text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Jeder Ort hat seinen Traum Dichterlandschaften von Steinwendtner, Brita (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.02.2014
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
14,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Jeder Ort hat seinen Traum

Die Landschaft ist voll von Gesängen und Geschichten: Brita Steinwendtner porträtiert dreizehn Autorinnen und Autoren und setzt sie mit ihren Landschaften in Beziehung. Wo man lebt und arbeitet, ist das eine, wohin man sich sehnt, das andere. Und ein Drittes ist die Bedeutung, die sich aus Landschaften und Orten erschließt: die innere Geografie von Wirklichkeit, Imagination und Inspiration.Geht man solchen Spuren im Werk von Dichterinnen und Dichtern nach, entsteht ein wundersames Gewebe aus Landschaften, Lebensgeschichten und der irritierend-schönen Vielfalt von Literatur. Brita Steinwendtner porträtiert dreizehn Autorinnen und Autoren und setzt sie mit ihren Landschaften in Beziehung. Sie legt spannende, oft neue Fährten in literarische Werke, deren Gemeinsames die Utopie eines menschenwürdigen Lebens ist. Durchdrungen von der Begeisterung für einige der schönsten Landschaften und Orte des europäischen Kontinents, sind die Geschichten auch wunderbare Anregungen für eigene Entdeckungen. Ilse Aichinger: Wien, Ingeborg Bachmann und Johannes Urzidil: Rom, Bruce Chatwin: Peloponnes, Barbara Frischmuth: Ausseerland, Peter Handke: Paris-Versailles, Veit Heinichen: Triestiner Karst, Wolfgang Hildesheimer: Poschiavo, Hartmut Lange: Umbrien, Christoph Ransmayr: Berg und Meer, Raoul Schrott: Tamangur und Tarrenz, Peter Turrini: Weinviertel, Paul Wühr: Lago Trasimeno

Brita Steinwendtner, geboren 1942 in Wels, Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie in Wien und Paris. Freie Mitarbeiterin des ORF und anderer Rundfunkanstalten. Bis 2012 Leiterin der Rauriser Literaturtage. Lebt als Autorin, Regisseurin und Feuilletonistin in Salzburg. Bei Haymon erschienen: 'Rote Lackn'. Roman (1999), 'Im Bernstein'. Roman (2005), 'Jeder Ort hat seinen Traum'. Dichterlandschaften (2007), 'Du Engel Du Teufel'. Emmy Haesele und Alfred Kubin - eine Liebesgeschichte (2009), 'Mittagsvorsatz. Noon Resolution' Gedichte. Poems (2011).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 278
    Erscheinungsdatum: 10.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709977569
    Verlag: Haymon Verlag
    Größe: 3332 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Jeder Ort hat seinen Traum

Bruce Chatwin
Die Songlines der Mani

Ich bitte dich, leg meinen linken Jungen über den rechten.

Der andere tat es behutsam.

Ich muß wieder auf Reisen gehen. Reisen, gehen, gehen, verstehst du?

Ich werde mit dir gehen.

Aber mein Rucksack ist so schwer.

Ich werde ihn dir tragen.

Er lag in einem dunklen Zimmer zu ebener Erde, er nannte es sein "Mönchszimmer". Draußen kreiste keine van Gogh'sche Sonne um ihre Himmel, es war kühl, denn es war Januar.

Ich werde nie wieder gehen.

Ich weiß.

Werner, ich sterbe.

Ja, das weiß ich.

Bruce Chatwin konnte sich nicht mehr bewegen. Sein Gesicht war ein kleines Dreieck des Schmerzes. Er hatte Aids und einen seltenen Pilz, der das Knochenmark zerstörte und weiter den ganzen Körper. "Seine Jungen" nannte er seine Beine, sie waren lahm, und er wußte, daß es sein Ende war. Daß er nie wieder gehen konnte in den braunen, hohen Wanderstiefeln, die ihn Tausende Kilometer durch Afrika getragen hatten, durch Afghanistan, Indien und Yunnan, durch Sibirien, Patagonien und die Wüsten Australiens. Auf der Suche nach dem immer Neuen, den Ursprüngen, dem Geheimnis des Lebens. Nach den Songlines seiner selbst.

Er lag in seinem Zimmer in Seillans bei Nizza, im Haus einer Freundin, der Mutter seiner letzten großen Leidenschaft, des 22jährigen Jasper Conran, der sich weigerte, ihn zu besuchen. Lag da und träumte von Aufbruch. Er hatte Werner Herzog, den Regisseur, der auch seinen Roman Der Vizekönig von Ouidah verfilmte und mit dem ihn die Passion für das Gehen und die Nomaden verband, herbeigerufen. Er traute ihm Heilkräfte zu. Hoffnungssplitter schwindender Sinne. Chatwins Frau Elisabeth, spät im Elend wiedergefunden, nahm den Sterbenden in ihre Arme, wiegte ihn aus der Zeit.

Chatwin starb am 18. Januar 1989. Zwei Tage später wurde er in Nizza eingeäschert, zwei Wochen darauf fand in der Kathedrale Saint Sophia in Bayswater ein griechisch-orthodoxer Gedenkgottesdienst statt. Salman Rushdie, Freund und Reisegefährte in Australien, war dabei. Als Rushdie die Kirche verließ, wurde ihm von einer amerikanischen Journalistin berichtet, daß Ayatollah Khomeini ihn auf die Todesliste gesetzt hatte.

Ein Rußkörnchen dreht sich in der Mittelvertiefung eines schwarzverschmierten Plastiktisches. Dreht sich langsam im Rhythmus der schaukelnden Bewegung des Schiffes, die kaum spürbar, aber in diesem Kreisen sichtbar wird. Wir sind auf einer Fähre der Minoan Lines, auf dem Weg nach Patras an der griechischen Westküste. Venedig liegt hinter uns. W. und ich sind im Heck des Schiffes gesessen, es war früher Abend. Mestre stand im Orange, kerzengerade Rauchfähnchen als Muster darin gezeichnet. Im Gleiten durch den Guidecca-Kanal öffnete sich Venedig wie das Schauspiel fernen Glücks, Palazzo um Palazzo zog vorüber, Campanile um Campanile, alles klein unter uns, die Menschen winzig, Glockengeläut von irgendwo, dann die Pfähle der Schiffahrtswege, der Lido, das schwindende Land, der schwindende Tag. Nachtlichter der Inseln und der Küste, Blinken der ersten Sterne.

Ich beobachte das Rußkörnchen und lese Bruce Chatwin. Wir haben viel Zeit. Zwei Nächte und einen Tag. Das Wummern der Maschinen dröhnt leise im Kopf. Hämmert die Stunden ins Gleiche. Diese Gegensätzlichkeit der Bücher! In Patagonien, Der Vizekönig von Ouidah und Auf dem schwarzen Berg, Traumpfade und Utz u

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen