text.skipToContent text.skipToNavigation

Innsbruck abseits der Pfade Eine etwas andere Reise durch die Stadt mit dem Goldenen Dachl von Schuchter, Bernd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.12.2015
  • Verlag: Braumüller Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Innsbruck abseits der Pfade

In Innsbruck abseits der Pfade entdecken wir die Stadt in den Alpen als Verkehrsknotenpunkt seit dem Mittelalter, als Ort der kurzen Wege, als Eldorado für Radfahrer, als Schauplatz von Kunstskandalen, Kleinherzigkeit und Heldentaten; wir lernen Einwohner kennen, die so gar nichts mit dem Klischee der skifahrenden, in den Bergen wandernden, gesunden, kernigen Tiroler zu tun haben, als die sie bereits Heinrich Heine in seinen Reisebildern beschrieben hat. Obwohl jeder sechste Skitourist weltweit in Tirol Urlaub macht, gibt es in Innsbruck und Umgebung einen ruralen Unterbau, der weder den Fremdenverkehr noch die Mitterer'sche Piefke-Saga repräsentiert.

Bernd Schuchter, 1977 in Innsbruck geboren, Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck, seit 2006 Verleger des Limbus Verlages, lebt mit seiner Familie in Innsbruck. Preis träger beim Prosapreis Brixen?/?Hall, Arbeits stipendium des bmukk und Preis der Landeshauptstadt Innsbruck für künstlerisches Schaffen. Zuletzt erschienen die Erzählung Jene Dinge sowie die Romane Link und Lerke und Föhntage (Braumüller 2013).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 03.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783991001430
    Verlag: Braumüller Verlag
    Größe: 6594kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Innsbruck abseits der Pfade

Ich jedenfalls wähle weder den Weg zum Aussichtspavillon noch zu den Papageien. Ich gehe den Hauptweg entlang (natürlich könnte ich auch hier zum Alpenzoo gelangen ...) und erreiche nach noch einer Kehre die dritte idyllische Holzbrücke, die sich über einen Bach samt verwunschenem Wald in der kleinen Schlucht erstreckt. Dieser Weg führt zum beschriebenen Judenbühel. Auf halber Höhe befand sich tatsächlich bis Ende des 19. Jahrhunderts der jüdische Friedhof von Innsbruck, in den 1860er-Jahren fand die letzte Beerdigung statt. Der Friedhof war damals außerhalb von Innsbruck gelegen, da dieses Gebiet zur eigenständigen Gemeinde Mühlau gehörte. Ein Friedhof ist hier seit dem Ende des 15. Jahrhunderts, spätestens Anfang des 16. Jahrhunderts nachweisbar, wie diverse Urkunden belegen, die es der jüdischen Gemeinde von Innsbruck gestatteten, an diesem Ort ihre Toten zu begraben. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Innsbruck ist wie in so vielen Städten äußerst wechselvoll, wie die zahlreichen historischen Studien der letzten Jahre, etwa von den Historikern Horst Schreiber oder Thomas Albrich, zeigen. Das jüdische Leben in Tirol, insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus, wurde aber auch literarisch be- und verarbeitet, vor allem der Innsbrucker Lyriker und Romancier Christoph W. Bauer versucht mit Büchern wie Graubart Boulevard oder Die zweite Fremde die Erinnerungskultur in Innsbruck und Tirol am Leben zu erhalten.

Ich erreiche den Bereich des ehemaligen jüdischen Friedhofs, dessen genaue Bemessungen und Ausmaße im Rahmen eines archäologisch-historischen Forschungsprojekts nach 2000 untersucht wurden; im Gedenken an den einstigen Friedhof wurde eine Gedenkskulptur installiert, entlang der früheren Umfassungsmauer des Friedhofs wurden Metallplatten mit eingestanzten Davidsternen aufgestellt, ebenso eine Gedenk- und Hinweistafel. Diese Erinnerungskultur ist Ausdruck einer modernen Wertschätzung für die kleine jüdische Gemeinde, die es heute noch in Innsbruck gibt. In der Zeit des Nationalsozialismus tat sich Innsbruck als ausgesprochen willfähriger Partner der Hitler-Ideologie hervor: Die Reichskristallnacht im November 1938, als im ganzen Deutschen Reich jüdische Geschäfte zerstört und geplündert und zahlreiche jüdische Mitbürger erniedrigt, geschlagen und ermordet wurden, war in Innsbruck besonders grausam und brutal, unter anderem wurde der Kaufmann Richard Graubart, der mit seiner Familie in der zentral gelegenen Museumstraße ein angesehenes Schuhgeschäft besaß, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von einem Rollkommando der SS ermordet - siehe C. W. Bauers Roman Graubart Boulevard .

Die gefrästen Davidsterne als Zitat der Leerstelle, die das vertriebene, ehemalige jüdische Leben in Innsbruck hinterlassen hat .

Der jüdische Friedhof auf dem Judenbühel wurde aber aus ganz anderen Gründen aufgegeben. Zwar gab es immer wieder Grabschändungen, tatsächlich aber war das Gelände zu abgelegen und vor allem im Winter bei Schnee schwer zu erreichen. Bei der Errichtung des neuen allgemeinen Westfriedhofs, der heute zentral in der Nähe des Krankenhauses im Stadtteil Wilten liegt, wurde dort auch ein israelitischer Teil mitgeplant - bis heute befindet sich der jüdische Friedhof Innsbrucks im Westen der Stadt. Nachdem die Gräber schließlich überführt worden waren, wurde der Friedhof am Judenbühel 1880 geschliffen und die alten Umfassungsmauern eingeebnet.

Folgt man dem Pfad bis auf das Plateau des Judenbühels, stößt man auf ein beliebtes Ausflugsziel für die Jungeltern Innsbrucks, ein Waldspielplatz mit einer großen Wiesenfläche und Bänken am Rand, auf denen man einen guten Blick über ganz Innsbruck bis weit in den Süden am Bergisel vorbei und bis auf die markante Spitze der Serles hat.

Ich verlasse den Spielplatz und den Judenbühel und sehe die nahe Mittelstation der neuen Hungerb

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen