine Zeit mehr zum Heulen, schließlich muss ich den Flieger nach Singapur kriegen ...

Es schließen sich zwölf Stunden in atmosphärischen Höhen über verschiedenen Kontinenten an. Dann landet mein Flugzeug im Morgengrauen endlich auf dem Changi Airport im Osten Singapurs. Ich entfalte nach dem langen Flug selig meine Beine und setze den ersten Fuß auf asiatische Erde. Von nun an gelte ich in Singapur als "Expat" (Expatriate = Auswanderer) und bei den Asiaten als "Langnase".

Genau genommen ist dies bereits mein zweiter Besuch auf dem Changi Airport. Vier Monate vorher bin ich zusammen mit Burkhard das erste Mal für zwei Wochen in unser zukünftiges Gastland gereist. Wir wollten testen, wie sich Singapur "anfühlt", und vor allem hatten wir die Aufgabe, uns dort eine Wohnung zu suchen.

Was die Wohnungssuche anging, griff Burkhards neue Schweizer Firma diesbezüglich hilfreich ein und stellte uns eine Wohnungsmaklerin zur Verfügung. Unsere soll eine Chinesin namens Patricia sein. So klingelt, kaum, dass wir damals in Singapur im Hotel angekommen waren, gleich das Telefon. "This is Patricia, darling!", meldet sich unsere Maklerin mit einer sehr eigenen, langgezogenen Intonation. Dabei zieht sie das Wort "darling" so gekonnt mit ihrem eigenen Namen zusammen, dass es sich eher anhört wie "Patriciadarläääng". Burkhard verkneift sich ein Lachen und verabredet sich mit Patriciadarläääng für 10.00 Uhr in der Hotellobby.

Sechzig Minuten später begrüßt uns eine kleine, schmale Chinesin, die gern und viel mit weit aufgerissenem Mund lacht und immer unter Zeitdruck zu stehen scheint. Auch jetzt fackelt sie nicht lange und verfrachtet uns kurzerhand in ein gemietetes Taxi. Dort bekommen wir von ihr einen Stapel Karteikarten mit diversen Adressen und Quadratmeterzahlen in die Hand gedrückt. Gleichzeitig unterweist uns Patriciadarläääng, dass wir am Zielort auf einen Gegenagenten stoßen werden, der uns die Wohnung selbstverständlich schönreden wird, egal, wie sie aussieht. Auch wenn wir noch so sehr Gefallen an dem Apartment finden sollten, rät sie uns dringend, ein Pokerface aufzusetzen, um den Preis nicht in gigantische Höhen zu treiben. Das Verhandeln sollen wir ihr überlassen. Wir versprechen, unser Bestes zu geben, und los geht's.

Die erste Wohnung liegt im 19. Stock eines modernen Hochhauses. Patriciadarläääng scheint nicht gewusst zu haben, dass dieses direkt an einem Verkehrsknotenpunkt liegt, registriere ich verwundert. So erhebt sich der Wohnblock inmitten tosenden Verkehrs. Es handelt sich bei diesem Hochhaus um eine typische Wohnanlage, die Condominium, kurz Condo, genannt wird (von lateinisch "con-dominium" = "gemeinsames Eigentum"). Dies ist eine der Hauptwohnarten für Expats in Singapur. Zuerst passieren wir, vom Verkehrslärm begleitet, einen Swimmingpool, der allen Hausbewohnern zur Verfügung steht, wie wir von unserer Maklerin erfahren. Dann fahren wir mit dem Fahrstuhl in den 19. Stock, wo wir nun vom chinesischen Gegenagenten begrüßt werden. Vor der Wohnung ziehen wir uns nach asiatischer Sitte die Schuhe aus und betreten nun zum ersten Mal singapurische Wohnlandschaft. Das Apartment ist noch an eine chinesische Familie vermietet, die sich eigens für die B

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