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Ein Jahr in London Reise in den Alltag von Regeniter, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.06.2010
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Ein Jahr in London

Lebenstraum London: Mit Anfang 30 zieht Anna Regeniter in die schillernde Hauptstadt Großbritanniens. Selbstironisch erzählt sie vom Aufeinanderprallen ihrer Londonträume mit der Realität - von ihrem unglaublich komischen Alltag als Deutschlehrerin, von ihrem pakistanischen Zeitungshändler und ihrem griechischen Vermieter, von Cream Tea, Clubs voller Popstars und der entscheidenden Wahl des Lieblingspubs.

Anna Regeniter lebt als Lehrerin und Journalistin in London. Dies ist ihr erstes Buch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 29.06.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451333545
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 1603 kBytes
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Ein Jahr in London

September

Und dann kommt sie auch schon, die nächste Woche, und damit der Tag meiner ersten Unterrichtsstunde. Ich habe die ganze Nacht Alpträume von verlegten Lehrplänen, verspäteten Zügen und randalierenden Kindern, aber zum Glück habe ich zuallererst eine siebte Klasse mit Schülern, die gerade erst die Grundschule beendet haben und hier genauso neu sind wie ich. Kein Problem also, denke ich.

Schon am Tag vorher habe ich mein Klassenzimmer mit deutschen und französischen Fähnchen, einer großen Landkarte und meinem alten Borussia-Dortmund-Schal geschmückt, und als die Schelle zum Unterrichtsbeginn leutet, stehe ich gut vorbereitet auf der Türschwelle.

Ich weise den Schülern ihre Plätze nach meinem eigens angefertigten Sitzplan zu, damit ich ihre Namen schneller lernen kann, was ich mir allerdings hätte sparen können. Es heißen sowieso alle James, Kelly, Jessica oder Mohammed.

Zehn Minuten später, nachdem endlich alle mehr oder weniger sitzen, fange ich an, mich vorzustellen.

" Ähm, also, my name is Frau Regeniter . Willkommen zu eurer ersten Deutschstunde. I'm from ..." Nicht ein einziger Schüler zeigt auch nur einen Hauch von Interesse.

" Five One! Five One!" , fängt ein kahlgeschorener Junge in der letzten Reihe an zu schreien, und zwei weitere machen bald mit.

Fünf eins?

"We beat you Five One!" Nach einigen Sekunden wird mir klar, dass von dem Fußballspiel vor einigen Jahren die Rede ist, in dem zum ersten Mal in der Geschichte England zufällig gegen uns gewonnen hat. Das Five One würde ich in den kommenden Wochen noch so oft zu hören bekommen, um einen ausgiebigen Hass auf Oliver Kahn zu entwickeln, der in diesem schicksalhaften Spiel so viele Tore hatte durchgehen lassen.

Ich ignoriere die rufenden Kinder, und lege mein Deutschland-Quiz auf den Projektor, um die Stunde zu retten.

Frage 1: In welchen Ländern spricht man Deutsch?

Frage 2: Welche deutschen Wörter kennt ihr schon?

Frage 3: Welche berühmten Deutschen kennt ihr?

Die erste Frage können die meisten mit Leichtigkeit beantworten: Deutschland, Frankreich, Holland, Spanien und Dänemark.

Als wir zur zweiten Frage kommen, fangen alle im Chor an zu rufen: "Scheiße! Scheiße! Scheiße!"

"Kartoffelkopf!", fügt ein kleines, rothaariges Mädchen stolz hinzu.

Und bei der dritten Frage fängt wieder der Chor an: "Hitler! Hitler! Hitler!"

Das Mädchen, das leise "der Papst?" hinzufügt, würde ich aus Dankbarkeit am liebsten umarmen. Doch ihr Tischnachbar Niall, der bisher nur gelangweilt aus dem Fenster gestarrt hat, schaut plötzlich interessiert auf.

"Wie heißt eigentlich der englische Papst, Miss?"

"Es gibt nur einen Papst in der Welt und zur Zeit ist das ein Deutscher", erkläre ich.

" Rubbish ", meinte ein anderer Schüler aufgebracht. "Jedes Land hat seinen eigenen Papst. Das weiß doch jeder."

"Nein, glaub es mir. Es gibt wirklich nur einen."

"Irgendjemand hat Ihnen da ganz großen Mist erzählt", klärt Niall mich auf. Die Kinder schauen mich mitleidig an.

Bevor ich wieder zu Wort komme, schellt es schon zur Pause und die ganze Klasse springt lärmend auf. Zu meiner Überraschung bedanken sich die Schüler beim Verlassen des Klassenzimmers sogar bei mir. "Thanks, Miss!"

"Wie fandest du deine erste Deutschstunde?", frage ich ein mit Sommersprossen übersätes Mädchen.

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