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Lesereise Wien Walzer, Wein und Lebenskünstler von Nowak, Hubert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.06.2018
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
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Lesereise Wien

Wien gilt als Stadt der Musik und immer noch glänzendes Zentrum der untergegangenen Habsburgermonarchie. Andere definieren sie als Welthauptstadt der Raunzer und Grantler, der Heurigenseligkeit und der schlampigen Gemütlichkeit. Was davon stimmt? Mit journalistischer Akribie geht Hubert Nowak vielen Klischees nach, seziert sie und entdeckt dabei, wie sich diese Stadt mit ihrer Geschichte und ihrem Ruf arrangiert hat - und sogar gut davon lebt. Er betrachtet Wien von ganz oben und von ganz unten, vom Gerüst des immer noch nicht fertigen Stephansdomes und aus unterirdischen Grabkammern, er spannt den Bogen vom Lieben Augustin bis zum Heldenplatz, der Mätresse der Geschichte. Er besucht das beste Tonstudio der Welt und das älteste Kino, analysiert neue Tendenzen des Wienerliedes und lässt den Gaumen über das Martinigansl jubeln. Mumien erzählen vom Naheverhältnis der Wiener zum Tod, die Untiefen der Sprache entblößen die Seele. Erfolgreiche Musiker nützen den Ruf von Mozart und Strauss, Schauspieler gehen ihre eigenen Wege, eine Opernsängerin versteht Pornografie als politische Botschaft und am Naschmarkt treffen sich die Bobos auf einen Mushroom-Coffee. Wien ist eine Stadt der Lebenskünstler, der früheren und der heutigen. Noch Fragen? Hubert Nowak, geboren 1954, war Journalist in Radio und Fernsehen, Moderator der 'Zeit im Bild' und auf 3sat. In einer seiner Stationen als Medienmanager war er Direktor des ORF Landesstudios Salzburg. Der gebürtige Niederösterreicher lebt seit vielen Jahren überwiegend in Wien. Er kennt die Stadt, aber auch den Blick von außen. Im Picus Verlag erschien 2016 seine Lesereise Salzburg und 2018 seine Lesereise Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 25.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711753762
    Verlag: Picus
    Größe: 2131 kBytes
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Lesereise Wien

Typisch wienerisch

Die Bim, ein grantiger Loser und ein raunzerisches "Geeh biiitte ...!"

Das Wiener Würstchen heißt hier Frankfurter. Und das Wiener Schnitzel kommt eigentlich aus Mailand. Logisch? Typisch für Wien ist das Unlogische. Wien ist jedenfalls nicht mit der reinen Vernunft zu begreifen. Kant wäre hier verzweifelt. Gegen die Wand gerannt. Oder gegen eine Bim . Aber Kant war ein Preuße und kein Wiener. Hier gab es dafür einen Freud für jedes Leid in der Liebe.

Diese Stadt entzieht sich dem Raster, nicht ganz, aber immer ein bisschen. Immer ein wenig neben der Linie, nie ganz gerade, nie ganz streng. Für alles gibt es eine Ausnahme. Die Bauordnung ist so gefinkelt, dass selbst Architekten verzweifeln. Die Kurzparkzonen sind ein Fleckerlteppich, auch für die "Parkpickerl" gibt es verschiedene Zonen mit unterschiedlichen Beginn- und Endzeiten und erlaubten Stehzeiten und diverse Ausnahmezonen, sodass die Autofahrer immer unsicher sind, ob sie jetzt korrekt bezahlt haben. Die Verwirrung ist System, das die Einnahmen für die Stadt erhöht.

Überall anders ist die laut bimmelnde Bim einfach eine Straßenbahn. Hier kann sie auch eine Tram sein. Tram , wie Tramway, sagen die Älteren - aber bitte ja nicht richtig englisch ausgesprochen! Wien hat ein Tramwaymuseum, aber kein Bimmuseum.

Man ahnt es schon, die Stadt ist kompliziert. Von ihrer Geschichte her, in ihrem Innenleben, in ihrer Struktur. Fremde mögen glauben, die Wiener leben alle als Fiaker, Kellner und Heurigenmusiker. Werkelmann und Wäschermädel sind leider ausgestorben, sonst wäre das Freilichtmuseum perfekt. In der Tat bezieht Wien seine Identität aus der Geschichte. Sie lässt sich als Kaiserstadt hofieren, obwohl der letzte Kaiser schon vor mehr als hundert Jahren verjagt worden ist. An solchen Doppelbödigkeiten ist diese Stadt beileibe nicht arm. Man sagt den Wienern ein großes Herz nach, weich und großzügig ist es, das goldene Wienerherz. Angeblich. Wenn es nicht schon im schwarzen Humor erstickt ist. Das Chanson vom Tauben vergiften im Park von Georg Kreisler hat sich hunderttausendfach verkauft. Gut, man hat Georg Kreisler ja auch nicht gut behandelt in dieser Stadt. Wie so viele andere. Mit jüdischer Herkunft waren die, die fliehen konnten, noch am besten dran. Kreisler, der kein begeisterter Jude war, wie er über sich selbst sagte, überlebte in den USA. Dort hat er sich seine satirische Scharfzüngigkeit bewahrt. Der guate, alte Franz demaskierte die Gutmütigkeit als Gemeinheit. Kreisler gab gerne den Aufmüpfigen. "Du kriegst einen Titel und ein Zertifikat. Dann bist du ein Starker, und fort mit den Schwachen", sang er, der giftige Anarchist, in Wir sind doch alle, alle Terroristen . Auch das ist das goldene Wienerherz.

Kreisler wurde vorgeworfen, von anderen abgeschrieben zu haben. In Wien verschwimmt leicht, was ein Original ist und was nicht. Wahrscheinlich eine Folge dessen, dass hier so viele ihre DNA-Spuren eingebracht haben. Oft haben Kriege das Wienerische mitgeformt. Die Türken wurden 1683 zwar abgewehrt, aber Kipferln und Kaffee sind seither nicht wegzudenken. Die Franzosen unter Napoleon wollten die Habsburger niederringen, und kurze Zeit residierte Bonaparte sogar im Schloss Schönbrunn. Er hatte Wien besetzt, das war die größte Schmach, aber wer vornehm wirken wollte, ließ seitdem trotzdem französische Brocken in seinen wienerischen Wortschatz einfließen. Da flanierten nasal parlierende Großbürger und Hausmeister auf dem Trottoir und zückten beim Heurigen ihr Portemonnaie. Und dann waren da noch die vielen Volksgruppen, die mehr oder weniger freiwillig und friedlich unter der Krone der Doppelmonarchie zusammenlebten. Und in der Hauptreichsund Residenzstadt ihre Spuren hinterließen. Ungarn, Polen, Ukrainer, Slowenen, Ital

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