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Meine Reise ins Übermorgenland Allein unterwegs von Jordanien bis Oman von Pungs, Nadine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.03.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
14,99 €
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Meine Reise ins Übermorgenland

Allein und mit Neugier im Gepäck erkundet Nadine Pungs die Arabische Halbinsel: von Jordanien über Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Oman bis an die Grenze des Jemen. Sie reitet mit Beduinen durch die Wüste, übernachtet in Zelten und Wolkenkratzern, spricht mit Gastarbeitern und Geflüchteten. Sie trifft einen Scheich und hat sogar eine Audienz bei einer waschechten Prinzessin. Pungs sammelt Geschichten aus dem Orient und fügt aus ihren Begegnungen und Beobachtungen ein schillerndes Mosaik des heutigen Arabien zusammen. Dabei erlebt sie Herzensgüte, aber auch ausweglos erscheinende Situationen. Und irgendwann muss sie sich entscheiden: aufgeben oder solange weiterreisen, bis die Wüste das Meer küsst. Nadine Pungs, 1981 im Rheinland geboren, studierte Literaturwissenschaft und Geschichte. Davor, währenddessen und danach tingelte sie jahrelang als Kleinkünstlerin durch die Dörfer und spielte am Theater, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Was vom Geld übrig bleibt, steckt sie seit jeher in ihre Reisen. Denn auf der Suche nach Intensität und Schönheit zieht es sie immer wieder in die Welt. Zumeist allein. Ihre Geschichten bloggt sie u.a. auf reisedepeschen.de. Mit ihrer Iran-Reportage 'Randvoll ist mein Herz' gewann sie den The-Travel-Episodes-Schreibwettbewerb. Bei Malik erschien bereits ihr Reisebericht 'Das verlorene Kopftuch. Wie der Iran mein Herz berührte'. Die Autorin lebt in Düsseldorf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 02.03.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492996341
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 11674 kBytes
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Meine Reise ins Übermorgenland

Kuwait

Asterix im Tollhaus

Drei Kamele irren über brennende Ölfelder. Sie suchen nach Wasser und können keines finden. Hinter ihnen steigen schwarze Wolken auf, Rauchschwaden aus der Unterwelt. Eine Apokalypse. Der Fotograf Steve McCurry schoss 1991 das Foto, das weltberühmt werden sollte. Er sagte, dass keine noch so gute Aufnahme den ohrenbetäubenden Lärm dieser finsteren, höllengleichen Brandlandschaft habe erahnen lassen.

Als Irak 1990 Kuwait überfiel, war ich neun Jahre alt. Ich erinnere mich an die grünstichigen Bilder im Fernsehen, an das Heulen der Sirenen, an das Zischen der Raketen und dass sie wie Feuerwerkskörper am Nachthimmel leuchteten. Ich sah Panzer und Häusergerippe, Soldaten mit Maschinenpistolen, und ich hörte zum ersten Mal den Begriff "menschliches Schutzschild". In Deutschland hielten Demonstranten Plakate in die Luft, auf denen "Kein Blut für Öl" geschrieben stand. Bomben fielen auf Bagdad. Politiker sprachen von einem "sauberen Krieg". Über den Bildschirm des Röhrenfernsehers in unserem Wohnzimmer flimmerten verkohlte Leiber. In Decken gehüllte Kinder mit Witwengesichtern, gealtert und doch so jung wie ich, saßen in Schutt und Asche, der Nachrichtensprecher las eine Meldung über Giftgas vor. Manchmal konnte ich abends nicht einschlafen, weil mein Herz mit seinen Fäustchen von innen gegen die Wand hämmerte. Mein Vater erzählte, Saddam habe die Ölfelder angezündet, und ich schrieb meine Ängste ins Tagebuch.

Siebenundzwanzig Jahre später lande ich in Kuwait, mitten in der Nacht. Draußen sei Winter, meint der Pilot in seiner Durchsage. Auf dem Monitor lese ich "21 Grad". Für kuwaitische Verhältnisse ist das lausekalt. Im Sommer lassen sich auf dem Asphalt Spiegeleier braten. Schuhsohlen schmelzen, die Sonne brennt alles nieder, Vögel fallen tot vom Himmel. Und ganz gleich, wo man hingeht, egal, ob man eine Bank betritt, eine Mall, einen Gemüseladen oder eine Schule, jedes Gebäude ist heruntergekühlt. Und das kostet Energie.

Forscher meinen, der Klimawandel könnte die Golfregion bei ungebremsten Emissionen bis Ende des Jahrhunderts unbewohnbar machen, denn Temperaturen um die sechzig Grad seien dann der Regelfall. "Arabische Nächte sind, wie jeder weiß, viel heißer als heiß", singt der Händler, der im Disneyfilm die Geschichte Aladdins erzählt. Den Klimawandel hatte er wahrscheinlich nicht auf dem Zettel. Von der Bullenhitze können insbesondere die Kuwaiter ein Lied singen. Ihr Rekord lag 2016 bereits bei 54 Grad. Dies sei nur ein kleiner Vorgeschmack gewesen auf die Zukunft im Dampfbad, prognostizieren Wissenschaftler. In einem halben Jahrhundert könnten die Menschen am Golf getoastet, gebraten und gegrillt werden. Gegen das kosmische Fegefeuer helfen keine Gebete und keine Milliarden. Auch wenn Kuwait zu den reichsten Staaten der Erde gehört.

Ich atme die Nachtluft ein. Kuwait. Ich bin in Kuwait, irgendwo am Rande der Welt, und ich muss wieder an die drei Kamele denken und wie hinter ihnen die Wüste in Flammen aufging. Sechshundertneunundfünfzig Ölfelder brannten. Fünf Millionen Minen lagen unter der Erde verbuddelt, bis heute sind nicht alle geräumt. Ein Land wie ein Gemälde von Hieronymus Bosch. "Nationalpark des Satans" nannten die Menschen ihre Heimat. Vor zehn Tagen fuhr ein junger Kuwaiter mit seinem Jeep über eine der alten Sprengfallen. Er überlebte schwer verletzt.

Der Shuttlebus spuckt mich am Terminal 5 aus. Reisende aus Indien, Pakistan, Ägypten stehen in der Schlange und halten ihre Ausweispapiere in den Händen. Hinter der Passkontrolle rumpelt das Gepäckband, nur darf ich ohne Visum nicht durch. Die Beamtin weist mich darauf hin, dass es einen extra Einreiseschalter gibt. Sie hat aber keinen Schimmer, wo der sein könnte. Ich räume das Feld und spreche einen Flughafenmitarbeiter an, der in einen Computer stiert.

"Guten Tag. Ich hätte gern ein Visum. Wo muss ich hin?", erkundi

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