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Die Vespa in der Badewanne Eine Reisegeschichte aus Italien von Schaefer, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.01.2020
  • Verlag: Langenscheidt bei PONS
eBook (ePUB)
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Die Vespa in der Badewanne

Ab in den Urlaub und rein ins Lesevergnügen: Endlich hat man wieder Zeit ein Buch zu lesen Egal, ob am Pool entspannend oder noch mit Vorfreude zu Hause auf der Couch liegend, mit diesen Reiselektüren stimmen Sie sich perfekt auf Ihr nächstes Reiseziel Italien ein. - Perfekte Einstimmung auf den Urlaub - Deutsche Kurzgeschichte zu Italien - Stimmungsvolle Erzählungen zu Land und Leute - Inklusive fremdsprachiger Ausdrücke, um seinen Urlaubswortschatz ein wenig aufzufüllen

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 13.01.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783125633704
    Verlag: Langenscheidt bei PONS
    Größe: 1405 kBytes
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Die Vespa in der Badewanne

Über den Brenner

A ndrea fand, es fehlte etwas. Natürlich war es großartig, an der Grenze nicht stundenlang warten zu müssen. Und es war prima, nicht erst D-Mark gegen Lire eintauschen zu müssen. Aber es fehlte doch das Gefühl, nun wirklich und wahrhaftig nach Italien einzureisen. Am Brenner angelangt, fuhr sie einfach weiter. Im Grenzhäuschen stand nicht einmal jemand drin.

Sie konnte sich gut daran erinnern, wie sie mit dem Nachtzug gefahren waren, als sie noch ein Kind war. Und der Zug am Brennerpass stundenlang stehen blieb. Wenn man die Fenster runterschob - das ging damals noch - wehte eine kühlere Luft herein; noch nicht der Süden, sondern die Berge waren zu spüren. Aber draußen hörte man italienische Rufe, Carabinieri liefen vorbei, es war ein Abenteuer. Jetzt fuhr sie über den Brenner als wäre es nichts anderes als die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg.

Romantischer Quatsch, sagte sich Andrea. Natürlich war das vereinte Europa ein gigantischer Fortschritt. Andrea war von ganzem Herzen Europäerin. Außerdem würde ihre Geschäftsidee gar nicht funktionieren, wenn Europa noch durch strenge Grenzen geteilt wäre. Dann wäre es schlicht Schmuggel, was sie vorhatte. So aber würde sie auf der Rückfahrt ihren jetzt leeren Kombi bis unters Dach vollgepackt haben mit italienischem Allerlei. Sie sah es schon vor sich, wie sie den winzigen Laden in Haidhausen damit ausstaffieren würde, wie außen ein Neonschild leuchtete, auch wenn sie den Namen ihres Ladens noch nicht wusste. Sie kam ins Träumen und beschloss, lieber anzuhalten und einen Cappuccino zu trinken. So traumselig auf der Autobahn zu fahren, war wohl keine gute Idee.

Sie fuhr am Outlet-Center vorbei, für Klamotten hatte sie jetzt keine Zeit. Bläute sie sich jedenfalls ein. Auf einem ziemlich verwaisten Parkplatz stellte sie ihr Auto ab und ging in die Bahnhofsbar .

Da war allerdings Italien nicht zu überhören. Der Kellner, die Zöllner, die es also doch noch gab, eine Verkäuferin aus einem Laden, alle sprachen laut und vokalreich. Andrea spitzte die Ohren, sie hatte Italien vermisst. Auch wenn sie selbst nicht gut Italienisch sprach.

" Cosa prende? ", fragte der Barista. Das konnte ja nur die Frage nach ihrer Bestellung sein, " Un cappuccino ", antwortete sie. Der Barista fing an zu werkeln, auf diese immer etwas großspurige, gleichzeitig selbstsichere Art. Siebträger auf einen Metallsteg schlagen, Kaffeepulver entleeren, Kaffee auffüllen, Siebträger mit einer Vierteldrehung einschrauben, Wasser anstellen, Milch in den Metallbehälter füllen, lautstark Milch aufschäumen, Milchschaum mit einem Löffel in die Tasse schichten. "Möchten Sie Kakao?", fragte er. Auf Deutsch. Toll, schon an einem einzigen Wort hatte er erkannt, dass sie Deutsche war.

Dann fiel ihr ein, dass sie Giannis erste Regel missachtet hatte. Ihr Stammitaliener in München hatte ihr Ratschläge mitgegeben, und "Erste Regel" war: "Nach pranzo nur caffè , niemals Cappuccino". Na sei's drum.

Ihr Smartphone piepste, eine SMS klärte sie darüber auf, dass sie nun in Italien war. Sie machte rasch einen Screenshot und schickte ihn Carlotta. Ihre Tochter antwortete sofort und wünschte ihr eine gute Reise, sie sei im "Laderl" und würde ausmisten. "So viel Kram", textete sie. Andrea schickte ihr einen Kussmund-Smiley.

Sie konnte sich gut vorstellen, was für ein Durcheinander im ehemaligen Blumenladen im Erdgeschoss des Hauses herrschte. Sie hatte hin und wieder bei der alten Nachbarin einen Blumenstrauß gekauft, auch wenn der natürlich teurer war als beim Discounter. Aber sie wollte die Nachbarschaft stärken und nicht mit Schuld sein daran, dass alle kleinen Läden nach und nach zumachten und überall Hipstercafés einzogen. Carlotta hatte den Laden als kleines Mädchen geliebt. Der Duft nach Blumen schien sie zu faszinieren. Wenn Andrea kurzfristig los musste und niemanden fand, der auf

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