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Lesereise Paris Das Parfum einer Stadt von Cosnac, Bettina de (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.06.2018
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
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Lesereise Paris

Paris hat einen ganz eigenen Duft - so riecht es etwa nach Macarons und Madeleines, nach charmanten Hinterhöfen zum Flanieren, nach traditionsreichen Buchhandlungen oder nach der Lebensader Seine. Bettina de Cosnac besucht den Élysee-Palast und dessen exzentrische Bewohner, macht sich auf die Suche nach der verlorenen Poesie eines Café-Besuchs und ergründet die Strukturen der konservativen Académie Française. Sie geht in berühmte Fotostudios und erzählt von einer historischen Weihnacht in den Tuilerien, trifft Pariserinnen, die den richtigen Riecher haben, und liest Modemagazine für Männer, und sie staunt, nicht nur über die immerwährende Modernität des Eiffelturms. Bettina de Cosnac kam für das ZDF-Korrespondentenbüro Südwesteuropa 1995 nach Paris - und blieb. Sie lebt mit Aussicht auf den Eiffelturm und die Skyline der Hauptstadt. Ganz nach angelsächsischer Tradition verfasst die vielseitige, promovierte Romanistin Biografien, Bühnenstücke, Romane und sinnliche Coffee-Table-Books. Ihre Biografien über die Dynastie der Grimaldi, die Familie 'Haribo' und die deutsch-französische Fotografin Gisèle Freund sind Standardwerke und Bestseller. In Paris hat sie ihr Herz verloren und dennoch einen kritischen Blick gewahrt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 25.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711753755
    Verlag: Picus
    Größe: 1531 kBytes
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Lesereise Paris

Paris. Das Parfum einer Stadt

Vorwort

Mein Parfum heißt Paris. Längst bevor teure Düfte im Flakon Städtenamen wie New York, Berlin oder Paris erhielten. Das Parfum Paris durchwehte neben Heugeruch von österreichischen Bauernhöfen und winterlichem Mimosenduft der Riviera meine Jugend. Irgendwann, Anfang zwanzig, wechselte ich das Parfum - wie es jede Frau tun sollte - und entdeckte andere Städte und Länder, kehrte aber mit neunundzwanzig Jahren in der außenpolitischen Redaktion des Fernsehsenders France 2 nach Paris zurück. Erneuter Duftwechsel, bevor ich das Parfum Paris Mitte der neunziger Jahre endgültig adoptierte. Als abenteuerlustige Journalistin blickte ich nach vorn und ließ auch keinen Koffer in Berlin zurück. Recht so: Das Parfum Paris ließ mich - wie viele andere Wahlpariser - seitdem nicht mehr los. Korrespondentin, Heirat, Kinder, Feste und Bücher. Eigene und fremde Bücher. Vieles änderte sich für mich. Auch das Parfum Paris änderte sich mit der Reife und den Erfahrungen. Und schärfte meinen Blick auf die Lieblingsstadt der Verliebten.

Das Parfum Paris erfand sich mit den Jahren und Jahreszeiten immer wieder neu und anders. Manchmal konnte ich es einfach nicht mehr riechen. Aber die Duftwolke hielt an mir fest. Und Freunde, die sie schnupperten, seufzten entzückt: "Paris! Wie herrlich, wie süß." Der Paris-Mythos bleibt unerklärlich, die Sehnsucht auch. Die Freunde und Bekannten wussten nichts vom Alltag, nichts von den dunklen Seiten der Stadt des früheren Sonnenkönigs und der heutigen Präsidenten. Gewiss, im Mai und Juni komponieren die Rosenblüten in den Lustgärten der Tuilerien und die Frische der plätschernden Springbrunnen ein exquisites Parfum, das kein Pariser, kein Verliebter, kein Romantiker missen will. Im Winter allerdings mischt sich herber Benzingeruch in die klare Würze der kalten Winterluft. Paris hält dann den Atem an, eingehüllt in eine Smogwolke, immer öfter auch in den heißen Monaten. Das Pariser Leben pulsiert nur noch halbherzig. Die Lebenserwartung der Pariser ist um zehn Jahre geringer als im Rest Frankreichs.

Auch die Parfumeure, die meinen Parisduft komponierten, änderten sich im Laufe der Jahre. Nach der sozialistischen Sphinx François Mitterrand kam der rechte und recht joviale Jacques Chirac, ein Afrikakenner und Charmeur, gefolgt von Nicolas Sarkozy und dem in die französischen Geschichtsbücher wohl als eher blasse Präsidentennummer eingehenden François Hollande. Wieder ein Sozialist. Links, rechts, links in der Regierung zeugt von politischer Unentschlossenheit.

Zugegeben, François Hollande hatte verschärfte Umstände, etwa die weltweite Wirtschaftskrise, den sich verbreitenden Terrorismus und das übliche französische Chaos. Aber wie kein Präsident zuvor schaffte er es, sich mit seinen amourösen Eskapaden lächerlich zu machen, auf dem roten Teppich Angela Merkels in Berlin - ausgerechnet Angie, der Mutter der deutschen Nation - schmerzhaft auf die Füße zu treten, in Paris, der Stadt der Mode, in zu eng und zu kurz geschneiderten Anzügen vor den Kameras der Welt aufzutreten und in Russland mit einer Schapka auf dem Kopf wie ein deplatzierter Bauernsohn aus einem Puschkin-Roman zu lächeln. Gewiss, die Mütze wärmte, aber das Bild ging um den Globus und das Herz der grande nation erfror.

Während François Hollandes Regierungszeit verlor Frankreich - und Paris - gewaltig an Gesicht und Ansehen. Die Franzosen bereuten ihre Wahl zutiefst. Doch was konnten sie tun? Sie höhnten, resignierten oder griffen zu noch mehr Antidepressiva als gewohnt. Was viel heißen will, denn die Franzosen sind europaweit führend im Konsum von Arzneidrogen. Es ist eine verborgene Statistik.

Und plötzlich kam Hoffnung! Ein neuer betörender Duft schwebte über Stadt und Land. Er wehte von unten herauf, kam zu Fuß,

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