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Mein Blockhaus in Kanada Wie ich mir den Traum von Wildnis und Einsamkeit erfüllte von Rohrbach, Carmen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Mein Blockhaus in Kanada

2017/2018 erfüllte sich Carmen Rohrbach einen lang gehegten Traum und lebte mehrere Monate in einem Holzhaus fernab der Zivilisation, an einem See mit glasklarem Wasser, umkränzt von felsigen Bergen. Fesselnd berichtet sie von den Vorbereitungen und Schwierigkeiten ihres Abenteuers. Sie beschreibt, wie sie schon als Kind fasziniert war von den Geschichten über Trapper, Holzfäller und Goldsucher im ungezähmten Norden Amerikas. Wie sie auf ausgedehnten Wanderungen die Wildnis erkundete und schließlich mehrere Wintermonate in völliger Isolation bei bis zu minus 48 Grad verbrachte, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen. Auf mitreißende Art lässt sie uns an ihren intensiven Erfahrungen und Wahrnehmungen, ihren Beobachtungen und Gedanken teilhaben.

Carmen Rohrbach, geboren in Bischofswerda, ist Entdeckerin aus Leidenschaft. Sie studierte Biologie in Greifswald und Leipzig und schloss mit der Promotion in München ab. Ihre Reisen führten sie nach Südamerika, Afrika, Asien und Arabien, auf dem Jakobsweg durch Frankreich und Spanien und entlang der Isar durch Bayern und Österreich, stets auf der Suche nach intensiven Begegnungen und Naturerlebnissen. Heute ist sie die beliebteste Reiseschriftstellerin Deutschlands, dreht Dokumentarfilme, schreibt für Zeitschriften und hält Vorträge über ihre Reisen. Mit ihren persönlich geschriebenen Reiseberichten hat sie sich inzwischen eine große Fangemeinde erworben. Bei MALIK und MALIK NATIONAL GEOGRAPHIC erschienen mehr als zehn Bücher von Carmen Rohrbach, darunter der Spiegel-Bestseller 'Unterwegs sein ist mein Leben'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 02.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492994699
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 41928 kBytes
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Mein Blockhaus in Kanada

Eine Stadt entsteht durch die Eisenbahn

Smithers liegt im fruchtbaren Tal des lebhaft strömenden Bulkley River und schmiegt sich an bewaldete Berge, die von den felsigen Gipfeln des 2589 Meter hohen Hudson Bay Mountain gekrönt werden. Bis 1913 herrschte hier undurchdringliche Wildnis. Erst als die transkontinentale Zugverbindung der Grand Trunk Pacific Railway Company von Ost nach West durch das Land gezogen wurde, entstand hier ein wichtiger Knotenpunkt, der genau zwischen den beiden schon damals existierenden Orten Prince George und Prince Rupert lag. Arbeiter kamen von überallher, auch aus Europa und Asien, halfen beim Trassenbau, manche blieben und siedelten sich an. Smithers würde wohl kaum existieren, wäre die Eisenbahn nicht gebaut worden. Inzwischen leben etwa 5400 Einwohner in dem Gebirgsort und 20 000 in der näheren Umgebung in land- und forstwirtschaftlichen Gemeinden und auf einzelnen Farmen.

Die Leute, die der Eisenbahnbau angelockt hatte, waren aber nicht die ersten Menschen im Bulkley Valley. Seit Jahrtausenden war es das Heimatgebiet des indigenen Stammes der Wet'suwet'en, die noch heute in sechs Gemeinden hier leben. Der Stammesname bedeutet »Menschen der niedrigen Berge«.

Nach fast elfstündigem Flug hatten wir gegen Abend Vancouver erreicht, aber noch immer war es der gleiche Tag, denn die Zeitverschiebung beträgt neun Stunden. Wir waren also stets der Sonne vorausgeflogen, ohne dass es Nacht wurde. Ich fand es faszinierend, am Bordbildschirm die Flugstrecke zu betrachten und zu sehen, wie sich die Erde hinter dem Flugzeug verdunkelte. Fast gespenstisch sah es aus, als würden wir von einem dunklen Schatten verfolgt.

Am nächsten Morgen fliegen wir weiter nach Smithers. Den Ort habe ich nicht aus eigenem Interesse gewählt, sondern weil wir vom Buschflieger von hier in die Wildnis geflogen werden. In der Flughafenhalle werden wir von einem ausgestopften Grizzly begrüßt. Vor neugierigen Berührungen der Menschen sicher, steht er aufgerichtet in einem Glaskasten. Ein wahrhaft imposantes Tier, furchteinflößend, wenn er nicht schon tot wäre. Erlegt wurde er von zwei Offizieren der kanadischen Parkverwaltung, um die Rinder der Farmer zu schützen. »Phantom of the Hungry Hill« wurde der Bär genannt, der drei Jahre lang seine Verfolger narrte, jeder Falle auswich und sich nie bei Büchsenlicht blicken ließ. Immer dichter zog sich der Kreis der Fallen, den seine Verfolger aufstellten. Er aber, der mächtige Grizzly, schaffte es, die als Köder ausgelegten toten Kälber zu fressen, ohne dabei in die Fallen zu geraten. Mehr als 30 Rinder soll er innerhalb von drei Jahren getötet haben. Dann, im Oktober 2001, schlug seine Schicksalsstunde. Eine seiner Pfoten war in eine Eisenschlinge geraten. Das kluge, misstrauische Tier, das bis dahin allen Nachstellungen entgangen war, sie geschickt erspürt hatte, war gefangen. Fast hätte der Bär es geschafft, den Draht durchzubeißen, doch da näherten sich die beiden Offiziere. Mit einem gewaltigen Ruck zerriss er die Fessel und stürzte sich auf seine Feinde. Wenige Schritte vor ihnen brach der 460 Kilogramm schwere Koloss im Kugelhagel zusammen.

Diese Geschichte und der imposante Bär stimmen mich auf Kanadas Abenteuer ein. Zunächst aber geht es nicht in die Wildnis, sondern in bewohnte Gegenden. Während der Taxifahrt vom Flughafen nach Smithers, wo wir eine Nachricht erwarten, wie es am nächsten Tag weitergehen wird, erklärt uns der Fahrer mit düsterer Stimme: »Diese Straße wird 'Highway der Tränen' genannt. Seit Jahren verschwinden hier junge Frauen, die per Anhalter unterwegs sind, manchmal findet man irgendwann die Leichen. Mindestens 43 Mädchen sind schon umgebracht worden, vermutlich sogar mehr.«

»Hat man denn nie einen Verdächtigten gefasst?«, fragt Helmut.

»Wie denn?«, antwortet Jim. » Die Frauen sind tot. Sie können nicht mehr sprechen. Im Jahr 1969 hat man das erste ermordete Mädchen gefunden, und bis heute dauert

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