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Wo die Ostsee Westsee heißt Baltikum für Anfänger von Bünz, Tilmann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.06.2018
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Wo die Ostsee Westsee heißt

Für dieses Buch hat sich Tilmann Bünz in den Sattel geschwungen und ist von der kurischen Nehrung bis nach Narva gereist, mal mitten durch Estland, Lettland und Litauen, mal entlang einer Küste, die im Dornröschenschlaf liegt. Er erzählt von Erlebnissen und Begegnungen, von den verschwundenen Synagogen von Vilnius und der Renaissance der Holzhäuser von Riga, er verrät, wie man auf dem Kurischen Haff bei 20 Grad minus Stinte fangen kann und weshalb jeden Tag 100 Menschen aus Litauen auswandern. Und er erinnert an die größte Menschenkette aller Zeiten, die kurz vor dem Mauerfall den Anfang vom Ende der Sowjetunion bedeutete. Ein hintergründiges und aktuelles Geschichtenbuch für alle, die das Baltikum nicht nur bereisen, sondern verstehen wollen.

Tilmann Bu?nz, 1957 geboren, war lange Jahre ARD-Korrespondent für Skandinavien und die baltischen Staaten. Er ist Autor und Dokumentarfilmer. Für dieses Buch schwang er sich in den Sattel und radelte von Litauen über Lettland nach Estland. Er lebt in Hamburg und in den Schären vor Stockholm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 11.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641223533
    Verlag: btb
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Wo die Ostsee Westsee heißt

Erstes Kapitel

Onkel Toms Hütte und die Sahara des Nordens

Jenseits der Grenze ist Russland, links das Haff und rechts die Ostsee. Die Kurische Nehrung ist ein langer schmaler Sandstreifen, den man zu Fuß in einer halben Stunde durchqueren kann.

Ein magischer Ort, mit Sanddünen wie sonst nirgends in Europa. "Großartig und primitiv", notierte Sommergast Thomas Mann Anfang der dreißiger Jahre. Schön und karg. Die Dünen der Nehrung sind so einzigartig in der Welt, dass die UNESCO sie zum Weltkulturerbe erklärt hat.

Von Kiel sind es 560 Seemeilen - ein Abend, eine Nacht und ein ganzer Tag auf dem Meer, die Fahrräder unten im Bauch der Fähre, vorbei an Bornholm und der polnischen Küste. Endstation ist Klaip da, die Stadt an der Memelmündung. Früher hieß sie Memel und war Deutschlands nördlichster Hafen.

Von dort aus ist es nur ein Katzensprung auf die Kurische Nehrung, eine fast hundert Kilometer lange Sandbank im Memel-Delta, die nie zur Ruhe kommt. Die Weststürme treiben Sand heran, der Wind weht sie durch die Luft und setzt sie weiter ostwärts wieder ab. Eine Sandbank auf Wanderschaft. Die Menschen auf der Kurischen Nehrung sind es gewöhnt, dem Sand zu weichen. Wer zur größten Wanderdüne Nordeuropas will, läuft, ohne es zu ahnen, über drei versunkene Vorläufer des Ortes Nidden.

Nach zwei Kilometern zu Fuß durch die Dünen kommt man an einen Zaun, ein paar Windlichter an Kreuzen, Schilder, die mahnen, ja nicht weiter zu gehen. Dies ist die Außengrenze der EU .

Links runter führt Wanderweg 11 zum Haff - und plötzlich öffnet sich ein Durchschlupf zu einem kleinen Strand. Am äußeren Ende der Bucht wartet ein russisches Patrouillenboot auf Grenzverletzer, und aus dem Haff steigt die berühmte Hohe Düne. Aus der Ferne lässt sie an eine langgestreckte Majestät auf dem Diwan denken.

Den besten Blick auf die Schönheit hat man vom Wasser. Es bleibt lange flach und erinnert darin an das Steinhuder Meer bei Hannover, in dem, wie die Legende sagt, Ertrinkende durch einen Zuruf vom Ufer gerettet wurden: Versuch's doch mal mit Laufen.

Den ersten Kilometer reicht das Wasser bis zum Knie, dann bis zu den Hüften. Die Dünenberge mit dem blauen Himmel erinnern tatsächlich an die Sahara. Oben, man ahnt sie mehr, als dass man sie sehen könnte, gehen die Litauer täglich auf Patrouille. Manchmal nehmen sie Ausra mit, dann darf auch ein reisender Reporter mit.

Ausra bedeutet "die Morgenröte", mit vollem Namen heißt sie Ausra Feser, sie leitet den Nationalpark, durch den quer eine Grenze verläuft. Drüben ist der Oblast Kaliningrad, früher hieß Kaliningrad Königsberg. Immanuel Kant ist dort geboren.

Der Name sagt schon, dass es früher zu Ostpreußen gehörte. Die eine Hälfte der Nehrung ist russisch, die andere ist litauisch, bei Nidden verläuft die Grenze.

Ausra ist eine blonde, einnehmende Frau in den besten Jahren, gewitzt und durchaus machtbewusst. Was nicht wichtig ist, kann liegen bleiben. Da ist sie unbekümmert. Eine heitere Person mit einem Sinn fürs Absurde. Sie ist keine Karriere-Beamtin, sie lebt gerne hier auf dem letzten Zipfel Litauens, 360 Kilometer von der Regierung entfernt, auf ihrer geliebten Nehrung.

Als sie vor 26 Jahren nach Nidden kam, mit dem Geografie-Diplom aus Vilnius in der Tasche, traf sie bald den Reiseführer Werner, einen Deutschen. Bevor sie heirateten, sagte sie: "Glaub nicht, dass du mich hier jemals wegkriegst. Mach dir keine Hoffnung. Hier will ich leben." Werner blieb, und sie kümmerten sich fortan gemeinsam um deutschsprachige Touristen auf der Nehrung, bis Ausra dann vor ein paar Jahren zur Oberaufseherin des Nationalparks ernannt wurde.

Wenn Ausra nicht einen der neben der Altstadt von Vilnius größten Schätze Litauens hütet, macht sie gerne ausgedehnte Wanderungen auf der Nehrung. Resolut wie sie ist, nimmt sie bei den Streifzügen auch gerne ein paar ju

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