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No Baggage Ein Date, drei Wochen, acht Länder - und kein Gepäck. von Bensen, Clara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.01.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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No Baggage

Glück statt Gepäck: Die junge Journalistin Clara und der sympathisch verrückte Wissenschaftler Jeff haben sich gerade erst kennengelernt. Da schmieden sie einen ungewöhnlichen Plan: 21 Tage wollen sie quer durch Europa reisen. Das Besondere: Sie verzichten auf jegliches Gepäck. Mit minimaler Ausstattung, ohne Hotels und festgelegte Route gelangen sie schließlich von Istanbul über Budapest, Sarajevo, Dubrovnik, Edinburgh bis nach London. Ihre Geschichte zeigt: Die schönsten Dinge passieren, wenn man alle Sicherheiten aufgibt und sich auf das Ungewisse einlässt ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 14.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732512799
    Verlag: Bastei Lübbe
    Übersetzt von: Übersetzung: Krauß, Viola
    Größe: 42688kBytes
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No Baggage

M ein Orientierungssinn ist suboptimal. Diese Unzulänglichkeit hat nichts mit mangelnder Aufmerksamkeit für meine Umgebung zu tun - es ist eher eine Frage meines inneren Kompasses, der sich seit jeher auf die Seite der Poesie anstelle der Praktikabilität geschlagen hat. Ich folge den Pfaden des Naturforschers John Muirs, der schrieb: "Solange ich lebe, werde ich Wasserfälle und Vögel und den Wind singen hören. Ich werde die Felsen deuten, die Sprache der Flut, des Sturms und der Lawine lernen." Ich weiß genau, wo in meiner Nachbarschaft die Bienen einen Stock in einer stacheligen Rauschopf-Palme gebaut haben, und ich kann sofort zu dem Fleckchen wandern, an dem wilder Rosmarin in duftenden struppigen Büscheln wächst. Den Weg zur nächsten Tankstelle kann ich jedoch nicht eindeutig beschreiben - hauptsächlich deshalb, weil ich mich nie bemüht habe, die Himmelsrichtungen zu lernen.

Als Jeff und ich einmal die Autobahn von Austin nach San Antonio entlangfuhren, deutete ich ehrfurchtsvoll auf eine Ansammlung strahlender Lichter in der Ferne. "Sieht San-Antonio-Stadt nachts nicht aus wie eine Galaxie?"

"Das ist eine Zementfabrik, meine Liebe", sagte er lächelnd. "Wir befinden uns achtzig Kilometer nördlich von San Antonio."

Trotzdem, Navigationsmethoden der Romantik beiseite, kann ich normalerweise die richtige Antwort geben, wenn ich den Kontinent bestimmen soll, auf dem ich mich gerade befinde. Das war allerdings nicht der Fall, als Jeff und ich unsere verkrampften Beine in der Ankunftshalle des Atatürk-Flughafens ausstreckten.

Istanbul ist die einzige Weltstadt, die auf zwei Kontinenten liegt. Die Bosporus-Meerenge wird überspannt von gewaltigen Brücken und befahren von einer Fährflotte, die sich mitten durch das Herz der Stadt bewegt und dabei Ost und West, Asien und Europa miteinander verbindet. Während der Anfangsphase des Anflugs war ich abgelenkt worden von der Poesie des Mittelmeers ( eine weite, blaue Picknickdecke, die in der Sonne dahinplätschert ) und einer Flotte grauer Frachtkähne, die durch das Wasser pflügten ( wie Entenscharen aus Metall ). Jeff lag bewusstlos auf meiner Schulter mit leicht geöffnetem Mund und leicht schiefer Brille. Er zuckte nicht einmal, als die Stimme des Piloten über die Sprechanlage knisterte. "Es ist ein sonniger und klarer Nachmittag, meine Damen und Herren. Ein wunderschöner Tag in Istanbul. Siebenundzwanzig Grad am Boden mit einer leichten Brise aus Nordost. Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie sich, wir werden in Kürze landen."

Die Räder ächzten aus dem Bauch des Flugzeugs, als wir mit dem Anflug auf Istanbul begannen. Ich konnte Palmen und Minarette ausmachen, die wie schlanke, in die Erde gesteckte Nadeln nach oben ragten. "Wenn man nur einen einzigen Blick auf die Welt werfen könnte, so sollte man sich Istanbul ansehen", riet Alphonse de Lamartine, ein französischer Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts. Zu seinen Lebzeiten stand Istanbul - damaliges Zentrum des zerfallenden Osmanischen Reichs - gerade erst am Anfang der Moderne. Lamartine dürfte einer der Ersten gewesen sein, die das Gewässer des Goldenen Horns auf einer Brücke überquert oder eine Nachricht nach Hause per Telegraf versendet haben (wenngleich er wohl kurz vor dem ersten Pfeifen des Orient-Express von Paris nach Istanbul verstarb).

Im Gegensatz zu dem Lamartines war mein erster Blick auf Istanbul eindeutig modern. Er traf auf das wuselige Ankunfts-Terminal - Visa-Zeichen wirbelten hier mit den Schnörkeln des türkischen Alphabets umher; Türen führten zu stillen Gebetsräumen, wo Reisende gen Osten knieten; Bildschirme mit Anschlussflügen nach Beirut, Dubai und Kairo blinkten; und Designer-Kopftücher leuchteten in den Zollschlangen.

Ein Detail, das ich allerdings nicht klären konnte, war die Frage, ob der Flughafen sich auf der europäischen oder der asiatischen Seite befand. Dass ich absolut keine Ahnung hatte, auf

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