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Lesereise Normandie Der Austernzüchter lädt zum Calvados von Bisping, Stefanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.02.2013
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
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Lesereise Normandie

Austernbänke und Apfelgärten, Fachwerkhäuser und Fischerhäfen, traditionsreiche Seebäder und dramatische Küstenlandschaft: Nur zwei Autostunden jenseits der Stadtgrenzen von Paris beginnt mit der Normandie eine der reizvollsten und abwechslungsreichsten Regionen Frankreichs. Die Impressionisten stellten hier ihre Staffeleien auf, um das Wechselspiel von Licht und Wolken einzufangen, und auch Dichter und Denker ließen sich von Klippen und friedlichem Hinterland inspirieren. Nicht zuletzt entschied sich in der Normandie immer mal wieder das Schicksal Europas. Stefanie Bisping wandert auf Küstenpfaden und besucht Frankreichs berühmtesten Klosterberg. Sie macht sich auf die Spuren der Schriftsteller Gustave Flaubert und Marcel Proust, sie probiert Cidre, Calvados und Camembert und trifft normannische Austernzüchter und Aristokraten. Ihre Porträts und Reportagen zeichnen das facettenreiche Bild einer Region, der man dank reicher Geschichte, hoch entwickelten Savoir-vivres und landschaftlicher Schönheit sogar ihr launisches Wetter nachsieht. Stefanie Bisping studierte in Münster und Reading (England) Anglistik, Germanistik und Politikwissenschaft. Heute schreibt sie Reisereportagen für verschiedene Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Picus Verlag erschienen ihre Lesereisen Estland, Malediven, Normandie und Emilia Romagna.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 25.02.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711751683
    Verlag: Picus
    Größe: 299 kBytes
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Lesereise Normandie

Im Rhythmus der Gezeiten

Seefahrergeschichten und Austerngelage: Eine Annäherung an die Küste der Normandie

Die Luft riecht nach Salz und Tang, doch vom Meer ist nichts zu sehen. Vor der Küste schwebt die Silhouette von Blainville in feinem Dunst. Jean François Mauger steht im Schlick und dreht schwere Säcke um. "Die unteren wachsen langsamer", erklärt der Austernzüchter. Deshalb werden sie regelmäßig gewendet. Plötzlich blickt er auf. "Das Meer kommt!", schreit er und rennt zum Traktor, der bereits in einer großen Pfütze tuckert. Und nun in einem kleinen See. Jean François klettert auf den Sitz und wendet eilig.

Das Meer läuft in der Geschwindigkeit eines zielstrebigen Spaziergängers zwischen die langen Holzbänke, auf denen vierzigtausend Säcke festgebunden sind. Wäre man zu Fuß unterwegs, bekäme man jetzt ernsthafte Schwierigkeiten. Doch der Austernzüchter wirkt unbesorgt. Einmal habe ihn das Meer wirklich erschreckt, erzählt er über das Dröhnen des Motors hinweg. Da sprang der Traktor nicht an, als das Wasser einlief. Also rannte er an Land. Das Fahrzeug sah er erst bei der nächsten Ebbe wieder: mit Algen behängt. Schnell pflügt sich der schwere Traktor nun durch das gut knietiefe Wasser Richtung Strand. Dort liegt gleich hinterm Dünenkamm die Verarbeitungsanlage.

Austernbauern sind immer in Eile. Extreme Gezeitenunterschiede – bei Ebbe weicht das Meer hier sechs Kilometer zurück – sorgen zwar für die besondere Frische der normannischen Austern. Aber sie diktieren auch einen strengen Zeitplan. Bei Ebbe sind die Austern geschlossen. Dann kann man auf den Bänken arbeiten. Wenn das Meer zurückflutet, öffnen sie sich, um Nahrung aufzunehmen. Pro Hektar, auf dem etwa sechstausend Säcke liegen, filtern Austern täglich eine Milliarde Liter Wasser. Außer Pflege und Verarbeitung spielt die Wasserqualität die größte Rolle beim Geschmack.

Dass das Meer hier recht sauber ist, ist außer den Gezeiten auch den wütenden Stürmen zu verdanken, die in Herbst und Winter an der Küste der Normandie toben. Sie haben nicht nur den Geschmack der Austern, sondern auch die Landschaft geprägt: niedrige Häuser und Kirchen mit kurzen, dicken Türmen kauern sich zwischen Hügel. Vielerorts sind sogar die Dächer aus Stein, damit sie nicht davongewirbelt werden.

Jean François Mauger bekommt häufig Besuch von Urlaubern, die in den Restaurants der normannischen Küste eine akute Austernsucht entwickelt haben oder eine chronische ausleben. Er zückt ein Taschenmesser, öffnet ein paar Austern und reicht sie den Besuchern – ohne Zitrone, ohne Soße. Sie schmecken, wie sie riechen: nach dem Meer ohne Fisch. Nur Frische.

Drei bis vier Jahre dauert es, bis eine Auster auf dem Teller eines Fischrestaurants landet. Zuvor haben die Austernfarmer in den Küstenorten Blainville-sur-Mer an der Westküste sowie Asnelles und Isigny-sur-Mer bei Bayeux und Saint-Vaast-la-Hougue im Norden sie bis zu zwanzig Mal aus dem Wasser geholt, gereinigt und sortiert und zurück auf die Austernbänke vor der Küste gebracht. Die vier berühmten Austerndörfer sind ideale Eckpfeiler einer Reise durch die Normandie. Kenner vermögen sogar geschmackliche Unterschiede zwischen den Austern wahrzunehmen, die die einzelnen Orte hervorbringen: nussig schmecken die Austern aus Saint-Vaast-la-Hougue, besonders mild sind die aus Isigny-sur-Mer – wegen des Süßwassers, das hier in die Bucht fließt und sich auf den Geschmack auswirkt. Austern aus Blainville hingegen haben eine deutliche Jodnote, schmecken besonders frisch und nach Meer.

Doch Meeresfrü

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