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Lesereise Apulien Die Magie des Mezzogiorno von Bisping, Stefanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.02.2016
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
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Lesereise Apulien

Apulien, das schöne Land im Südosten Italiens, ist eine uralte europäische Kulturlandschaft. Städte und Sprengel erzählen hier von Jahrtausenden gelebten Lebens, knorrige, bis zu tausend Jahre alte Olivenbäume sind seine Zeugen. Doch Apulien ist reich nicht nur an Geschichte. Man versteht hier auch zu leben. Die Fähigkeit der Menschen zum Genuss des Augenblicks wirkt auf gehetzte Mitteleuropäer unwiderstehlich. Stefanie Bisping erkundet Küsten und Hinterland, lebhafte Städte und verträumte Dörfer. Sie begegnet Fischern, Olivenbauern und dem Retter des Granatapfels, spürt alten Mythen und neuen Visionen am Stiefelabsatz nach. Ihre Reportagen zeichnen das Bild eines Landes, das von Traditionen geprägt, jedoch von Ideen beflügelt wird. Stefanie Bisping studierte in Münster und Reading (England) Anglistik, Germanistik und Politikwissenschaft. Heute schreibt sie Reisereportagen für verschiedene Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Picus Verlag erschienen ihre Lesereisen Estland, Malediven, Emilia Romagna, Normandie und Bretagne. 2015 erhielt sie den deutsch-italienischen Journalistenpreis 'Cinque Stelle al Giornalismo'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 22.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711753113
    Verlag: Picus
    Größe: 2194 kBytes
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Lesereise Apulien

Das Paradies im Olivenhain

Über Jahrhunderte kaum veränderte Landschaft und uralte Städtchen machen Apulien zu einer der schönsten Regionen Italiens

Jeden Tag knetet Giovanni sechshundert Kugeln mozzarella . Wie im Schlaf vollführt der junge Mann jeden Handgriff: Er greift die Masse aus der Molke, taucht sie in heißes Wasser, zieht sie in Form und knetet sie zu Kugeln. Vorn im Laden bedient seine Mutter Tonia die Kunden. Mit leichter Hand verknotet Giovanni die Käsekugeln, Signora Tonia schneidet unterdessen eine burrata zum Probieren auf. Im Inneren dieses Frischkäses verbirgt sich eine unwiderstehliche Creme aus Sahne und mozzarella .

Früher verkauften Tonia und ihr Mann die Milch ihrer Kühe an Fabriken. Doch die Preise sanken, bis das Geschäft nicht mehr rentabel war. Also beschlossen sie, die Milch selbst zu mozzarella und burrata zu verarbeiten. Seit fünfzehn Jahren betreiben sie bei Fasano, etwa auf halber Strecke zwischen Bari und Brindisi, eine der wenigen traditionellen Käsereien, die es in der Gegend noch gibt.

Die Landschaft der Umgebung ist so außerordentlich schön, dass man sie so langsam genießen muss wie die kulinarischen Höhepunkte, die die Region im Südosten Italiens hervorbringt: den köstlichen Käse, wuchtige Rot- und spritzige Weißweine, aromatisches Olivenöl, das man löffelweise zu sich nehmen möchte. Bis zu tausend Jahre alt sind die Olivenbäume mit den gewaltigen verknoteten Stämmen, die Hügel bewachen und die Ebene bewalden. Aus den Früchten dieser Bäume wird die Hälfte allen italienischen Olivenöls gewonnen. Auf den Feldern zwischen den Olivenhainen wachsen aber auch Weizen, Sellerie, Spinat, Fenchel und Kohl - dank ausgeklügelter Bewässerungssysteme blüht die Landwirtschaft in der Gegend, die schon im Mittelalter die Kornkammer des Südens bildete.

Noch in den sechziger und siebziger Jahren verließen die Einwohner der desolaten wirtschaftlichen Lage wegen in Scharen ihre Heimat. Und noch heute sehen vor allem Hochschulabsolventen ihre Perspektiven eher im Norden des Landes oder im Ausland. Doch obwohl die Arbeitslosigkeit jenseits der größeren Küstenstädte noch immer hoch ist - im Mittel liegt sie bei gut zwanzig Prozent, unter jungen Leuten bis Anfang dreißig ist sie sogar doppelt so hoch -, kehren heute auch wieder Menschen zurück.

Alessandro zum Beispiel, der in seinen Zwanzigern im italienischen Café eines Vergnügungsparks in Florida mit Trinkgeldern ein kleines Vermögen machte. Seine Kollegen lebten wie die Könige im Sunshine State, erinnert er sich. Sie kauften Schmuck für die Freundin und Kleidung für sich, sie gingen aus, wenn die Dienstpläne es zuließen, sie reisten kreuz und quer durch Amerika.

Alessandro aber hielt sein Geld zusammen. Nach zwei Jahren kam er zurück. Er steckte seine Ersparnisse in einen Bauernhof und gründete eine kleine Reiseagentur. "Ich bin so zufrieden hier", erklärt er und beschreibt die universelle Anziehungskraft seiner Heimat mit bescheidener Zurückhaltung: "Das Klima ist angenehm, die Menschen sind es auch, und das Essen ist gut."

Das ist stark untertrieben. Apulien, die Region, die sich über eine Länge von vierhundert Kilometern bis zum Stiefelabsatz erstreckt, ist so anziehend, ihre Bewohner von solcher Herzlichkeit, ihre Landschaften so wenig berührt von allem, was den Menschen im Norden das Leben anstrengend erscheinen lässt, dass nicht wenige Besucher auf der Stelle beschließen, für immer zu bleiben. Oder, da das meist nicht ganz so leicht ist, wie es ab der Hälfte des zweiten Glases tiefroten primitivos erscheint, doch wenigstens ganz oft wiederzukommen.

Sechzig Millionen Olivenbäume tauchen die urwüchsige Landschaft in silbriges Grün und zeugen von der langen Kultivierung Apuliens. Viele der Bäume standen immer schon hier - oder doch wenigstens so lange, dass man sie bestaunen möchte wie sakrale Bauten aus lä

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