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Neuschweinstein - Mit zwölf Chinesen durch Europa von Rehage, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.10.2016
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Neuschweinstein - Mit zwölf Chinesen durch Europa

Immer mehr Chinesen zieht es in den Ferien nach Europa. Christoph Rehage hat sich einer dieser Reisegruppen angeschlossen, um herauszufinden, was die Chinesen wirklich über uns und unsere Heimat denken. Der Vorteil: Er spricht fließend Mandarin und kann so die Erfahrungen der Gruppe intensiv miterleben. Auf dem Programm der vierzehntägigen Erkundungstour stehen kulturelle Pflichtstationen wie Schloss Neuschwanstein, Michelangelos David in Florenz und der Eiffelturm in Paris. Aber auch die heimlichen Lieblingsziele der Chinesen: Outlet-Center und Luxusboutiquen. In seinem klugen und zugleich amüsanten Buch erklärt Christoph Rehage nicht nur die Faszination von Schwarzwalduhren und deutschem Babymilchpulver, sondern ermöglicht interessante Einblicke in eine uns fremde Kultur.

Christoph Rehage, Jahrgang 1981, verbrachte nach seinem Abitur ein Jahr in Paris, wo er unter anderem als Pommesmann bei McDonald's und als Sicherheitsmann im Louvre arbeitete. Nach einer spontanen Wanderung durch Europa begann er, in München Sinologie zu studieren und verbrachte zwei Studienjahre in Peking, dem Ausgangspunkt seines bisher "längsten Weges" nach Hause. 2012 erschien sein Buch zur Reise unter dem Titel "The longest Way" bei Malik sowie der Bildband "China zu Fuß" bei National Geographic. Er wurde mit dem Globetrotter Reisebuchpreis und dem ITB-BuchAward ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 17.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492975469
    Verlag: Piper
    Größe: 910 kBytes
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Neuschweinstein - Mit zwölf Chinesen durch Europa

Am Ende unseres Rundgangs, als wir den Dom bereits wieder verlassen hatten, sahen wir dann noch etwas Besonderes: die Schweizer Garden. Sie waren knallbunt gekleidet, trugen schräg sitzende Hüte und hielten Hellebarden in den Händen. So standen sie vor einem Tor herum, mit dessen Bewachung sie offensichtlich betraut worden waren.

Der Große Freund kniff die Augen zusammen und schien einen Moment lang zu überlegen. Dann zeigte sie mit dem Finger in die Richtung der Garden und fragte: "Karneval?"

Tianjiao und die Kunststudentin waren begeistert. " Shuai! ", riefen sie immer wieder, ein Wort, das männliche Attraktivität und Coolheit beschrieb.

Als wir die Garden zum ersten Mal sahen: shuai!

Als sie eine Ablösung durchführten und mit knallenden Hacken vor ihrem Wachhäuschen herumhüpften: shuai!

Als eine hutzelige Oma mit einem Brief in der Hand erschien und von den Garden mit großer Theatralik eingelassen wurde: shuai!

Nur der Riesenjunge schien sich nicht daran zu erfreuen. Ich fragte ihn, was los war.

"Na ja, ich finde es schade, dass wir die Statue mit dem Fuß nicht gefunden haben", seufzte er.

Er sah sehr enttäuscht aus.

Wir blieben bei den Schweizer Garden stehen und machten unsere Fotos. Dann, als Reiseleiter Huang uns ein Zeichen gab, dass die Zeit gekommen war, gingen wir zurück zu dem Hügel mit der Busgarage. Wir wollten zum Trevi-Brunnen weiterfahren.

Die Ortsführerin war irgendwie immer noch bei uns. Während der Busfahrt bereitete sie uns darauf vor, dass der Brunnen, den wir vielleicht bereits aus dem ein oder anderen Film kannten, leider, leider gerade renoviert werde.

"Keine Angst, das ist nicht erst seit Kurzem so", kam ihr Reiseleiter Huang zu Hilfe, "solche Sachen können hier in Europa schon mal ein bisschen dauern!"

"Wie lange denn ungefähr?", fragte jemand.

Er lachte: "Jahre! Manchmal wird ein Gebäude gerade auf der einen Seite fertig renoviert, da muss man auf der anderen Seite schon wieder von vorn anfangen, weil es so lange gedauert hat. Kein Witz!"

Als wir am Trevi-Brunnen ankamen, verstanden wir, was er gemeint hatte: dort, im Inneren eines großen, trocken gelegten Beckens, kauerten Männer und Frauen und pinselten behutsam an den Statuenfundamenten herum. Reiseleiter Huang deutete in ihre Richtung und hob vielsagend die Augenbrauen. Die Werkzeuge, die sie benutzten, hatten die Größe von Zahnbürsten.

Wir stellten fest, dass der Boden des Brunnens mit Münzen übersät war.

"Das ist alles Geld, das von Touristen hineingeworfen wurde", erklärte die Ortsführerin, "denn das soll Glück bringen."

Ich sah die Augen des Riesenjungen aufleuchten, doch leider hatte die Ortsführerin noch nicht fertig gesprochen. "Wir werfen hier bitte NICHTS hinein!", mahnte sie. "Denn wir wollen die Restaurateure ja nicht verletzen!"

Der Kopf des Riesenjungen sank herab.

Wir standen auf einem Besuchergerüst über dem Brunnen. Es war eng, und von hinten drängten unentwegt weitere Touristen heran. Manchmal hörten wir ein Klimpern, wenn von irgendwoher eine Münze zwischen den Restaurateuren landete.

"Das Geld aus dem Trevi-Brunnen darf nur von der Stadtverwaltung eingesammelt werden, da kommen pro Jahr mehrere Zehntausend Euro zusammen", erklärte die Ortsführerin, "und weil die Römer schlau sind und darauf nicht verzichten wollten, haben sie für die Zeit der Renovierungsarbeiten einen Ersatzbrunnen geschaffen - extra nur zum Geldhineinwerfen!"

"Aber funktioniert das denn auch?", fragte Tante Ju zweifelnd. "Ich meine, wenn man etwas in den Brunnen hier wirft, bringt es natürlich Glück, aber hat der Ersatzbrunnen die gleiche Wirkung?"

Die Ortsführerin lachte: "Das muss man wohl auf einen Versuch ankommen lassen!"

Ich beschloss, nicht mit dem Großteil der Gruppe zum Ersatzbrunnen zu gehen, sondern stattdessen mit Tianjiao und der Sch

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