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Lesereise Israel Party, Zwist und Klagemauer von Yaron, Gil (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2020
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
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Lesereise Israel

Israel, die Wiege der drei monotheistischen Religionen, ist nicht bloß einer der unruhigsten Orte der Welt, sondern auch ein lebendiger, jugendlicher Mikrokosmos, in dem Moderne und Tradition, Abendland und Morgenland mit- und nebeneinander bestehen. Ein arabischer Siedler, humorvolle ultraorthodoxe Juden und ein israelischer Elitesoldat, der für einen Palästinenserstaat demonstriert, sind einige der Beispiele dafür, wie Gil Yaron mit verbreiteten Stereotypen über Israel aufräumt. Stein für Stein legt der Autor ein facettenreiches, farbenfrohes Mosaik dieser vielschichtigen Gesellschaft. Gil Yaron wurde 1973 in Haifa geboren. In Düsseldorf aufgewachsen, kehrte er nach dem Abitur nach Israel zurück. Heute arbeitet der ehemalige Molekularbiologe als Nahost-Korrespondent für zahlreiche Zeitungen, Magazine und Radiosender in Deutschland und Kanada, darunter die 'Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung' und der 'FOCUS'. Im Picus Verlag erschienen seine Lesereisen Israel, Israel/Palästina und Jerusalem.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 26.02.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711754240
    Verlag: Picus
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Lesereise Israel

Wie der Holocaust nach Israel kam

Der Holocaust ist ein entscheidender Bestandteil der israelischen Psyche. Das war nicht immer so

Beruhigend tickt die große Standuhr im Hintergrund und passt so gar nicht zu der Geschwindigkeit, in der dieser agile dreiundachtzig Jahre alte Mann sein ereignisreiches Leben Revue passieren lässt. "Es ist vielleicht nur eine Nebensache", sagt Gabriel Bach. "Aber jedes Mal, wenn ich ein Kind in einem roten Mantel sehe, bekomme ich Herzklopfen. Dieser Anblick erinnert mich mehr an den Prozess als alles andere." Selbst bei jemandem, der so abgebrüht und erfahren ist wie Gabriel Bach, hinterlässt es schmerzvolle Narben, einen der größten Mörder des 20. Jahrhunderts anzuklagen. Das Aktenzeichen 40/61 mag harmlos klingen. Hinter diesen Ziffern versteckt sich jedoch einer der wichtigsten Prozesse in Israels Staatsgeschichte. Kein anderes Gerichtsverfahren prägte die israelische Gesellschaft so nachhaltig wie der Prozess gegen SS-Obersturmbannführer Otto Adolf Eichmann, der als Leiter des Referats IV D4 im Reichssicherheitshauptamt maßgeblich für die Deportation und Ermordung von Millionen Juden verantwortlich war. Bach hat als Staatsanwalt und später als Richter am Höchsten Gerichtshof an mehreren spektakulären Prozessen mitgewirkt. Kein Ereignis prägte sein Leben jedoch so wie die Monate, in denen er als stellvertretender Chefankläger im Eichmann-Prozess fungierte.

Als israelische Geheimdienstagenten den Obersturmbannführer 1960 in Buenos Aires aufgriffen und nach Jerusalem vor Gericht brachten, begann für Bach und den ganzen Staat Israel ein neues Kapitel. Am 11. Mai 1960 versetzte Israels Premier David Ben-Gurion das Land in Aufregung. In trockenen Worten verkündete er vor der Knesset , dass "unsere Sicherheitsdienste vor kurzer Zeit einen der berüchtigtsten Naziverbrecher, Adolf Eichmann, gefasst haben. Er war gemeinsam mit der Führung der Nazis für das verantwortlich, was sie als 'die Endlösung der Judenfrage' bezeichneten - in anderen Worten, die Vernichtung von sechs Millionen europäischen Juden. Adolf Eichmann ist bereits in unserem Land in Haft, und wird [...] hier in Israel vor Gericht gestellt werden." - "Es war, als hätte Ben-Gurion uns einen Stromschlag versetzt", erinnert sich Bach.

Zwei Tage später erhielt er den bereits erwarteten Anruf vom Justizminister, der ihn bat, im Prozess eine besondere Rolle zu spielen, nicht zuletzt wegen seiner perfekten Deutschkenntnisse. "Ich sollte die Beratung der Polizeieinheit 06 übernehmen, die die Anklageschrift gegen Eichmann vorbereitete." Bach war kurze Zeit zuvor im Alter von dreiunddreißig Jahren zum stellvertretenden Generalstaatsanwalt ernannt worden. Wie viele seiner Mitbürger war auch Bach ursprünglich ein Flüchtling aus dem "Dritten Reich". "Eine Reihe von glücklichen Zufällen hat dafür gesorgt, dass ich noch lebe", sagt Bach. Seine Familie entschloss sich erst 1938 zur Flucht aus Berlin, zwei Wochen vor der Reichspogromnacht, nach der die Flucht aus Deutschland unmöglich wurde. Fast wäre die Flucht gescheitert: "An der holländischen Grenze hielt ein SS-Offizier uns an und befahl uns, aus dem Zug zu steigen. Er durchsuchte unsere Koffer und ließ uns erst gehen, als der Zug bereits zu fahren begann." Zu seinem "Glück", so erinnert sich Bach heute mit einem leichten Schmunzeln, trat ihm der SS-Mann in den Hintern und half ihm so auf den Waggon. Ein markanter Abschied für jemanden, der später einmal das Bundesverdienstkreuz erhalten sollte. Nur einen Monat vor dem Einmarsch Deutschlands in Holland reiste seine Familie nach Palästina aus. "Es war die letzte Fahrt der 'Patria' - auf der nächsten Überfahrt wurde das Schiff versenkt", sagt Bach.

Nachdem er die Beratung der Einheit 06 übernommen hatte, lebte Bach neun Monate neben der Zelle, in der der Nazischerge untergebracht war: "Sie hatt

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