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Fronturlaub Wie ich in meiner Freizeit in Kurdistan den Kampf gegen den IS unterstütze, statt unter Palmen zu liegen von Lenze, Enno (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2018
  • Verlag: riva Verlag
eBook (ePUB)
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Fronturlaub

Enno Lenze ist Politiker, Hacker, Aktivist und Unternehmer. In Berlin leitet er einen Verlag und ein Museum. Aber seine größte Leidenschaft verfolgt er nach Dienstschluss: Er engagiert sich für Kurdistan. Eine Region, in der Geschichte geschrieben wird. 2011 bereiste er das Gebiet zum ersten Mal. In den Grenzregionen zwischen Syrien, Irak, Iran und der Türkei lernte er hochrangige Politiker und Generäle kennen. Seitdem ist er überzeugt: Was in Kurdistan passiert, betrifft die Welt. Und Deutschland. Ob im Kampf gegen den IS, in der Türkeipolitik oder der Flüchtlingsfrage: Das Verständnis von Kurdistan ist die Grundlage für das Verständnis unserer gegenwärtigen Politik. In Fronturlaub nimmt Lenze Sie mit auf seine Reisen. Er beschreibt eindrücklich und bildhaft seine Erfahrungen an der IS-Front und seine Begegnungen mit den Menschen und der Kultur vor Ort und erzählt von tragischen Schicksalen: von Familien, die durch den islamistischen Terror auseinandergerissen wurden, aber auch von Menschen, die bereit sind, für ihren Traum von Freiheit und Unabhängigkeit zu sterben. Enno Lenze ist seit 1982 auf der Erde unterwegs. Der Unternehmer aus Berlin, ist auch ehrenamtlicher Kriegsberichterstatter, Fotograf, Weltenbummler und politischer Aktivist mit großem Netzwerk und über 40000 Facebook-Fans.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 16.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959719605
    Verlag: riva Verlag
    Größe: 5399 kBytes
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Fronturlaub

Prolog

Irgendetwas lag in der Luft. Schon seit Tagen machte sich eine merkwürdige Stimmung in der Stadt breit. Die Leute verhielten sich komisch. Sie sprachen nicht mehr miteinander, warfen sich beinahe verschwörerische Blicke zu. Es schien, als würden einige der Einwohner von Shingal ein dunkles Geheimnis in sich tragen. Als würden sie etwas wissen, was die anderen nicht wissen dürften. Sharwez spürte das nicht bloß. Er beobachtete es auch. Besonders die Sunniten waren merkwürdig. Sharwez war Jeside, aber er hatte mit den anderen Religionsgemeinschaften im Ort nie ein Problem gehabt. Im Gegenteil. Man verstand sich immer gut. Seit Jahrzehnten schon. Doch in diesen Tagen schien etwas anders zu sein. Beunruhigt war Sharwez aber noch nicht. Dafür hatte er in den letzten Monaten zu viel erlebt.

Die Grundstimmung hier im Norden des Irak war grundsätzlich nicht die beste. Der Islamische Staat hatte große Teile des benachbarten Gebietes in Syrien eingenommen. Die Grenze lag nur ein paar Kilometer entfernt. Und jeder wusste, dass die Terrormiliz auf Expansionskurs war. Sharwez rechnete mit vielem. Er rechnete auch damit, dass es irgendwann zu Kämpfen kommen würde. Aber Sharwez rechnete nicht mit dem, was an einem heißen Augusttag im Jahr 2014 dann wirklich passieren sollte.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Der IS rückte an.

"Das kann nicht sein", warfen einige Soldaten ein, die hier in der Stadt stationiert waren. Sie wären doch gewarnt worden, wenn der IS größere Truppen einberufen hätte. So etwas bleibt nicht unbemerkt. Auf dem Marktplatz in der Stadtmitte versammelte sich eine große Menschengruppe.

"Sie kommen nicht mit großen Truppen", warf der Mann ein, dem offenbar die Informationen zugespielt worden waren. "Sie kommen mit ein paar Jeeps."

Mit ein paar Jeeps. Das war merkwürdig. Über das militärische Vorgehen der IS-Milizen gab es zahlreiche Gerüchte und einige Mythen. Es hieß, dass viele ihrer Soldaten übermütig wären. Dass sie oftmals unüberlegt handelten. Das hier schien so eine übermütige und unüberlegte Aktion zu sein. In Shingal waren nicht viele Soldaten stationiert. Aber die Bewohner hatten Waffen. Sie könnten sich gegen ein paar Hundert Angreifer zur Wehr setzen.

"Wann sind sie da?", wollte jemand wissen.

"In ein paar Stunden", sagte der Mann mit den Informationen. Und Sharwez, Familienvater, Ende 40, überlegte, was er nun machen sollte. Sollte er mit seiner Familie aus der Stadt fliehen und sie in Sicherheit bringen? Oder sollte er in der Stadt bleiben und helfen, sie zu verteidigen? Er wägte ab. Ein paar Hundert Angreifer waren auf dem Weg. Maximal. Shingal hatte knapp 40.000 Einwohner. Nein, dachte Sharwez, mit den paar IS-Idioten werden wir schon fertig. Er ging in sein Haus und besprach sich mit seiner Familie. Sagte ihnen, dass sie im Haus bleiben sollten. Für den Fall der Fälle. Die Häuser in Shingal waren einfache Betonhäuser. Ähnlich wie einfache Plattenbauten. Es gab keine Keller, keine Möglichkeiten, sich groß zu verstecken. Aber, beruhigte Sharwez die Familie, die Soldaten würden gar nicht erst bis in die Stadt kommen. "Bleibt einfach im Haus. Es kann nichts passieren."

Dann nahm er sich sein Sturmgewehr und ließ seine Familie zurück. Er kam nicht weit. Nach ein paar Metern hörte er Schüsse. Menschen liefen aufgeregt durch die Straßen, sie schrien. Was war passiert? Er schaute sich um. Immer mehr Menschen liefen ihm panisch entgegen. Dann hörte er die Rufe.

"Allahu Akbar!"

Waren sie da? War der Feind gekommen?

Sharwez kämpfte sich vorbei an den Menschen, die ihm entgegenströmten, und plötzlich sah er, wie immer mehr schwarz vermummte Männer mit Kalaschnikows aus den Häusern kamen. Er wurde bleich. Konnte das wirklich sein? Offenbar hatten sich zahlreiche Stadtbewohner dem IS angeschlossen. Und sie waren über die Offensive informiert.

Die schwarz vermummten Männer zogen durch die

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