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Lesereise Bulgarien Das gebrauchte Zepter am goldenen Sandstrand von Magosch, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2011
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
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Lesereise Bulgarien

Bulgarien liegt näher, als man denkt. Für die einen als eindrucksvolle Küste am Schwarzen Meer, für die anderen als einst herausfordernde Fußballnation. Bulgarien, häufig als europäische 'terra incognita' bezeichnet, ist mittlerweile zu einem der beliebtesten Urlaubs- und Reiseziele des westlichen Europa geworden. Es ist das Herzland des Balkans, jenes Gebirges, das der ganzen südosteuropäischen Region ihre vorurteilsbehaftete Bezeichnung gibt.Thomas Magoschs verblüffende Erkundungen führen in entlegene Klöster, in Kinderküchen, auf ein Wahrsagersofa, auf den Glockenturm der Newski-Kathedrale oder auf eine Baustelle am Goldstrand. Er lässt Mönche und Bürgermeister, Schriftsteller, Wahrsager und Musiker zu Wort kommen, berichtet von einer abenteuerlichen Taxifahrt durch die Hauptstadt, fährt in entlegene Rhodopentäler, spricht mit einem zum Mönch konvertierten Broker der New Yorker Börse und zeichnet im gore dolu, im Auf und Ab der alltäglichen und besonderen Absurditäten des bulgarischen Alltags, das liebevolle Porträt eines außergewöhnlichen Landes.

Thomas Magosch, freier Autor und Journalist, lebte ein paar Jahre mit seiner Familie in Bulgarien. Er bereiste das Land in dieser Zeit mehrmals, verfasste dort Reisebücher und Artikel für deutschsprachige Medien, darunter die 'Leipziger Volkszeitung' und die 'taz'. Er schreibt zudem für regionale Stadt-, Kultur- und Wirtschaftsmagazine. Im Picus Verlag ist seine Lesereise Bulgarien erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 01.10.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711750556
    Verlag: Picus
    Größe: 505kBytes
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Lesereise Bulgarien

Taksi

Eine Rundfahrt durch die Befindlichkeiten des Personentransports

Am Anfang steht immer die Angst, beschissen zu werden. Übers Ohr gehauen, abgezockt, ausgenommen und womöglich noch eines Organs beraubt. Vor dem Einsteigen in ein Taxi auf dem Balkan lässt man sämtlichen Vorurteilen freien Lauf. Kurz nach der Ankunft, sei es am Flughafen oder auf dem Bahnhof, zischeln vierschrötig-zwielichtige Menschen, ausschließlich Männer, mit einer abgerauchten Zigarette im Mundwinkel und der Betonung auf der zweiten Silbe, dem Ankömmling "Taxxíi" vor die Füße. Der potenzielle Fahrgast wird eingekreist, räumlich umklammert, dezent und doch ohne Fluchtmöglichkeit. Körperlich und mit allen Poren. Und wenn nicht gerade ein untersetzter Einheimischer mit einem selbst gemalten Pappschild aus der Menge auftaucht, auf dem in infantilen lateinischen Lettern "Chotel ..." oder " NGO soundso" gekritzelt steht, oder einen die gequält freundlich lächelnde TUI -Stewardess im Minirock, die Busnummer auf ihrem Tableau, entgegengrinst, steht man jetzt unter Zugzwang. So war das zumindest früher. Die Zeiten, als Taxifahren in den Brachialmedien als Spießroutenlauf bis hin zur potenziellen Organspendefahrt galt, sind zumindest in Bulgarien, oder sagen wir in Sofia, größtenteils vorbei. Das Abenteuer ist einem gesicherten, nahezu reibungslosen Ablauf gewichen. Die Taxameter sind geeicht, was nicht immer heißt, dass sie deshalb frei von Manipulation sind, die Fahrer platzieren ihre von der jeweils zuständigen Kommune autorisierten Ausweise mit Buntlichtbild sichtbar im Fond, Rauchen ist verboten, ganz offiziell und meistens. Die Autos sind neu und japanischer Bauart, Ladas finden sich nur noch vereinzelt und werden nur noch von Ethnotouristen benutzt, die gerne landestypisch oder retrospektiv chauffiert werden wollen.

Auch die Preise haben angezogen. Früher, und dieses "früher" ist vielleicht drei Jahre her, waren "Taxi und Schnaps am billigsten in Bulgarien", wie das unsere Freundin Ana Dimova einmal salopp ausdrückte. Fahren wir also früher einmal mit, zum Beispiel durch Sofia. Oder besser: Steigen wir früher einmal ein, die Distanz zum Heute ist geringer, als man denkt.

Wir starten irgendwo außerhalb. ???????????? ???? vielleicht, dort wo ein sozialistisch-futuristisch wirkender Turm an regelmäßige willkürliche Polizeikontrollen aus den Achtzigern erinnert, gegenüber das Graffiti über den Fenstern der ersten Etage: " ?? ????? Kommunism", ein typisches Nachwendegraffiti, das trotz mehrmaliger Übermalungsversuche immer wieder nachgezeichnet wird. Freilich überwiegen auch an Sofias Häuserwänden heute hauptsächlich sinnleere Sprüche wie "Gwen Stefani" oder "Mitko was here". Die Botewgradsko ist Ein- und Ausfallstraße der Autobahn in Richtung Osten, zahlreiche Tankstellen auf beiden Fahrbahnseiten, links der Flughafen, zwischen Plattenbauschluchten kleine dörfliche Wohnviertel, unverputzte Einfamilienhäuser, Pferdefuhrwerke, Müll. Über das Brachland neben der Straße werden kleine bunte Plastiktüten geweht, die sich in verkümmerten Zaunresten, abgestorbenen Sträuchergruppen verfangen. Die vierspurige Straße ist baulich getrennt durch Straßenbahnschienen. Hier, auf den letzten Metern der Linie 20, fahren vor allem die alten Triebwagen aus Bonn, Düsseldorf und dem Rhein-Neckar-Verbund um Heidelberg. Die "Haltewunsch"-Hinweisschilder in den Bahnen hat nie jemand abgerissen. Ein Flussbett, jetzt Abwasserkanal, quert die Straße im Neunzig-Grad-Winkel

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