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Lesereise Bretagne Beim Leuchtturmwärter brennt noch Licht von Bisping, Stefanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2015
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
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Lesereise Bretagne

Windgepeitschte Steilküsten, von der Brandung umtoste Inseln, geheimnisvolle Wälder - die Bretagne ist wildes Land, vom Meer geprägt. Vergeblich versuchten die Römer, diesen besonders sperrigen Kelten wenigstens eine anständige Sprache beizubringen. Zweitausend Jahre später haben die eigenwilligen Bretonen ihr Idiom noch immer nicht aufgegeben. Stefanie Bisping spürt den Mythen und Geschichten dieser alten europäischen Kulturlandschaft nach. Sie begibt sich auf die Spuren des Zauberers Merlin und der letzten Herzogin der Bretagne. Im Finistère, am Ende der Welt, das für die Bretonen nur ihr Anfang ist, begegnet sie dem letzten Leuchtturmwärter der Insel Ouessant und dem Wächter über die Qualität des berühmten bretonischen Kuchens 'kouign amann'. Stefanie Bisping studierte in Münster und Reading (England) Anglistik, Germanistik und Politikwissenschaft. Heute schreibt sie Reisereportagen für verschiedene Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Picus Verlag erschienen ihre Lesereisen Estland, Malediven, Emilia Romagna und Normandie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 23.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711752871
    Verlag: Picus
    Größe: 2741 kBytes
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Lesereise Bretagne

Bei Sturm tanzen die Häuser

Achthundert ganz unterschiedliche Inseln besitzt die Bretagne

In weiten Schwüngen rollt die Fähre vom Hafen vor Brest durch tiefe Wellentäler in Richtung Ouessant. Wir stehen an Deck und versuchen, die Sache positiv zu sehen. Nicht jeder wird schließlich seekrank. Aber die süßen Waffeln, die wir in Pont-Aven gekauft haben, lassen wir doch lieber unangetastet. Immer schön den Horizont im Blick behalten und sich ganz auf die salzige Luft konzentrieren. Man spürt: Diese Wogen kommen aus den Tiefen des Atlantiks. Doch schließlich ist die Passage überstanden, das Schiff läuft im Hafen unter einer dieser Überfahrt angemessen dramatisch geformten Klippe ein.

Auf Ouessant leben achthundertachtzig Menschen. Es gibt eine Handvoll Hotels, zahlreiche Schafe und sehr grüne Hügel. Der Wind pfeift, als könnte er einen jederzeit wegtragen, wenn er nur wollte. Und im Grunde ist es auch so. Graue Häuser mit blauen Türen und Fensterläden ducken sich am Boden, von der Felsenküste wehen Tausende weißer Gischtflocken. Der westlichste Flecken der Bretagne ist so rau und wild wie das Meer, das ihn umgibt. An seinen Ufern endeten im Lauf der Jahrhunderte ungezählte Reederträume in den berstenden Planken kenternder Schiffe. "Qui voit Ouessant, voit son sang" , lautet ein Sprichwort. Wer diese Insel sieht, sieht sein Blut.

So unheimlich dies klingt, ist es doch tröstlich ferne Vergangenheit. Fünf Leuchttürme sind heute um die Insel und auf ihr verteilt und sorgen immerhin für Orientierung. Der Phare du Créac'h im Inselwesten ist einer der stärksten der Welt und das erste Leuchtfeuer, das Kapitäne nach Querung der Biskaya sehen. Wer es erst bis auf die Insel geschafft hat, dem kann der Wind ohnehin nichts mehr anhaben. Bei Kerzenlicht mit einem großen Humpen Rotwein in der Hand im tiefen Sessel sitzend, ist es schön, über das wütende Toben der Elemente draußen nachzudenken. "Erst ab hundert Stundenkilometern Windgeschwindigkeit bewegen sich die Häuser", weiß Odile, die Besitzerin des Hotels. Das ist beruhigend. Bei solchen Stürmen knarren die Fenster, und es erschließt sich, warum die Insulaner ihre Heimat auch "Gespensterinsel" nennen. Wie überhaupt die Neigung der Bretonen zum Glauben an übersinnliche Erscheinungen eng mit der Hilflosigkeit des Menschen gegenüber einem Meer verbunden ist, das nicht nur Leben und Auskommen verspricht. Immer bleibt es auch ein Gegner, der sich nimmt, was ihm gefällt.

Doch das sind Herbstgeschichten. Anderntags signalisiert der hellblaue Himmel Waffenstillstand. Odile serviert zum Frühstück zwischen croissants und café crème Anekdoten aus dem Inselleben. "Bei uns haben seit jeher die Frauen das Sagen", erklärt sie. Das liege daran, dass die Männer früher oft wochenlang auf See waren und sich die Frauen derweil um alles kümmern mussten - von Landwirtschaft über die Schafzucht bis zum Heiratsantrag beim Heimatbesuch des Herzallerliebsten. Dieser Antrag hatte einst die Form einer Initiativbewerbung seitens der Dame. So sah die Tradition vor, dass eine Frau ihren köstlichsten Kuchen backte, wenn ein Mann ihr Herz gewonnen hatte. Wie Rotkäppchen im Märchen machte sie sich zum Haus der Familie ihres Auserwählten auf, mit dem gâteau breton als Gastgeschenk im Korb. Dort angekommen, ging es recht umständlich zu: Der Kuchen wurde ausgepackt, die potenziellen Schwiegereltern deckten die Kaffeetafel, schließlich kam der heikle Moment, da die Werbende ihrem Erwählten ein Stück Kuchen anbot. Nahm er an, war auch die Heirat unter Dach und Fach, lehnte er ab, blieb nichts als recht verkrampfter Small Talk, bis die Brüskierte genug Kraft gesammelt hatte, um einen einigermaßen würdevollen Abgang hinzubekommen.

Noch immer diktieren die Frauen der Insel den Alltag, wiewohl das Verabreichen von Kuchen im Zusam

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